★★★★★
k.A.
19.06.2026
ean-shopping.de
Dieses Hörbuch ist ein absolutes Meisterwerk und transportiert mich mit viel Tiefe in die Welt von Maigret und dem atmosphärischen Stil von Georges Simenon. Ich kann es nur wärmstens empfehlen, es ist packend und wunderschön erzählt.
Solche Bücher haben „Ewigkeitscharakter“; sie sind zeitlos, da das Leiden des Menschen an der Welt ein Dauerbrenner ist. Hier in dem nicht besser zu formulierenden Satz verewigt: „Schwer ist der Beruf des Menschen.“ Es beginnt wie ein mittelmäßiger Kriminalroman, doch was dann folgt ist einfach nur großartig. Eine Geschichte von gut dreihundert Seiten, die im Kopf des Lesers leicht zur doppelten bis dreifachen Seitenzahl anwächst, da die beim Lesen ausgelösten Gedanken sich einfach nicht beruhigen wollen.Die Geschichte ist zweigeteilt. Im ersten Part findet das vermeintliche Leben im Außen statt. Nicht in einer bestimmten Stadt, in einer bestimmten Gegend, sondern unter dem Diktat einer Besatzungsmacht. Einer Macht, die wohl jedem Menschen im Nacken sitzt: sei sie nun real, eben in Form der Willkür von Besatzern oder als Gewissen, als dunkle Ahnung im individuellen Reich eines jeden Menschen. Real sind die Gegebenheiten: Ein junger Bengel, noch keine zwanzig, vaterlos aufgewachsen, lebt im Puff seiner Mutter und bedient sich dort mehr oder weniger willkürlich. Das Außen, das Umfeld ist Richtung Illegalität, Kriminalität gepolt, sodass eine entsprechende „Karriere“ vorgezeichnet scheint. Konsequent wird diese Laufbahn durchschritten, Mord und Verführung bilden eine unsichere Melange des Lebens.Der zweite Teil findet hinter den Mauern eines Gefängnisses statt. Was vorher eher einem Tanz des Lebens gleichkam, wenn auch mit verkorksten Vorzeichen, findet nun in der Isolation im Kopf des jungen Menschen statt. Vorderhand nicht in Form von Aktionen, sondern eher in stillen Monologen, die bis an die Grenzen des Menschseins heranführen. Hier finden die eigentlichen Kämpfe statt, das Ringen um Erkenntnis und das Ping-Pong der Gedanken, verschärft durch die Ausnahmesituation einer unmenschlichen Kerkerhaft. Hier wird aus der Kriminalgeschichte eine Menschengeschichte. Mit jedem Verhör werden die Verstrickungen enger, aber die Lösung ultimativ. Und sie ist tatsächlich: einzigartig.Die gesamte Geschichte ist von einer Aura des Unbestimmten umgeben, nie wird man so wirklich Teil des Geschehens (auch weil vieles einfach nur abstoßend ist), das Konkrete bleibt diffus und oft kaum greifbar. Das ist alles ist verteufelt gut gemacht. Denn zwangläufig kommt die Frage auf: wieso? Wieso gibt es so wenig Ankerpunkte, wieso scheint vieles so fremd und gleichzeitig so nah? Oft wünscht man sich eine andere Richtung. Doch das Leben, dieses Leben schreitet unbarmherzig fort, scheint nur eine Richtung zu kennen …Schön, dass es Neuauflagen von dieser Qualität weiterhin gibt. Sonst wäre ich wohl nicht über dieses Buch gestolpert. Dieses Buch kann dazu beitragen, den eigenen Lebensweg noch ein Stück bewusster zu gehen.
Simenon: Der Schnee war schmutzigEin völlig anderer Simenon, grossartige Literatur. Ein Junge wächst bei seiner Mutter auf, die ein Bordell betreibt. Zunächst ersticht er einen Offizier und nimmt dessen Revolver an sich, später stielt er Uhren und erschiesst dabei eine Frau, die ihn grossgezogen hat, schliesslich will er seine Nachbarin einem Bekannten zuführen. Dann wird er verhaftet. Der Stil des Buches ändert sich leicht: die kurzen Sätze bleiben, jetzt wird aber alles gedehnt. Später erhält er im Gefängnis Besuch von seiner Nachbarin, die ihm ihre Liebe gesteht. Bald danach wird er abgeführt und erschossen. – Simenon hat das Buch nach dem Krieg in Amerika geschrieben, 1948 ist es in Frankreich erschienen, 1960 in Deutschland. Der Ort ist unbestimmt, jedenfalls in einem Land, das unter einer Okkupation leidet, das Buch ist ein existentialistisches Meisterwerk.
Was für ein Roman!Man kennt Simenon primär als Autor der legendären Kriminalromane um Kommissar Maigret. Der Roman «Der Schnee war schmutzig» ist jedoch noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Abgrundtief wird eine Struktur des haltlos Bösen entwickelt. Ohne Reue und Selbstzerwürfnis, egoistisch und skrupellos wird das Psychogramm des Hauptprotagonisten Frank entwickelt. Nicht verwunderlich, dass dieser oft auch als Gegen-Raskalnikow Dostojewskis charakterisiert wird.Wer Simenon noch nicht als Romanautor kennt: Unbedingt lesen!!