★★★★★
k.A.
10.05.2026
ean-shopping.de
Das Hörbuch ist inhaltlich sehr bewegend und bietet eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema Kindheit, allerdings empfand ich die Erzählweise als an manchen Stellen etwas zu introspektiv, was die Immersion leicht beeinträchtigt hat. Dennoch ist die emotionale Tiefe der Geschichte absolut beeindruckend.
Kindheit ist der erste Band einer autobiographischen Trilogie von Tove Ditlevsen, die bereits 1967 verfasst wurde und nun im aufbau-Verlag auf Deutsch erscheint. Der erste Band beschäftigt sich wie der Name schon andeutet mit der Kindheit der Autorin, die Fortsetzungen dann mit ihrer Jugend und ihrer späteren Abhängigkeit.Kindheit entspricht eigentlich nicht dem typischen Schema von Büchern, die ich lese, ich hatte jedoch wenige Tage nach dem Erscheinen schon so viel gutes gehört, dass ich es unbedingt lesen wollte und wurde sehr positiv überrascht.Tove wächst in den 1920er Jahren in einfachen Verhältnissen in Kopenhagen auf. Der Vater wird arbeitslos, zu ihrer Mutter kann sie keine Bindung aufbauen, da diese unnahbar ist und sie ablehnt. Toves größter Traum ist jedoch Dichterin zu werden, ein Beruf, der zu dieser Zeit für Frauen nicht üblich ist und von ihrer Familie nur belacht wird. In der Schule stellt sie sich dumm, um nicht aufzufallen, und auch bei ihrer Freundin Ruth, traut sie sich nicht zuzugeben, dass es ihr nicht gefällt, wenn die beiden andere Leute bestehlen.Das Buch ist unheimlich poetisch und ergreifend geschrieben, der Fokus liegt definitiv auf ihren schwierigen Familienverhältnissen. Der Vater gibt ihr zwar Bücher zu lesen, erklärt ihr aber gleichzeitig, dass Frauen keine Dichter werden können, die Mutter zeigt ihr gegenüber meistens Ablehnung und verlangt von ihr die typische Laufbahn als Hausmädchen einzuschlagen. Auch von anderen Familienmitgliedern wird sie für ihre Gedichte und ihre Träume nur belacht.Durch die Authentizität, die das Buch ausstrahlt, die Kommentare zu ihrer Umgebung, die Darstellung des Frauenbildes in den 1920ern, sowie den Zuständen in den ärmlicheren Vierteln im allgemeinem ist das Buch absolut lohnenswert zu lesen. Es gibt so viele absolut sprachgewaltige Zitate, die mich einfach nur umgehauen haben, sodass ich nur 5 Sterne geben kann und auf die beiden Fortsetzungen hinfiebere, die im Februar erscheinen.
Die fast hymnischen Besprechungen, nicht nur in den Feuilletons Land auf und ab - so lobte auch die grande dame des Punks und Lyrikerin Patty Smith das Werk der Tove Ditlevsen über den grünen Klee – machten mich neugierig. Die autobiographische Kopenhagener Trilogie, bestehenden aus den dünnen Bänden Kindheit - Jugend - Abhängigkeit, gilt ihr wichtigstes Buch. In einer sehr reduzierten, fast einfachen Sprache schildert Ditlevsen als Ich-Erzählerin die ärmlichen Verhältnisse in denen sie in den 20-iger Jahren in Kopenhagen aufwuchs, ihr fehlende emotionale Bindung zur Familie und ihre Erkenntnis etwas Anderes zu sein. Bei den ersten Seiten fremdelte ich – ob der lakonischen Prosa – etwas mit dem Buch, konnte mich aber alsbald seiner Faszination nicht entziehen. Außergewöhnlich – gut – lesenswert.