★★★★★
k.A.
22.07.2026
ean-shopping.de
Das Buch ist eine schöne literarische Reise, aber die Umsetzung der Beschreibung der versteckten Wohnung wirkt etwas vage. Trotzdem ist die Atmosphäre sehr stimmungsvoll.
★★★★★
Circlestones Books Blog
21.04.2024
amazon.de
„Als ich hier angekommen bin, auf dem Parkplatz vor der Stadtmauer, hat die Luft über dem Asphalt gezittert. Jetzt fallen schon die Blätter von den Platanen.“ (Zitat Seite 7)InhaltPaul Spielmann, hat nach seiner Scheidung, fünfundfünfzig Jahre alt, auch seine feste Stelle als Lehrer für Mathematik und Musik gekündigt. Schon mehrmals haben ihm seine Therapeutin Julia und deren Ehemann Marco angeboten, in ihrer italienischen Ferienwohnung in San Vito eine Auszeit zu nehmen. Als Pauls Comeback als Liedermacher scheitert, nimmt er das Angebot an. Obwohl er rasch bemerkt, dass es nicht mehr das verträumte San Vito ist, von dem Julia und Marco schwärmen, sondern ein von italienischen Touristen überlaufenes Städtchen, findet er auf der Terrasse über den Dächern Ruhe, beobachtet die Vögel, besonders ein Taubenpaar, und die Wolken. Bis eines Tages Abdallah vom Dach auf die Terrasse springt, auf der Suche nach einem sicheren Unterschlupf.Thema und GenreIn diesem Roman geht es um eine Lebenskrise, Stillstand, eine Auszeit, um die Suche nach einer möglichen persönlichen Zukunft. Themen sind der italienische Sommer nach der Pandemie, Freundschaft, der politische Rechtsruck in Italien und das Leben der Flüchtlinge, die über das Meer nach Italien kommen.Charaktere„Wer bist / DU?, wiederholen sie, wer bist / DU? Wer bist / DU? Ich bin Paul, sage ich, aber sie scheinen mir nicht zu glauben.“ (Zitat Seite 22) Nicht nur die Tauben fragen Paul, wer er ist, auch er selbst stellt sich diese Frage während der Wochen, die er auf dieser Terrasse mit dem Blick über die Dächer in die Weite der Landschaft verbringt.Erzählstil und SprachePaul selbst schildert diese Zeit in San Vito als Ich-Erzähler in der Gegenwart, etwa Sommerende, und beginnt chronologisch mit seiner Ankunft Ende Mai. Er lässt uns an seinen Begegnungen mit besonderen Menschen teilhaben, die er in San Vito trifft, und vor allem an seinen genauen Beobachtungen der Natur, die ihn mit immer neuen Facetten erstaunt und fasziniert. Durch seine Gedanken, Sorgen, sein Verhalten und seine Entscheidungen erfahren auch wir immer neue Details über ihn. Die Sprache erzählt leise, einfühlsam, in den Beschreibungen lebhaft und anregend.FazitEine aktuelle Geschichte über einen Stillstand im Lebenslauf, nachvollziehbar und wohl vielen von uns bekannt, dazu italienisches Lebensgefühl und brisante politische Themen.
HENISCH, Peter: „Nichts als Himmel“, Salzburg Wien 2023Zum 80. Geburtstag von Peter Henisch erschien dieses Buch. Es hat – wie jenes zu seinem 70er – einen Italienbezug. Der Protagonist Spielmann hat sein Leben grundlegend verändert. Er, der Lehrer, hat mit 55 Jahren seinen Job gekündigt. Seine Kollegen erscheint das als falsche Entscheidung. Zusätzlich hat er eine Scheidung hinter sich und lebt nun während der Corona Pandemie isoliert in einer kleinen Wiener Wohnung. Er braucht psychologische Unterstützung. Daraus entwickelt sich eine Beziehung zur behandelnden Psychotherapeutin und deren Mann. Sie haben eine Wohnung in der Toskana. Nachdem sie selbst viel Arbeit haben und keinen Urlaub machen können, geben sie ihm den Schlüssel, damit er dort einige Zeit wohnen kann.Italien ist für Peter Henisch ja kein unbekanntes Land. Schon sein Buch „Mortimer und Miss Molly“ handelte hier.Er lebt wie ein Einsiedler in der Wohnung der Wiener Freunde. Beschäftigt sich mit sich selbst. Mit Lesen und fotografieren. Trotzdem treten mehrere Personen in sein Leben. Zu Beginn ein Italiener, der ihn mit dem Wohnungsbesitzer verwechselte. Er führte ihn in die Dorfgemeinschaft ein und lud ihn auch zu sich ein. Dann ein etwas verschrobener Intellektueller, der ihm die Gärten des Ortes erklärte. Auch eine Frau trat in sein Leben. Schon bei der Ankunft half sie ihm das komplizierte Schloss der Haustür aufzusperren. Mit einer Schale Kirschen aus ihrem Garten besuchte sie ihn dann und daraus entwickelte sich eine Beziehung.Henisch setzt sich auch mit aktuellen Problemen auseinander. So auch die Migration von Afrikanern in Italien. Er bringt solch globalen Probleme sehr anschaulich anhand von Beispielen, anhand von Personen. So etwa steht plötzlich ein afrikanischer Migrant in der Nacht mit vorgehaltener Pistole auf seiner Terrasse. Er verlangt etwas zum Trinken und zum Essen. Spielmann versorgt ihn. Da er von der Polizei verfolgt wird, versteckt er ihn. Sie leben längere Zeit zusammen. Als dann die deutsche Frau, mit der er in San Vito eine Beziehung begonnen hatte, wieder zurückkommt, stellt sich heraus, dass sie den Migranten kennt. Sie hat einmal in einem Dorf gearbeitet, wo der Bürgermeister den Migranten leerstehende Häuser zur Verfügung gestellt hat. Letztlich wurde er aber rechtlich verfolgt und auch verurteilt, obwohl er sich nicht persönlich bereichert hat, sondern den Unterstandslosen geholfen hat. Da der Afrikaner nicht auf Dauer in der Wohnung versteckt werden kann, entschließt sich die Freundin ihn nach Deutschland mitzunehmen. Sie wird ihn beim Passieren der Grenze zu Österreich und zu Deutschland im Kofferraum verstecken. Ob dieser „Transport“ gut gegangen ist bleibt im Buch offen.Die neue Vorgangsweise der italienischen Regierung gegen Migranten wird auch anschaulich berichtet: Spielmann trifft in Siena auf eine Wahlversammlung von Frau Meloni und deren Agitation gegen Afrikaner.Den Buchtitel bekam das Buch durch die Situation, dass der Protagonist Spielmann in seinem Einsamkeit in der italienischen Wohnung der Freunde viel fotografierte und hier vor allem den Himmel.„Himmel mit aufgehender Sonne. Himmel mit untergehender Sonne.Himmel mit Wolken. Wolkenloser Himmel.Himmel mit zunehmendem Mond. Himmel mit abnehmenden Mond.Himmel mit Sternen. Himmel ohne Sterne.Himmel mit hellgrauen Streifen. Himmel mit dunkelgrauen Streifen.Ein Himmel völlig vom Wind verwischt.Wolken am unteren Rand des Bildes wie heftig strömendes Wasser.“ (Seite 227)