★★★★★
k.A.
27.06.2026
ean-shopping.de
Gut!
Ein wirklich tolles Buch, das ich nur jedem empfehlen kann, der sich für die Zeitgeschichte Ende des 2. Weltkrieges bis zur Gegenwart interessiert.Was macht das Buch so lesenswert?1. bekommt man ein eindrückliches Epochenbild (aus dem Blickwinkel Lethens) jener Zeit geschildert. Das machen andere aber auch, und viele sicher auch nicht schlecht. Aber Lethen für mich einen distanzierten Blick dergestalt, dass er reflektierend seine Wahrnehmungen von damals schildert: z.B. der Vater, der nach dem Krieg eigentlich nie Familienoberhaupt war, sondern die Mutter, die lange hat alles alleine managen müssen. Und wie sich in das Ganze noch ein Liebhaber der Mutter eingebunden sah, von dem eigentlich jeder wusste, aber jeder so tat, als gäbe es ihn nicht. Und solche Geschichten werden aus dem Blickwinkel von heute eingeordnet: warum, wieso weshalb? Und so schreitet Lethen durch sein ganzes, Leben, schildert, ordnet ein, fragt auch bisweilen...2. Letten ist ein hochgebildeter und auch politischer Mensch, und wir erfahren eine Menge über das, was er in jener Zeit zu gelesen und was ihn beeinflusst hat. Das ist höchst informativ, auch lehrreich zuweilen, weil Lethen reflektiert seine damalige Lektüre und, entsprechend seinem damaligen Weltbild, einordnet. Das ist für mich der stärkste Teil des Buches, die Darlegungen, wie Gelesenes und Mensch sich zu einem Charakterbild formen und wie wichtig Impulse von Seiten Dritter nicht nur für Lethen, sondern für jeden von uns sind. Vieles, was ich selbst gelesen habe, taucht vor meinem inneren Auge wieder auf. Da Lethen noch ein paar Jahrzehnte älter als ich selbst bin, wirken die Schilderungen zu den vermittelten Autoren viel näher, lebensechter, als wenn man nur die Bücher später rezipierte. Bei manchen hat Lethen studiert, manchen ist er, wie Adorno, begegnet.3. Lethen ist eine Persönlichkeit der Geistesgeschichte. Wer Lethen also schon kennt, der kommt an diesem Buch eigentlich nicht vorbei, wenn man vom Kulturwissenschaftler selbst, der eine reiche politische Biografie in sich trägt, die Dinge erzählt und eingeordnet bekommt. Wer ihn nicht kennt, für den wird Vergangenheit lebendig und das aus folgendem Grund...4. Das Buch ist einfach gut geschrieben, sodass die Seiten sich flüssig herunterlesen. Lediglich hier und da stockte ich immer wieder, weil ich mit dem Bleistift mir besonders gelungene Formulierungen oder Darstellungen einer Sache anstrich. Aber das ist ja kein Ärgernis, sondern spricht für das Buch...Rundum ein tolles Buch!!!
Es gibt ausreichend Material, was die Nachkriegszeit betrifft. Zumal, wenn es sich um Biographien schlingt. Die Historie, dieses Gewebe aus Ereignissen, die eigen sind und sich fortzupflanzen wünschen. Man sieht, ganz unverhohlen, hin und staunt, was machbar und gemacht bereits ist. Welch ein Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur? Nein. So innig eingeflochten sind die Namen, die Spuren, die erlauben sollen, ihm zu folgen.Vielleicht geht ein Weinglas zu Bruch, wenn man Helmut Lethen folgen möchte.Mich wundert, daß so viele der so namhaften Feuilletonisten stets das Immergleiche repetieren. Wollten sie nicht lesen? Oder nicht schreiben? Denn wenn sie das eine oder das andere getan hätten, wären sie auf eine Spur gekommen, die viel inniger angelegt ist, als die akademisch-rüsselige Beutesucht ihrer germanistischen Ausbildung. Man kann nun sagen, daß sie es nicht anders können, nun ja. Daß sie es anders meinten auch, sehr wohl. Es bleibt nichts desto weniger falsch.Die feuilletonistsche Kritik zu diesem Buch erschöpft sich in repetitiver Wiedergabe des Ewiggleichen: hier hat er nicht, hier hat er zu viel. Man vergißt, um zu erledigen, beginnt Buchstaben und Wörter zu zählen. Ein Quantum, das zu erfüllen sei, um den Lohn des nächsten Monats in die Scheuern zu fahren. Und übrigens: Opak.Es sind nicht die Kühlfächer, es ist nicht die Frau, nein, gar nicht. Marginalien, die einer modistisch aufgehetzten Öffentlichkeit huldigen, das sind diese beiden.Die Rückkehr des Erlebten lebt anders.Was zählt also? Was ist das Ergebnis, was kann ich lernen, wenn ich ein geistiges Leben führen möchte? Da hat jemand ein Leben vorgelebt. Was würde ich tun, wenn ich in einer ähnlichen Situation wäre? Dererlei Fragen tauchen bei mir auf, noch bevor ich zu lesen beginne.Die Antwort: Das Wagen. Sich Trauen, ein wenig mehr als die anderen und immer ein wenig neben dem, was erwartet ist. Ein Schweijk im hefernen Glück. Das Bild der Handgranate, die Helmut Lethen verfehlte, ist wesentlicher, als alles andere Drumherum.Ein Leben, das atmet. Glücklicherweise. Und immer noch zärtlich. Dem Gegenüber, mit einem Blick, einem verhohlenen, einer trauten Einforderung in das Nicht-Erschlaffen.Feuilleton bleibt offenbar in Bezug auf Helmut Lethen das, was es eigentlich nicht sein soll. Ein Flugblatt und beschämend.Begenete man ihm, dächte man anders.
Wenn man den Autor nicht kennt, ist das Buch manchmal sehr schwierig. Ich musste viel nachschlagen um Dinge zu verstehen. Aber für geschichtsinteressierte spannend.