★★★★★
k.A.
31.05.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein faszinierendes und tiefgründiges Werk, das einen wirklich neuen Blick auf die Psychologie des Bösen und die Macht der Umstände bietet. Ich empfehle es jedem, der sich für tiefgehende philosophische und psychologische Betrachtungen interessiert.
Vor 13 Jahren, als ich diesen Schinken gelesen habe, war ich sehr an Psychologie interessiert. Da führte an Zimbardo natürlich kein Weg vorbei. Auch 13 Jahre später zehre ich noch von dieser Lektüre. Ich kann mir vieles, was in der Welt, in meiner Umwelt und auch in meinem eigenen Geist vorgeht, dank dieses Buches erklären. Oft hilft es ja schon, sich so eines Effekts bewusst zu sein, um dagegen angehen zu können. Es ist m.E. auch recht leicht zu lesen, obwohl Zimbardo eine wissenschaftliche Koryphäe ist. Es liest sich eher wie ein Thriller und weniger wie eine wissenschaftliche Abhandlung. Ich denke, dass sehr viele Menschen dieses Buch mit großem Gewinn lesen würden.
Der Luzifer-Effekt ist ein hochinteressantes Buch von Philip Zimbardo, welches in den ersten Kapiteln das von ihm durchgeführte und sehr berühmte Stanford Prison Experiment (SPE) sehr detailliert nacherzählt, um dann in den darauffolgenden Kapiteln mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen die Missstände (Folter und Ermordungen) im US-Militärgefängnis Abu Ghraib im Irak, sowie in ähnlichen Einrichtungen zu erklären. Die Haupterkenntnis des Buches ist die Einsicht, dass menschliches Verhalten zu grössten Teilen aufgrund situativer oder systemischer Komponenten erklärbar ist und selten durch individuelle Prädispositionen (wie etwa einer sadistischen Veranlagung) und damit die kontraintuitive, unschöne Erkenntnis, dass sich unter gewissen situativen Umständen nahezu jeder so grausam oder unmenschlich verhalten hätte, wie die Wärter im SPE oder in Abu Ghraib. Um dies zu untermalen erklärt Zimbardo ausführlich verschiedene andere Experimente, dessen Ergebnisse in die gleiche Richtung gingen, wie zum Beispiel das ebenfalls berühmte Milgram-Experiment. Zimbardo klagt zudem die Verantwortlichen für die Gräueltaten im Irak frontal an, bis hinauf zum Präsidenten der USA, welche die Folterungen wissentlich gebilligt, ja gar verlangt und gefördert hatten.Ein sehr wichtiges Buch, um schreckliche Taten besser zu verstehen, was jedoch, wie Zimbardo immer wieder betont, nicht bedeutet, dass die Täter deswegen keine Verantwortung für ihre Taten tragen würden. Verstehen bedeutet nicht entschuldigen, doch es gibt die Möglichkeit Situationen und Systeme, welche schädliches Verhalten hervorrufen, präventiv gar nicht erst entstehen zu lassen.Die letzten Kapitel über die Banalität des Heldentums (das Gegenstück zu Hannah Arendts Banalität des Bösen), hat mich dann weniger überzeugt. Ich denke wir brauchen keine "Helden", welche sich durch ihr gutes Verhalten von den normalen (sich demnach schlecht verhaltenden) Menschen abheben. Solange wir einsehen, dass wir nicht von Natur aus zu den "Guten" gehören und uns damit von den anderen "Schlechten" abheben und sie schlussendlich auf unmenschliche Art bekämpfen, sondern dass wir abhängig von der Situation zu sowohl positiven als auch negativen Taten fähig sind und wir dementsprechend versuchen, bewusst negative Taten zu verhindern, werden wir es vielleicht schaffen, weniger Leid auf dieser Welt zu streuen.