Tap-Out - so schnell kann es gehen! Was in diesem Roman beschrieben wird, kann uns alle schneller einholen als uns lieb ist. Die Autoren beginnen ihren Roman mit einem zunächst nicht besonders dramatisch anmutenden Einschnitt: Es gibt kein Wasser. Eine zunächst nur lästige kleine Randerscheinung. Man kann sich nicht wie gewohnt duschen, es kommt nichts aus dem Hahn, das Leben wird ein wenig verkompliziert. Dennoch macht sich schnell der Verdacht breit, dass das keine kurzfristige Einschränkung sein könnte und noch schneller bahnen sich die ersten gesellschaftlichen Umstürze an. Wer jetzt schnell und rücksichtslos ist, der kann sich im Supermarkt die plötzlich kostbaren Wasservorräte sichern. Erste Auflösungserscheinungen treten zu Tage: Kinder und alte Menschen werden nicht mehr rücksichtsvoll behandelt, wenn es plötzlich um das eigene Weiterkommen geht, werden bisherige Freunde zu Konkurrenten. Das Gefühl des herannahenden Unheils vermittelt bereits jetzt eine extreme Spannung, die an den Nerven zerrt.Dennoch ist dies nur der Beginn der Katastrophe, die sich mit jedem weiteren Tag, in die die Kapitel gegliedert sind, und mit zunehmenden Horrorszenarien ihren Weg bahnt. Der Mensch kann grundsätzlich drei Tage ohne Wasser überleben. Welche Quälereien und vor allem welche Kämpfe diese möglichen drei Tage aber beinhalten, darüber macht sich niemand Gedanken. Natürlich ist es menschlich, dass sich Überlebensstrategien herauskristallisieren – die aber im Großen und Ganzen ungeeignet sind, um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern.Es wird heißer in Kalifornien, wo eines Tages kein Wasser mehr aus den Leitungen kommt. Die Regale in den Supermärkten sind schnell leer. Die Regierung verspricht Hilfe – doch wo bleibt sie?Alyssas und Garretts Eltern versuchen sich zur Küste durchzuschlagen, wo angeblich Wasseraufbereitungsanlagen Meerwasser in Trinkwasser verwandeln. Als sie nicht zurückkehren, sind die Geschwister auf sich allein gestellt, unterstützt nur durch Kelton, den Sohn der Nachbarn, die Waffenfans und Prepper sind, und sich auf den Ernstfall vorbereitet haben. Aber nicht auf das, was sie wirklich erwartet. Nur so viel, die drei Jugendlichen müssen sich auf die mühevolle und quälende Suche nach Wasser begeben, ihnen schließen sich noch zwei weitere junge Erwachsene, die seit zwei Jahren obdachlose Jacqui und der geborene Händler Henry (ein Sinnbild für den Kapitalismus?), an. Abwechselnd wird die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven (Ich-Erzähler, Präsens) erzählt.Die Shustermans zeigen sehr schön, wie Menschen zunehmend egoistischer werden und langsam Anarchie ausbricht. Der Roman ist schnell und leicht zu lesen und er ist einfach superspannend. Bis auf die Tatsache, dass die Protagonisten alle noch recht jung sind, ist kein Unterschied zu einem guten Spannungsroman für Erwachsene zu erkennen. Ich empfehle ihn daher nicht nur allen, die zum Beispiel Poznanski-Jugendbücher mögen, sondern eigentlich auch allen anderen, die sich für die Thematik interessieren.Das, was man nicht erwarten sollte, ist, dass alle Punkte logisch und durchdacht sind. Die Trockenheit und der so genannte „Tap-Out“ betrifft (Süd-)Kalifornien, nicht den Rest der USA, warum gibt es keine Hilfsgüter aus anderen (Bundes-)ländern? Warum gibt es in Kalifornien keine natürlichen Flüsse oder Seen? Natürlich kaufen die Menschen bei einer Knappheit wie verrückt ein, aber es gibt so viele Depots, so viele Getränke außer Wasser und selbst die Flüssigkeit in den Obstdosen würde einem über ein paar Tage hinweghelfen.Andere Überlebensstrategien werden mit der teilweise nur kapitelhaften Darstellung weiterer Personen beschrieben. Einige, die teilweise rein zufällig über einen neuen Reichtum durch ihre Wasservorräte verfügen, bereichern sich schamlos an der neuen Situation. Die Sippe der „Kriegsgewinnler“ macht sich auch hier breit, andere werden in die Prostitution getrieben, um das nackte Überleben zu sichern. Viele Ereignisse werden sicherlich nur angedeutet oder die Handlung blendet frühzeitig aus, dennoch empfand ich einige Szenarien als sehr belastend, so zum Beispiel die Szene, wo nur die Vielzahl der verlorenen und zurückgelassenen und immer weiter läutenden Handys von einem schrecklichen Überlebenskampf auf einem Strandabschnitt berichtetet.Dry ist ein erschreckend realistisches Lehrstück darüber, wie schnell das Deckmäntelchen der Humanität und des sozialen Denkens weggerissen wird, sollte das bisher niemals in Frage gestellte bequeme Überleben plötzlich gefährdet werden. Dennoch zeigt das Buch auch, dass es gelingen kann, innerhalb schwierigster Umstände als Gruppe zu überleben. Nur wer lernt, sich schnell und flexibel auf das neue Leben einzustellen, wer bereit ist, die Umstürzung der Strukturen von „Unten“ nach „Oben“ zu akzeptieren und kreativ neue Ideen entwickeln kann, der hat möglicherweise eine Chance.Fazit: Es ist absolut erschreckend, was das Autorenpaar (Vater und Sohn) Shusterman hier als Dystopie kreiert hat und das Buch wird definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen und damit auch die Frage, inwieweit wir weltweit auf so ein Szenerario vorbereitet sind.
