★★★★★
k.A.
22.06.2026
ean-shopping.de
Eine interessante und spannende Geschichte, die gut inszeniert ist, allerdings finde ich den Schluss etwas zu schnell.
Ich kaufe meiner Mutter die Niederrhein Krimis immer zu Weihnachten.Dieses Buch hat meine Mutter besonders begeistert.Gutes Geschenk für Krimi Fans vom Niederrhein.
Ein herzliches Willkommen am neuen Wirkungsort hat sich Johanna ganz anders vorgestellt, aber so ist nun mal das Leben. Es fragt nicht, ob du lieber Blumen oder eine tote Kinderärztin zur Begrüßung haben möchtest. Alles sieht danach aus, als wäre der stalkende Ex geradezu prädestiniert, um als Täter in Frage zu kommen. Aber auch der Vater eines kleinen Patienten rückt in den Fokus der Ermittler, denn er hätte allen Grund dazu gehabt, die Kinderärztin in Schach zu halten. Sie wollte das Jugendamt informieren. Johanna ermittelt lieber auf eigene Faust, anstatt sich mit ihren neuen Kollegen als Team zusammenzutun und gerät dabei selbst in Lebensgefahr...Ich.Will.Mehr!!Der Krimi "Im Schatten der Kopfweiden" von Anja Wedershoven hat es dermaßen in sich, dass ich meinen kompletten Alltag vergessen und mich nur noch dem Roman gewidmet habe. Ein Buch, das man tatsächlich durchsuchtet, weil der Plot einfach nur genial, spannend und absolut fesselnd ist.Die Autorin hat mit der Figur Johanna Brenner eine nicht alltäglich Ermittlerin zum Leben erweckt, die den Leser sofort auf ihre Seite zieht. Schnell schlüpft man in ihre Haut, um mit Johanna eins zu werden und den Spuren nachzugehen. Dabei lässt die Schreibende unglaublich viele brillante Ideen in die Handlung einfließen, die diesen Niederrhein- Krimi eindeutig von der breiten Masse der Regio-Krimis abhebt.Allein der Prolog geht schon tief unter die Haut und lässt ein grausames Schicksal und ein nicht enden wollendes Martyrium erahnen und erst fast zum Schluss löst sich der Zusammenhang auf. Es gibt eben Narben auf der Seele eines Menschen, die sich tief einbrennen und den Gedemütigten fürs Leben zeichnen.Das Ermittlerduo hat anfangs noch ein paar Schwierigkeiten, miteinander statt gegeneinander zuarbeiten, aber im Verlauf des Buches raufen sie sich immer mehr zusammen und werden ein Team. Die Ereignisse tragen auch ihr Scherflein dazu bei, dass aus der alleingangliebenden Johanna und dem Jazzfreak Axel eine Einheit wird.Der Leser bekommt von der Autorin unglaublich viel Input, um eigene Ermittlungen anzustellen und das gefällt mir außerordentlich gut. Manche Fährten entpuppen sich als Holzweg, andere Hinweise wiederum führen dazu, dass die eigene Spürnase kitzelt und man sich die kleinen Puzzleteilchen so lange hin und her schiebt, bis es endlich passt.Die Themenvielfalt in diesem Roman ist enorm, aber nicht erdrückend. Hier werden Autismus, Kindesmisshandlung, Stalking, "Wundermedikamente" und falsch interpretierte Gefühle zu einem genialen Mix aus Nervenkitzel und tiefgründigen Szenen zusammengesetzt. Es entsteht ein Sog, der den Leser an die Seiten fesselt und den Atem immer wieder stocken lässt.Ganz besonders sticht aber die 14jährige Leonie aus der Handlung heraus, denn dieses Mädchen ist einfach großartig. Mir ihr steht und fällt der Krimi und ich finde es absolut gelungen, einem Teenie eine so tragende Rolle auf den Leib zu schneidern. Für mich ist Leonie die heimliche Heldin des Buches und ich habe großen Respekt vor ihr!Ich hoffe, dass es noch weitere Kriminalfälle gibt, die das Duo Johanna und Axel lösen dürfen, denn der Einstand von Johanna am Niederrhein hat mich absolut überzeugt!
