★★★★★
k.A.
09.05.2026
ean-shopping.de
Dieses Hörbuch von J.L. Carr ist einfach fantastisch und transportiert einen wunderbaren Einblick in die Atmosphäre von Yorkshire im Sommer 1920. Ich habe die Geschichte sehr genossen und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.
Der Klappentext ist meines Erachtens perfekt gewählt, weshalb ich auf den Inhalt des Buches nicht tiefer eingehen möchte. "Ein Monat auf dem Land" ist die Geschichte eines Mannes, der vom Krieg stark traumatisiert in ein kleines Städtchen in Yorkshire kommt und sich innerhalb dieses Monats verändert. Er schließt Freundschaften, findet Freude an seiner Arbeit, kommt zur Ruhe.Mir als Leser bereitete dieses Buch große Freude. Ich genoss es, Toms Weg zu verfolgen und kam beim Lesen selbst zur Ruhe. Die Atmosphäre der Kleinstadt ging direkt auf mich über. Dies wurde nicht zuletzt durch den großartigen Schreibstil unterstützt. Dieser Roman ist voll sprachlicher Schönheiten, sodass ich bei einigen Sätzen lächeln musste und eine Gänsehaut bekam. J.L. Carr erzählt als Tom Birkin und mit einer gewissen Melancholie, seinen Monat auf dem Land. Er schreibt in der Retroperspektive und das besondere ist, dass der Leser, auch wenn er nicht weiß, wie es nach dem Monat mit Tom Birkin weiter ging, das Gefühl hat, dass er zu einem glücklichen Mann wurde."Wir sind von Natur aus hoffnungsvolle Geschöpfe, stets bereit, von Neuem betrogen zu werden, voll banger Erwartung, welches Wunder sich möglicherweise in einem braunen, auch noch so schmuddeligem Packpapierpaket verbirgt." (S. 24)Während J.L. Carr also stets die perfekten Worte wählt und den Leser damit mitten ins Herz trifft, beschreibt er auch die Orte und Taten der Charaktere so genau, dass der Leser in den Glockenturm gesogen wird, ein Gemälde freilegt oder sich mit den Ellerbecks unterhält.Auch die Charaktere in diesem Buch mochte ich sehr gerne. Viele gibt es nicht. Da wären der junge Tom Birkin. Der mürrisch wirkende Pfarrer Keach, der mich insbesondere zum Schluss mit wundervoll gewählten Worten überraschte, und seine wunderschöne Frau Alice. Charles Moon, der Archäologe, der ein wichtiges Grab finden soll und zu Toms Freund wird. Besonders gut gefallen hat mir die junge Kathy Ellerbeck, die kein Blatt vor den Mund nimmt und von Tom Birkin mit folgenden Worten beschrieben wird:"(...) um des Redens willen zu reden, so wie manche Kinder Gefallen an Eiscreme hatten." (S. 45)Die Charaktere empfand ich als originell und authentisch in ihren Handlungen und ihrem Sein.1980 war J.L. Carr mit diesem Werk für den Booker Preis nominiert. Mehr als 30 Jahre hat es gedauert, dass dieser Roman in die deutsche Sprache übersetzt wurde.Fazit: Ein wunderschöner, lebendiger Roman, den ich sicherlich noch mehrmals lesen werde. Ich hoffe, dass auch die anderen Werke des Autors bald ins Deutsche übersetzt werden.
Schön und Leise sind Attribute, die man in dieser Kombination nicht sehr oft antrifft. Sie kennzeichnen diese wunderbar erzählte Geschichte.Ein Kriegsveteran erfährt im ländlichen Yorkshire seelische Heilung, während der Restaurierung eines Kirchen-Freskos. Er findet und verliert dabei die "Liebe seines Lebens".Carr beschreibt das so eingehend und poetisch, gleichzeitig unspektakulär, dass es mich zutiefst berührt hat. Es ist höchste schriftstellerische Kunst, dennoch am Ende keine Tristesse, sondern ein Gefühl literarischen Glücks entstehen zu lassen.
Der Schriftsteller John Lloyd Carr (1912 – 1994) hat sich mit „Small Books“ für ein junges Lesepublikum in seiner englischen Heimat einen Namen gemacht. Seine Novelle „A Month in the Country“, das Buch wurde auch verfilmt, wurde 1980 mit dem renommierten Guardian First Book Award ausgezeichnet. Die schmale Erzählung liegt jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vor. Die Handlung spielt in einem kleinen Dörfchen im nordenglischen Oxgodby des Jahre 1920. Der Restaurator Tom soll in der örtlichen Kirche ein mittelalterliches Wandgemälde freilegen. Der junge Mann ist ziemlich durch den Wind. Der traumatisierte Kriegsveteran wurde soeben von seiner Frau verlassen. Tom hofft auf Ruhe und Frieden in der Provinz. Die Dorfgemeinschaft empfängt ihn denn auch mit offenen Armen. Sogar die Liebe einer neuen Frau bahnt sich für ihn an. Der kurze Text von J. L. Carr ist klug und intensiv erzählt. Der Autor erzählt sehr anrührend und bewegend. „Ein Monat auf dem Land“ ist ein virtuoses kleines Büchlein mit viel Seele, die Lektüre lohnt.