DRYAutor: Neal & Jarrod ShustermanVerlag: Fischer VerlageSeitenzahl: 336Erscheinungsdatum: 22.05.2019*Inhalt*Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.Niemand glaubte, dass es soweit kommen würde. Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts. Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben.*Cover*Das Cover von DRY ist eigentlich recht schlicht gehalten, trotzdem reicht es aus um die Botschaft hinter diesem Buch zu vermitteln. Ein rotes, eher dunkles Cover und im Vordergrund brennendes Wasser. Auch die paar Worte, am unteren Rand des Covers, sagen mehr als Bilder es je könnten. Ich liebe dieses Cover, es sagt einfach so viel mehr aus, als bunte Bildchen es je könnten und gefällt mir richtig gut. :)*Schreibstil*Neal schreibt einfach fantastisch. Sein Worte lassen Kopfkino entstehen und gleichzeitig aus der Realität entfliehen. Seine Worte rein zum Nachdenken an und man vergisst das Gelesene nicht sofort wieder. Nicht nur der Gesichte, sondern auch der Art und Weise wie diese erzählt wird, ist es zu verschulden, dass Dry mich so schnell nicht loslassen konnte.*Meinung*Alyssa wohnt mit ihrer Familie in einer Kleinstadt in Kalifornien. Vor einiger Zeit wurde das Wasser knapp und daher wurden strikte Regeln zum Wassersparen erstellt. Das Bewässern von Pflanzen oder unnötiger Wasserverbrauch wurden verfolgt und bestraft. Doch irgendwie kamen alle klar, bis zu dem alles verändernd Tag. Eigentlich war es absehbar, doch niemand hat damit gerechnet... Plötzlich kam nämlich gar kein Wasser mehr aus den Hähnen und der Kampf ums Überleben hat begonnen. Auf der Suche nach Wasser und nach einer Lösung muss sich Alyssa mehreren Ereignissen und Personen stellen, die sie so niemals erwartet hätte.Neben Alyssa gibt es noch weitere Protagonisten, die nach und nach dazukommen und jeder auch seine eigne wichtige Rolle in dieser Gesichte spielt. Jede dieser Personen leidet anders und zeigt dem Leser, was aus einem werden kann, wenn etwas fehlt, dass man zum Überleben brauch. Alyssa versucht die Truppe zusammen zuhalten, während diese droht zu zerbrechen. Sie sorgt sich einfach um alles und versucht trotzdem das Gute in allem zu sehen. Bis zu Schluss glaubt sie daran, dass sie Hilfe bekommen werden.Kelton, der etwas seltsame Nachbarsjunge, ist da vollkommen anders. Er und seine Familie waren auf diese Katastrophe vorbereitet und somit hat er einige Lösungen für so manche Probleme. Doch auch irgendwann ist er am Ende und weiss nicht mehr weiter. Wird es je wieder Wasser geben?!Außerdem gibt es noch Jacqui, ein eigentlich hochintelligentes Mädchen, dass durch die neue Katastrophe zu jemand anderes wurde. Sie vertraut niemanden und denkt erst nur an sich selbst. Kann man in so Zeiten überhaupt an andere denken?!Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und zwischendurch gibt es auch Snapshots aus anderen Gegenden, die von der Katastrophe betroffen sind. So ist der Leser immer auf dem neuesten Stand und bekommt Alls mit, auch dass was um die Protagonisten drum herum passiert. Die ganze Geschichte ist so realistisch und spannend erzählt, dass ich sogar ein schlechtes Gewissen beim Blumen gießen hatte. Die bildgewaltige Beschreibung der einzelnen Gegebenheiten lässt den Leser einfach komplett in die Geschehnisse eintauchen und alles live miterleben.*Fazit*DRY konnte mich von der ersten Seite an abholen und wollte mich auch ausserhalb der Gesichte nicht mehr loslassen. DRY wirkt so realistisch, dass es quasi Alltag sein könnte. Man konnte super mit den Protagonisten mitfiebern, aber auch leiden. Das Ende kam mir dann doch etwas zu schnell und irgendwie anders, als ich es erwartet hätte, aber trotzdem gut.Neal Shusterman hat erneut eine Dystopie geschaffen, die der realen Welt gar nicht so fern ist, wie es am Anfang scheint. Mich hat diese Geschichte wirklich begeistert und daher gibt es von mir 5 von 5 Sterne.