Anja Wedershoven – Im Schatten der KopfweidenIch durfte die Mönchengladbacher Autorin Anja Wedershoven 2013 kennenlernen, als ihr erstes Buch „Schürfwunden“ erschien. Das Romandebüt über die Umsiedlungen im Zusammenhang mit dem Kohletagebau Garzweiler hatte mich fasziniert und begeistert. Daher habe ich mich gefreut, als ich entdeckte, dass jetzt von ihr ein Krimi bei emons erschienen ist.„Im Schatten der Kopfweiden“ erzählt von dem Mord an einer jungen Kinderärztin, die in Geldern am Niederrhein zwischen Mülltonnen gefunden wurde. In dem Fall ermittelt zusammen mit ihren Kollegen die junge, gerade aus Berlin in ihre alte Heimat zurückgekehrte Kommissarin Johanna Brenner. Ziemlich schnell kommen die Beamten auf die Spur eines Stalkers, der die Kinderärztin verfolgte und sie belästigte. Doch ist das der einzig mögliche Täter?Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven berichtet, die manchmal etwas unvermittelt wechseln. Da ist einmal die Kommissarin, Johanna, die nicht so ganz freiwillig an den Niederrhein zurückkehrte. In Berlin, wo sie die letzten Jahre verbrachte, hatte es einen dramatischen Vorfall gegeben, der zu ihrer Versetzung führte. Zum anderen verfolgen wir die Handlung aus der Sicht von Axel, Johannas Kollegen, der ihr zunächst offen und freundlich begegnet, nach und nach aber doch auch Vorbehalte entwickelt.Und dann erleben wir die Ereignisse aus dem Blickwinkel der vierzehnjährigen Leonie, deren Bruder bei der ermordeten Kinderärztin in Behandlung war. Diese hatte wegen einer Auseinandersetzung mit den Eltern um die Medikation des Jungen mit der Einschaltung des Jugendamtes gedroht. Nun fürchtet Leonie, dass auch ihr Vater der Mörder sein könnte. Sie sucht und findet Hilfe bei ihrer besten Freundin.Dann gibt es noch Uwe Lehmann, der Kinderarzt, der seine Praxis an die ermordete Kinderärztin übergeben hatte und der sich nun eigentlich auf den Ruhestand mit seiner Frau freute. Auch ihm droht Ungemach.Alle diese Menschen haben ihr Päcklein zu tragen und sind auf die eine oder andere Weise in den Fall verstrickt. Das aufzudröseln gelingt den Kommissaren erst nach und nach, auch da sie nebenher mit reichlich privaten Problemen zu tun haben.Der Roman ist zweifellos gut geschrieben, auch wenn die eine oder andere Phrase und manches Klischee nicht ganz vermieden wurden. Die Dialoge sind realistisch, die meisten Charaktere interessant und authentisch. Die Handlung läuft etwas zäh an, aber etwa ab der Hälfte nimmt die Spannung Fahrt auf und die Ereignisse überschlagen sich. Ich kann nicht sagen, woran es lag, die Lösung jedenfalls schien mir recht früh offensichtlich, obwohl die Autorin geschickt mehrere falsche Fährten legt.Was mir nicht so gut gefiel waren die dick aufgetragenen privaten Probleme der Ermittler, insbesondere bei der Protagonistin Johanna. Hier war es ein bisschen zu viel des Schlechten: ein schwerer Unfall als Kind, Zerwürfnis mit den Eltern wegen ihrer Homosexualität, ein von ihr erschossener Täter in Berlin, der sie in ihre Träume verfolgt und dann noch während der aktuellen Ermittlungen eine schwere Grippe – ehrlich gesagt, die Hälfte dieser Erschwernisse hätte mir auch genügt. Dazu kommen dann noch Streitereien mit der neuen Vorgesetzten und einigen Kollegen, etliche Alleingänge bei den Ermittlungen und so weiter. Das scheint heutzutage um sich zu greifen, auch bei Fernsehkrimis, dass man die Ermittler mit heftigen persönlichen Schwierigkeiten belastet, die dann vielleicht auch noch in größeren, gesellschaftlichen Zusammenhang gesetzt werden. In meinen Augen macht das einen Krimi nicht spannender, sondern lenkt eher von der eigentlichen Handlung ab. Aber das ist Geschmackssache.Insgesamt ist der Roman ein klassischer Whodunnit mit Spannung und gut ausgearbeiteten Figuren. Ich hoffe, wir werden von dieser Autorin weitere Romane lesen dürfen.Anja Wedershoven – Im Schatten der Kopfweidenemons, Oktober 2020broschiert, 304 Seiten, 13,00 €