Von der Suche nach der Weltformel bis zum Jenseits des Bewusstseins, den Grenzen der Technik und der künstlichen Intelligenz wird eine breite Palette an Themen auf sehr spannende Art und Weise beleuchtet. Hier werden also zentrale Fragen diskutiert!Dem Autor ist es wunderbar gelungen, Naturphänomene und Welträtsel wissenschaftlich zu betrachten und darzustellen. Besonders gut gefällt mir, dass ein Einstieg auch quer durch die klare Kapitelgliederung möglich ist.Das Buch ist hervorragend als Geschenk geeignet, für alle die etwas Licht hinter ihren Wissensschatten werfen wollen.Die einzelne Ameise kann nichts – doch der Ameisenstaat verfügt über überragende Fähigkeiten. Welträtsel gibt es im Kleinen wie im Großen - Wirkzusammenhänge werden in diesem Buch spannend dargelegt.
In diesem sehr umfangreichen Werk begründet der Autor seine Weltanschauung und entwickelt Vorstellung für eine moderne Gottesvorstellung/Religion. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die verallgemeinerten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfahrungen aus seinem Fachgebiet, der automatisierten Wissensverarbeitung.Der Autor geht davon aus, dass heute in unserer Welt nicht alles erklärbar ist, aber keine offene Frage die Existenz übernatürlicher Einflüsse erfordert. Eingriffe durch außerweltliche Akteure sind nicht nachgewiesen und zur Erklärung auch nicht notwendig, d.h. unsere Welt ist kausal geschlossen.Offensichtlich sind große Teile des Buches über Jahre (und Jahrzehnte) als Aspekte im Prozess des wachsenden Selbstverständnisses des Autors entstanden und hier zusammengefasst und einheitlich redigiert dargestellt. Nicht alles ist auf dem ganz neuesten Stand der Diskussion, aber immer mit Quellenangaben belegt. Seine Darstellungen dürften im großen Ganzen – bis auf Details – die Zustimmung sehr vieler gebildeter und philosophisch interessierter Fachleute aus den MINT-Gebieten finden. Für einen Band ist dieser Stoffumfang eindeutig zu viel, zumal von einem flüssigen Schreibstil keine Rede sein kann. Angesichts der Möglichkeiten des Internets ist dieses Kompendium in Buchform etwas aus der Zeit gefallen.Das abschließende Kapitel 10 spielt in Darstellung und Inhalt eine Sonderrolle. Hier kommt der Autor im zweiten Unterabschnitt endlich zum Ziel-Thema Emergenz (nur um sich unmittelbar danach in Spekulationen über Bewusstsein, Glauben und Religion zu ergehen). In den vorherigen Kapiteln gab es einige Beispiele der Emergenz, ohne auf die möglichen Entstehungs- und Wirkprinzipien (das erkenntnistheoretische Hauptproblem) einzugehen.Emergenz heißt das Phänomen, dass hinreichend komplexe Systeme Eigenschaften zeigen, die auf der Ebene ihrer Teile nicht zu beobachten sind und sich auch nicht unmittelbar ersichtlich aus den Eigenschaften der Teile ergeben. Von starker Emergenz wird gesprochen, wenn diese neuen Eigenschaften nicht auf die der untergeordneten Ebene reduzierbar sind. Der Autor sieht natürliche und evolutionär-gesellschaftliche Ursachen für das Auftauchen der Emergenz.Die im Titel herausgestellte Emergenz sollte unbedingt umfangreicher, tiefgehender und gezielter ausgeführt werden. Leider werden nur zwei andere Positionen aus der Forschung etwas ausführlicher dargestellt.Die philosophische Grundfrage dürfte darin bestehen, ob in relativ abgeschlossenen natürlichen Bereichen bei angemessener Dauer zumindest hin und wieder eine Art Selbstorganisation zu komplexen Systemen auftritt, externe Energiezufuhr vorausgesetzt. Die nächsten Stufen wären dann u.a. die Entstehung von Leben, Organismen, Insektenstaaten und Bewusstsein.Weitere in der Literatur diskutierte Begriffe im Umfeld der Emergenz sind Selbstorganisation, Supervenienz, reflexive Komplexität sowie Umschlagen von Quantität in Qualität (seinerzeit im Osten gebräuchlich).
Bei diesem Werk handelt es sich um eine fast 800 Seiten umfassende Fleißarbeit. Leider fehlt es bei den weitschweifigen Darlegungen des Verfassers über weite Strecken an einer stringenten Gedankenführung, bei der eine Aussage folgerichtig auf der vorausgegangenen aufbaut. Zum Teil verfehlt der Autor auch das jeweilige Thema, das er zuvor mit den Überschriften über die einzelnen Unterkapitel festgelegt hat. Besonders schwach sind seine Ausführungen zu den für das Thema des Buches relevanten kosmologischen und astronomischen Fakten; hier ist der Verfasser mit seinem Wissen offensichtlich partiell nicht ganz auf der Höhe der Zeit.Im übrigen vertritt Helbig im Hinblick auf die physische Abhängigkeit und ganz besonders auf die mentale Verflechtung zwischen den Menschen die Meinung, dass jeder einzelne Mensch ohne die anderen buchstäblich nichts wäre (eine Meinung, der ich mich definitiv nicht anschließen kann). In diesem Zusammenhang kommt der Verfasser zu dem Ergebnis, dass durch das Wirken der gesamten Menschheit, also durch die komplexen Wechselbeziehungen von Milliarden mit Bewusstsein begabter Einzelwesen, ein Weltbewusstsein ("WB") als emergentes Phänomen entstehe. In Kapitel 10.4 ("Gott als emergentes Phänomen") formuliert der Autor schließlich zehn Kriterien, die eine adäquate Gottesvorstellung erfüllen solle, damit sie eine möglichst weitgehende Akzeptanz erfahren könne. Hier war ich besonders "dankbar" für den Hinweis, Gott müsse trotz der geforderten personalen Gottesvorstellung geschlechtsneutral und ethnisch indifferent verstanden werden können. Ach so? Ich war immer der Meinung gewesen, dass Gott ein weißer alter Mann sei. Wieder etwas gelernt. Im übrigen schlägt der Verfasser vor, Gott mit dem Weltbewusstsein (oder genauer genommen mit dessen positivem Teil "WB+") gleichzusetzen. Gott sei also der Teil des globalen Bewusstseins der gesamten Menschheit, der als "WB+" all das umfasse, was wir Menschen als zutiefst wichtig, als gut, als uns tragend ansehen.Angesichts dessen, dass einerseits das Universum und damit die kosmische Evolution seit etwa 13,8 Milliarden Jahren existiert, es mehrere hundert Milliarden Galaxien mit im Durchschnitt jeweils ca. 100 Milliarden Sonnen gibt, von denen jede im Durchschnitt so gut wie sicher von mehr als einem Planeten umkreist wird, und dass andererseits die Menschheit erst ein paar hunderttausend Jahre alt ist und nur einen einzigen kleinen Planeten bewohnt, ist der von Helbig vorgeschlagene, auf die Menschen reduzierte Gottesbegriff eine provinzielle Verzwergung Gottes und letztlich völlig abwegig.Der Anthropomorphismus, von dem dieses Buch geprägt ist, ist seine größte Schwäche.