★★★★★
Kieler Comic Kommando
10.04.2024
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Das Ende zeichnet sich ab. Der zwölfte und letzte Band der „20th Century Boys“-Gesamtausgabe wird allem Anschein nach noch im Frühjahr 2021 erscheinen und das Mammutwerk in der „Ultimativen Edition“ somit in Kürze abschließen. Das ist bereits in Teil 10 der Ausgabe merklich spürbar, auch wenn diese genau genommen erst das letzte Viertel der ausufernden Narration einläutet.Wer bis hierhin durchgehalten und dementsprechend bereits knapp 4000 Seiten dieses „Opus Magnum“ hinter sich gebracht hat, kennt die begleitenden Fakten zu genüge. Deshalb die Grundzüge nur in aller gebotenen Kürze: Der zehnte Band kompiliert wie sein direkter Vorgänger weitere 22 Kapitel der Erzählung, die damit den Taschenbüchern 19 und 20 der deutschen Erstausgabe entsprechen. Die Nummerierung der Kapitel beginnt wie immer erneut mit der „1“ (und nicht mit „214“).Die als Zusammenfassung dienende Doppelseite, die dem Band einleitend vorangestellt ist und die wichtigsten Eckpunkte der bisherigen Handlung sowie die relevantesten Figuren aufführt, wurde abermals aktualisiert. Wer allerdings glaubt, er könne jetzt noch quer einsteigen, muss aber verrückter sein, als die absurden Pläne, die sich der „Freund“ abends so im stillen Kämmerlein so zurechtlegt.Das finale Kapitel des Vorgängers endete bekanntlich mit einem handfesten Cliffhanger: Manjoume enthüllte, dass es sich bei dem „Freund“ wie angenommen um Fukubei handelte und dieser tatsächlich vor drei Jahren erschossen wurde. Unter der Maske des steckt nun also ein Betrüger, der aber scheinbar alles tut, um Fukubeis größenwahnsinnige Pläne, die in der Zerstörung des Planeten münden sollen, in die Tat umzusetzen.„20th Century Boys“ widmet sich fortan der Suche nach der Identität des Maskenträgers, die in der Folge primär von Otcho vorangetrieben wird. Parallel spitzt sich aber auch der Kampf gegen das Terrorregime des „Freundes“ an unterschiedlichen Fronten zu: Während der schräge Joe Yabuki sich zunächst an einer gewaltfreien Mobilisierung der Massen versucht und Yoshitune den Systemgegnern im Untergrund Zuflucht bietet, entschließt sich die ungeduldige Kanna zu einem Ein-Frau-Himmelfahrtskommando…Der Vorgänger musste sich den Vorwurf gefallen lassen, nach dem erneuten Zeitsprung einiges von seiner Geschlossenheit verloren zu haben. Dieses Manko ist auch im vorliegenden Band nur ansatzweise behoben – dass dem zehnten Teil dennoch wieder die Höchstwertung verliehen werden kann ist dem Umstand geschuldet, dass Urasawa einen Weg gefunden hat, die genannte Schwäche mit einer neuen Stärke weitestgehend zu kompensieren.Indem er nun nach und nach alle gealterten Helden auf dem Schachbrett platziert und mehrfach auch erstmals nach langer Trennung wieder zusammenbringt, punktet der Autor mit einer ungewohnten Fülle hochemotionaler Szenen, die zu Höhepunkten der gesamten Serie avancieren. Daran lässt sich nicht nur ablesen, wie gekonnt Urasawa seine Figuren bisher aufgebaut und charakterisiert hat, sondern auch, wie sehr einem die ganze Bande von Yukiji bis Maruo inzwischen ans Herz gewachsen ist.WEITERLESEN: Berühmte Doppelgänger der ComicgeschichteEdgar P. Jacobs & Bob De Moor: MORTIMER GEGEN MORTIMER (1990): Der Name ist im elften Album des frankobelgischen Klassikers „Die Abenteuer von Blake und Mortimer“ Programm: Die Titelhelden bekommen es hier nicht nur mit dem rätselhaften Auftreten einer Kopie des Zweitgenannten zu tun, sondern müssen auch feststellen, dass dieser dem Original feindlich gesonnen ist. Auch bei der Produktion musste übrigens munter repliziert werden: Da Zeichner E.P. Jacobs (*1904) bereits 1987 verstorben war, brachte sein prominenter Assistent das Album im Stil des Meisters zum Abschluss. Die Ähnlichkeit war jedenfalls frappierend.Terry Kavanagh/Diverse: DIE KLON-SAGA (1994-96): Dass Spider-Man einst von dem Schurken Schakal geklont wurde, war lange in Vergessenheit geraten. Doch Mitte der 1990er bekam es Peter Parker dann gleich mit zwei Doppelgängern zu tun, die nicht nur seinen Platz einnehmen wollten, sondern bisweilen auch reklamierten, die Original-Spinne zu sein. Die schon in ihrer Grundlage verwirrende Story verkaufte sich fatalerweise so gut, dass sie immer weiter ausgeschmückt (und verdrehter) wurde, bis auch die hartgesottenen Fans, die Nachschlag gefordert hatten, mit qualmendem Schädel die Segel strichen und ihre Meinung revidierten.David Tipton/Roger Langridge: GEFANGENE DER ZEIT (2013): Als reinkarnierenden Zeitreisenden ist es für Doctor Who nichts allzu Ungewöhnliches, früheren und zukünftigen Versionen seiner selbst zu begegnen. Anlässlich des fünfzigsten Geburtstags der Figur erschien allerdings eine imposante Miniserie, die die Vervielfachung des Titelhelden auf die Spitze trieb: „Prisoners of Time“ versammelte alle damals bekannten elf Inkarnationen zu einem gemeinsamen Abenteuer, das in der zugrundeliegenden TV-Serie (die aber immerhin mit einem formidablen Crossover der Doktoren zehn und elf aufwarten konnte) aus nachvollziehbaren Gründen niemals hätte realisiert werden können.