“Provencalische Intrige" ist mein drittes Buch von Sophie Bonnet, über ihren Ermittler Pierre Durand, der Paris den Rücken kehrt und in Sainte Valerie ein neues Leben beginnen will. Die ersten beiden Bände "Verwicklungen" und "Geheimnisse" habe ich als Hörbücher, vorgetragen von Götz Otto, genossen. Diesen dritten Band wollte ich als Printfassung in Händen halten, weil ich die blau gehaltenen Cover so gelungen finde und es einfach eine Freude ist, diese Bücher herumliegen zu sehen.Da ich die französische Sprache nicht beherrsche und auch die französische Einstellung gegenüber Orts- und Sprachunkundigen nicht so mag, ermöglichen mir Bücher wie die Pierre Durand-Reihe wenigstens das geistige Reisen in diese reizvolle Region, was ich jedesmal sehr genieße. Sophie Bonnet malt, neben dem obligatoren Kriminalfall, aber nicht nur nostalgische Bilder von Landschaft und leiblichen Genüssen, sondern sie thematisiert auch Probleme und negative Dinge, wie das Lavendelsterben, von dem bei mir bewusst noch nichts angekommen war. Das, zusammen mit dem angenehmen Schreibstil, ergibt ein rundes Ganzes, das meinen Geist kurzzeitig und komplett in eine andere Welt versetzen kann. Ich finde es immer sehr schade, wenn ich wieder daraus auftauchen muss, weil die Geschichte zu Ende ist und freue mich jetzt schon auf den vierten Fall von Pierre Durand.In diesem Band hat Pierre die Probleme mit seiner Bauernhausrenovierung ausgestanden, kämpft aber dafür mit finanziellen Engpässen, die ihn dazu verleiten, sich um eine andere Stelle zu bewerben, obwohl er eigentlich lieber in St. Valerie bleiben würde. Das mündet in einem Kriminalfall, den er als eine Art Einstellungstest, lösen soll. Pierre Durand ist ein Mensch mit Stärken und Macken, der auch mal mit mangelndem Selbstvertrauen zu kämpfen hat oder sich in die eine oder andere Idee verrennt. Das sympathische an ihm ist, dass er in den meisten Fällen, manchmal später, manchmal früher lichte Momente hat, nach denen er gerne mal seine Einstellung überdenkt und über seinen Schatten springt.Der Kriminalfall gerät über den anderen Erzählsträngen manchmal ein wenig in den Hintergrund, wenn nicht beim Erzählanteil, dann bei mir als Leserin. Das gefällt mir persönlich aber ausnehmend gut, weil ich schon ein wenig kriminalerisch spekulieren möchte, aber noch mehr am Privatleben des Protagonisten interessiert bin.