★★★★★
k.A.
18.07.2026
ean-shopping.de
Eine wunderbare und unterhaltsame Geschichte, die mich sofort in die Welt von Kapitän van Toch und den intelligenten Riesenmolchen entführt. Die Lesung mit Ilja Richter ist hervorragend und macht großen Spaß.
Dankenswerterweise hat der Aufbau-Verlag den bekanntesten Roman des Tschechen Karel Capek "Der Krieg mit den Molchen" neu herausgebracht. 1936, als die Welt offenen Auges auf die Katastrophe zusteuerte, war der richtige Zeitpunkt, Nationalismus und Größenwahn zu parodieren, wenn auch mit bekannter Wirkung.Die wahrscheinlich dem Genre der Phantastik zuzuordnende Geschichte beginnt damit, dass der Kapitän eines Kolonialschiffes, J. van Toch, auf einer Insel vor Sumatra ungewöhnlich große Molche entdeckt. Molche, denen er beibringen kann, Perlmuscheln hochzutauchen und sie ihm zu bringen. Er erhält die Perlen und die Molche das leckere Fleisch, an das sie ohne ihn nicht herankämen, weil sie die Muscheln nicht aufbrechen können. Die Molche sind so intelligent, dass sie Sprachen lernen können, nur sind sie außerstande, sich über große Strecken fortzubewegen. Van Toch sorgt für ihre Ausbreitung per Schiff, zieht ein breit operierendes Perlentauchunternehmen auf. Nach van Tochs Tod werden die Molche weltweit als Arbeitssklaven benutzt, denn sie können u.a. Meer aufschütten und große Dämme und Bauten errichten. Obwohl sie für die Menschen die Drecksarbeit leisten, dienen sie als Sündenböcke und werden zunehmend Opfer von Verfolgung und Massenmord. Gleichzeitig passen sie sich der jeweiligen Zivilisation an, dienen als Söldner und kämpfen so gegeneinander. Durch ihre schnelle Vermehrung benötigen sie immer mehr Küstenland und sehen sich gezwungen, dazu Festlandmasse abzutragen. Von den Menschen verfolgt, organisieren sie sich global, und es kommt zum Krieg gegen die Menschheit.Karel Capek macht sich alles zunutze, was einem auktorialen Erzähler möglich ist: Er betrachtet die Geschichte aus verschiedensten Perspektiven, springt von Schauplatz zu Schauplatz, zoomt nahe an Spezielles, kommentiert das Ganze aus globaler Sicht, streut unzählige Zeitungs-, Buchdokumente und Protokolle ein. Überhaupt nähert er sich den Molchen mit wissenschaftlicher Gründlichkeit. Dadurch vermeidet er den Zeigefinger bei dem, worum es ihm eigentlich gegangen sein dürfte: den Menschen den Spiegel ihrer Großmannssucht und unerschöpflichen Gier vorzuhalten. Wunderbar die vielen eingestreuten Details und Seitenhiebe an bestimmte Wirtschaftszweige, Institutionen und Nationen. Was man kritisieren könnte, ist dass Capek weit von den Figuren weg ist, es durch die vielen Perspektiven ein wenig an Spannung, rotem Faden mangelt und manche Dokumente ermüdend lang ausfallen. Dennoch eine Groteske, ein Schelmenstück, das man auf jeden Fall im Regal stehen haben sollte.
Ein Buch, das ich mit großem Interesse und öfteren Schmunzeln gelesen habe. Gute Sprache, tolle Geschichte mit vielen zusätzlichen Facetten, und obwohl in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts geschrieben, immer noch aktuell zu lesen. Absolut lohnenswert für Freunde des "realen" Science Fiktion Romans.
Ich habe das Buch bei der Büchergilde gekauft (gebundene Ausgabe). Es ist ein sehr schönes Buch, sehr schön illustriert.Das Buch ist witzig geschrieben und sehr gut lesbar, spannend von Anfang bis zum Ende. Wenn es nur nicht so viele grausame Szenen gegen die Molche enthalten würde... Man kann die Anspannung, die Ängste und das sich anbahnende Unheil des bevorstehenden zweiten Weltkrieges aus den Schilderungen erspüren. Es wird die Komplexität des Zusammenspiels zwischen den Kriegsvorbereitungen und dem Kapitalismus gut verdeutlicht. Nebenbei wird die Brutalität des Kolonialismus und die beschränkte und narzistische Sichtweise des westlichen Menschen kritisiert. Sicherlich würde das Buch auch ohne die grausamen Szenen die Leser nicht weniger zum Nachdenken bringen. Deswegen bin ich dem Werk doch etwas ambivalent gegenüber.