Welch ein Multitalent!Aus der Schulzeit kennt wohl jeder Leser Kopernikus. In dieser Biographie allerdings wird das Leben des Gelehrten sehr gut in den weiten europäischen Kontext hineingestellt. Allein die Tatsache, dass er von seiner Heimat Nordpolen nach Italien geht, Medizin studiert und so ganz nebenbei einen Abschluss in Kirchenrecht macht, zeigt schon ein klein wenig von der Vielfalt dieses Mannes.Wobei man natürlich sagen muss, Kopernikus konnte sich nur deshalb in so vielen verschiedenen Gebieten hervortun, weil viele Wissenschaften eben noch sehr in den Kinderschuhen steckten, was seiner Darstellung als Genie keinen Abbruch tun sollte. Beim Lesen kam mir immer wieder Luther in den Sinn. Auch er hatte mit seiner Reformation Glück. Er war zur rechten Zeit am rechten Ort und hatte, was äußere Umstände betraf, einfach Glück!Freely war mir bereits durch andere Bücher bekannt und ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Auch als Laie kann ich mich ihm gut anvertrauen und verstehe ihn gut. John Freely schafft es mir selbst komplexe Vorgänge verständlich zu erklären und gleichzeitig die Bedeutung der neuen These sichtbar zu machen.Wer allerdings für die doch irritierenden häufigen Namenswechsel: Copernici - Kopernikus - Copernicus Verantwortung trägt, weiß ich natürlich nicht, aber da hätte man sich ruhig auf die gebräuchliche Variante einigen können, auch wenn wenige Namensänderungen erklärt werden, scheinen mir einige doch Opfer der Übersetzung zu sein.Eine sehr zu empfehlende Biographie!
Den Namen Kopernikus verbinden wir vor allem mit der sogenannten kopernikanischen Wende, das heißt mit dem Umsturz des astronomischen Weltbildes in Europa in der Renaissance. Nach ihm stand nicht mehr die Erde im Mittelpunkt des Universums, sondern die Sonne. Doch wer war Kopernikus und in welchem historischen Kontext wirkte er? John Freely versucht in seiner gut 360-seitigen Biographie Zeit und Leben von Kopernikus zu vermitteln.John Freelys Biographie "Kopernikus" ist eine durchaus fundierte, aber auch leicht lesbare populärwissenschaftliche Einführung in das Leben, Werk und auch die Zeit des Mannes, den der Autor im Untertitel zum "Revolutionär des Himmels" erklärt.In 15 Kapiteln und einem Epilog erzählt Freely das gesamte Leben von Kopernikus von seiner Kindheit in Polen, seinem Studium und Reisen in Italien um 1500, seiner wissenschaftliche Laufbahn und die Entwicklung seines astronomischen Modells bis hin zu seinem Tod. Auch geht das Buch darüber hinaus, wenn in den letzten Abschnitten über die Wirkung bis hin zu Newton berichtet wird. Parallel geht der Autor auch immer auf die wissenschaftliche, kulturelle und politische Entwicklung der frühen Neuzeit ein, um das Wirken seiner Hauptfigur zu kontextualisieren. So bekommt der Leser auch einen fundierten und breiten Einstieg in die Zeit der Renaissance.Letztlich ist dieses Buch vor allem eine Wissenschaftsgeschichte, was bedeutet, dass der Autor auch häufig auf die konkurrierenden Weltbilder und wissenschaftlichen Konzepte an der Wende von Mittelalter und Neuzeit eingeht und sie erläutert. Das macht er durchgehend auf sehr verständliche und anschauliche Weise. So ist dieses Buch für jeden Leser ohne Vorwissen gut lesbar. Durch die lebendige Darstellung macht die Lektüre auch Spaß. Wer mit einigem Vorwissen zu diesem Buch greift, ist aber vielleicht enttäuscht, da der Autor wenig Neues erzählt, sondern letztlich nur den aktuellen Wissensstand zusammenfasst.Insgesamt ist diese wissenschaftsgeschichtliche Biographie eine empfehlenswerte Lektüre für jeden, der Lust hat, sich einen fundierten Überblick über das Leben von Kopernikus und seine Zeit zu verschaffen.
Schon die Darstellung des in „Polen“ geborenen Kopernikus ist falsch!Nach allen historischen Quellen, stammt die Familie Kopernikus aus dem ÖrtchenKopernicken.Dieser Ort liegt im schlesischen Kreis Frankenstein!Schlesien ist aber böhmisch/deutsch (nach den schlesischen Kriegen Preußisch).Auch sein späterer Wirkungskreis Ostpreußen war wohl eindeutig deutsch.Ist Kant jetzt auch bald Pole?Wie weit soll die Geschichtsklitterung noch gehen?Dr. Werner Görlich