*Seit vielen Jahrzehnten fahre ich die Alpenpässe und andere Pässe auf der ganzen Welt mit dem Motorrad ab. Im Sommer wie im Winter, auf Teer, Feldwegen oder gar im Sand. An die 30 Motorradreiseführer dürften mittlerweile in meinem Regal stehen und haben meistens ein ganz unterschiedliches Brauchbarkeitsniveau. Das geht von bunten Bilderbüchern zum Träumen bis zu schlecht recherchierten Einzelkämpferschmökern, denen man zwar Ideen entnehmen kann, aber man bereut doch nur noch den Kauf! Die Schlimmsten sind allerdings die Pseudo-Journalisten, die sich von Motorradzubehörfirmen sponsoren lassen und von einer Peinlichkeit zur anderen stolpern.DAS BUCHDas alles kann man den mittlerweile drei Reiseführern von Heinz Emil Studt nicht nachsagen! Alle seine Bücher sind gut aufgebaut, gut recherchiert und schön zu lesen. Der neue Band "100 schönste Tagestouren" listet hundert der schönsten Alpenstrecken zwischen Frankreich, der Schweiz, Italien, Österreich, Slowenien und Bayern auf. Zu jeder Strecke gibt es eine Kurzbeschreibung, einen technischen Überblick, nette Foto(s), Tipps für Bikertreffs auf der Strecke und Einkehrschwünge, also die gastronomische Seite des Bikens. Seine Texte sind durchwegs informativ und frisch-spannend zu lesen, man merkt, dass dem Autor diese Arbeit einen Riesenspaß macht und diese Leidenschaft gibt er an den Leser weiter!Dieser neue Führer ist um Ausgangsorte herum aufgebaut. Das heißt in Deutschland sind gelistet: Sonthofen, Garmisch und Ruhpolding. In Südtirol z. B. Bozen, Meran, Vinschgau, Sterling und Bruneck.Ganz klar, dass der Autor in diesem Buch auf seinen großen Fundus von Strecken zurückgegriffen hat und sich einfach die Rosinen herausgepickt hat. Die Wahl der Stationen ist natürlich fakultativ, aber echt praktisch. Wer also zum Beispiel nach Digne-les-Bains kommt, dem öffnen sich 5 verschiedene Touren durch die Seealpen, also genügend Stoff für 3 bis 4 Tage Biken!Die Fotoqualität ist im Gegensatz zu den vorhergehenden Büchern noch besser geworden, die wunderschöne Beifahrerin Kirstin wird dazu anscheinend ab und zu abgesetzt, um diese Traumbilder in den Kasten zu bekommen. Auch die leidigen Höhendiagramme gibt es nicht mehr, die Kartenausschnitte sind noch deutlicher geworden, man merkt dem Autor einfach seine große Routine an. Durch die Ausflüge von diversen Stützpunkten aus, gibt es in diesem Führer erstmals auch mehr sehr kleine Pässe zu befahren, die man ansonsten übersieht.Apropos- einen Pass (den mit den 7 Holzbrücken) vor den Dolomiten hat der Autor übersehen und er ist auch nicht in der Detailkarte des Buches eingetragen.FAZITSehr empfehlenswerter Bikerführer, der vor allem für Genussfahrer geschrieben ist. Die Alpen sind das schönste Motorradrevier der ganzen Welt und hier werden die schönsten Strecken ausführlich beschrieben. Auch etwas weniger bekannte Strassen, wie das Kapitel "Unbekannte Dolomiten", sind die absoluten Highlights dieses Buch der Traumstrassen und - pässe!.