★★★★★
k.A.
16.06.2026
ean-shopping.de
Das Buch ist sehr eindringlich und befasst sich mit einem beunruhigenden Thema, obwohl es einige sehr starke Inhalte enthält. Die Darstellung ist bemerkenswert, aber manche Passagen sind emotional sehr belastend.
Leo ist ein Student der Rechtswissenschaften und ist Mitglied in einer Burschenschaft. Rechtes Gedankengut liegt ihm sehr nahe, fast schon im Blut. In der Burschenschaft kommt er diesem Gedankengut immer näher, doch ist ihm alles nicht aktiv genug. Als er schließlich von einem Kommilitonen angesprochen wird, ob er Interesse an direkten Aktionen hat, lässt er sich darauf ein, eine Theatervorführung zu stören. Doch auch das reicht ihm nicht. Also bastelt er sich eine Garotte und tötet den Kebab Verkäufer Hassan und sieht sich auf einem Feldzug gegen die Ausländer. Mit diesem ersten Mord begibt er sich in eine Spirale, die nichts Gutes für ihn bedeutet.In dem Krimi „In der Schlinge des Hasses“ zeigt Herbert Dutzler, wie leicht man in ein Gedankengut abrutschen kann, so dass es zu seinem eigenen wird. Die Methode, die der Autor gewählt hat, dem Leser das deutlich zu machen finde ich sehr gelungen. Die Perspektive, also die Sicht des Hauptakteuers ist faszinierend, weil hier Schritt für Schritt die Schlinge des Hasses dargestellt wird. Es werden hier der Weg hinein, in den Kapiteln mit den römischen Zahlen, und den lateinischen Zahlen, den Weg der endgültigen Schließung der Schlinge. Dazu passt das Leo natürlich eine Garotte wählt, um vom Opfer zum Täter zu werden. Die Darstellung seiner Kindheit mit dem sehr dominanten Vater und der hilflosen Mutter ebnete den Weg in die Heimatverbundenheit und den Hass auf alles Fremde. Der Vater möchte aus hm einen richtigen Mann, was auch immer das bedeutet, machen und das kommt diesem völkischen Gedanken aus dem Dritten Reich sehr nahe, was auch in diesem Lager, aus dem Leo flieht, geschehen soll und dass logischerweise seine Fortsetzung in der Burschenschaft und der anschließenden noch radikaleren Gruppe, sich noch weiter verfestigt. Man kann hier gut verfolgen, wie der äußere Einfluss sich langsam zum eigenen Gedankengut wandelt. So ist auch der Spannungsbogen, oder ich möchte ihn hier in die Spannungsspirale umbenennen, die sich immer enger zieht, bis sie im tragischen Ende mündet. Einen kleinen Blick möchte ich auch auf die anderen Figuren lenken, die die Spirale begleiten sie aber nicht aufhalten können eher noch beschleunigen. Der coole Kommissar Weiß tut hier sein Übriges, aber auch er kann Leo am Ende nicht aufhalten, seine Mission zu beenden.Ich finde diesen Krimi sehr interessant, da er sehr aktuell daherkommt und sehr realistisch geschrieben ist. Das Thema ist sehr wichtig und deshalb finde ich auch die Ereignisse aus der Sicht des Täters zu schildern sehr hilfreich, Menschen wie Leo zu verstehen. Ein sehr gut geschriebener Krimi, den ich gerne weiterempfehlen möchte.
Steter Tropfen höhlt den Stein. Am Anfang ist Leo ein (scheinbar) ganz normales Kindergartenkind. Seinen Werdegang erleben wir aus zwei Perspektiven. Was aus ihm geworden ist, zeigen die Kapitel, die sein Leben als Erwachsener schildern. Die anderen handeln von seiner Kindheit und beschreiben einen Weg, der in gewisser Weise vorgezeichnet war, nicht unbedingt zwingend, in seinem Fall aber unausweichlich.Die unseligen Vorzeichen beobachten wir bereits im Kindergartenalter, wenn Leos Mutter offenbar völlig unfähig zu sein scheint, sich auf die kindliche Gedankenwelt ihres Sohnes einzulassen. Sie holt ihn vom Kindergarten ab, doch das selbstgebastelte Hexenhaus interessiert sie wenig und sie würde es am liebsten gar nicht mitnehmen, schließlich hat man "zu Hause schon genug von dem Krempel".Leo kennt das aber schon, denn bevor Papa nach Hause kommt, ist Mama immer "furchtbar hektisch". Kein Wunder, denn gegen seine Autorität ist absolut kein Kraut gewachsen. Mit "Mädchensachen" darf Leo nicht spielen, das Besteck auf dem Esstisch muss perfekt ausgerichtet und im rechten Winkel zur Tischkante liegen, und überhaupt hat das ganze Leben in geordneten Bahnen zu laufen, denn schließlich soll aus Leo mal ein ganzer Kerl werden. Wenn Papa endlich wieder zur Arbeit muss, legt Mama"die Hände vors Gesicht und zuckt. Ich glaube, sie weint still in sich hinein."Das alles ist schlimm genug, doch reicht für sich alleine gesehen nicht, die Entwicklung in ein rechtsradikales Milieu zu rechtfertigen, doch in der Summe bringen die steten Tropfen das Fass irgendwann zum Überlaufen.Die Hilflosigkeit dem Vater gegenüber und den sich unaufhaltsam steigernden Hass der Mutter gegenüber, die zur Alkoholikerin wurde und sich in ihrer Verzweiflung an ihren Sohn zu klammern versucht, lassen in Leo immer mehr das Bild eines Einzelkämpfers entstehen.Diesen giftigen Cocktail reichern dann rechte Denkmuster an, die er gebetsmühlenartig immer und immer wieder wiederholt und verinnerlicht, eine bösartige Saat, die bei ihm wie auf fruchtbaren Boden fällt. Die ihm lächerlich erscheinenden Aktionen gegen Linke, die im Rahmen seiner studentischen Verbindung organisiert werden, reichen ihm längst nicht mehr aus. Er muss etwas tun. Mehr tun. Handeln statt reden. Schließlich sind das Vaterland, seine Kultur und Religion in akuter Gefahr.In Gefahr ist auch die gute Laune der Leserinnen und Leser, denn dieses Psychogramm eines gewaltbereiten Rechtsradikalen wirkt erschreckend authentisch und unterstreicht gewisse gesellschaftliche Entwicklungen sowie Ereignisse, die bereits stattgefunden haben.Herbert Dutzler hat ein beklemmendes Bild gezeichnet. Die Romanform ist geglückt, doch wird sie vermutlich leider nur jene Menschen erreichen, die sich fernab des beschriebenen Gedankenguts bewegen. Doch wer weiß, was ein Buch dieses Kalibers vielleicht doch erreichen kann?!
Der Autor stellt uns den kleinen Leopold (der IV.) im Kindergartenalter vor. Er erzählt uns von der Strenge seines Vaters (Leopold der III). Der ist dominant und hart gegenüber Leo und dessen Mutter. Dann gibt uns Herbert Dutzler Einblicke in das Denken und Fühlen des Jurastudierenden Leos. Hier zeigt sich bereits ganz deutlich seine rechtsradikale Einstellung. Die sich im Laufe der Geschichte hochschraubt zu Menschenverachtung, Verfolgungswahn, Hass und dem Fehlen jeglicher Empathie gegenüber anderen. Hierbei eingeschlossen sogar seine Mutter, die dem Alkohol verfallen ist seit dem Tod des Ehemannes. Vor- und Rückblenden wechseln sich im Buch ab, was mir gefallen hat.Es hat mich regelrecht kribblig gemacht zu lesen wie krank die Denkweise des jungen Mannes sich entwickelt hat. Das zu vermitteln ist dem Autor wirklich sehr gut gelungen. Ich frage mich nur, wer daran die meiste Schuld trägt. Der autoritäre Vater, der seinen Sohn bereits in jüngsten Jahren stählen wollte? Oder die in der Ehe sich dem Mann unterordnende, duckmäuserische Mutter, die nie gegen ihren Mann aufbegehrt und nach seinem Tod nur noch den Alkohol als Sinn des Lebens gesehen hat. Für mich ist das ein sehr anschaulicher Abriss wie ein Mensch sich in diese Richtung entwickeln kann und was ihn zu seinen Taten treibt. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.