Wir waren zu Führungen im Schloss Wörlitz, im Haus der Fürstin (Graues Haus), auf der Insel Stein, Schloss Luisium, Schloss Mosigkau und im Gotischen Haus im März/ April 2024.Hier sind sehr viele Informationen, die wir aufgeschnappt haben, wir hoffen, dass sie richtig sind:Die Fürstin Louise (Luise) musste schon mit 16 (noch ein Kind) an den Hof bei Fürst Franz kommen, ihn heiraten (er ist ihr Cousin!!!) und er war 26 (ein junger Bursche). Sie hielt sich in den blauen Damengemächern im Schloss Wörlitz im Sommer auf (im Winter im Palais in Dessau) und wurde dort erzogen, weil sie noch so jung war. Die Gemälde in den blauen Damengemächern sind besonders schön und sie wurden direkt auf die Wand gemalt. Wenn das Gebäude Risse hat, dann haben die Gemälde auch Risse, wurde bei der Führung gesagt. Sie wuchs ohne Mutter auf, weil diese nach ehelichen Zerwürfnissen auf die Festung Kolberg verbannt wurde. Ihr Gemahl und Vater von Louise hat sich mehrmals bei König Friedrich II. über sie beschwert! Was hatte die Mutter getan? Die Führerin vom Schloss Mosigkau (ausgesprochen: Mosichkau) hat erzählt, dass es der Mutter auf der Festung Kolberg aber gut ging. In Mosigkau hängt ein Bild von Louises Mutter. Sie sieht sehr schön aus! Die Trennung erfolgte auch, damit die Blutlinien (von ihrem Vater und ihrer Mutter) ordentlich weitergeführt werden können. Weil sie ohne Mutter aufwuchs, mutmaßt man, dass sie deshalb so sensibel und dünnhäutig war. Die Mutter durfte Louise nicht schreiben, aber sie hat Fürst Franz Briefe geschrieben.Fürstin Louise wird auch Fürstin Luise geschrieben. Mit „ou“ - das ist Französisch. Gesprochen wurde meist nur französisch, deshalb wird sie sehr oft Louise geschrieben.Mit 6 schrieb sie schon ein Tagebuch auf Französisch. Später schrieb sie ihre „Seelentagebücher“ auf Deutsch. Insgesamt 2.844 Seiten. Nur knapp über der Hälfte wurde veröffentlicht.Übrigens die Führungsleute vom Gartenreich haben all ihre Tagebücher gelesen!Sie heirateten am 25.07.1767 im Schloss Charlottenburg in Anwesenheit des Königs in Berlin. Es war eine arrangierte Hochzeit, keine Liebesheirat. Sie hat damals schon angedeutet, dass das nicht gutgehen kann, weil sie beide „leicht“ verwandt sind (eine heillose Verbindung von Anfang an!).Sie hatte zeitlebens viele Wehwehchen und wurde wahrscheinlich von den Ärzten falsch behandelt bzw. sie gaben ihr schlechte Ratschläge zur Gesundheit (fieberhafte Eigentherapie). Diese Konstellation machte sich Fürst Franz zu eigen und erklärte, dass er sich anderen Frauen zuwenden kann/ darf. 1786 wurde sie von ihren ehelichen Pflichten entbunden (weil sie ihre eheliche Pflicht erfüllt hatte und dem Fürsten einen Sohn geboren hatte), aber keine Scheidung veranlasst. Jahrelang zuvor hatten sich beide in der Ehe gestritten (ein Fiasko). Die Gärtnerstochter Luise Schoch wurde seine zweite Frau. Und sie hieß auch Luise! Diese wurde später verbannt, weil sie unerlaubt mit Aktien gehandelt hatte. Das durften nur adlig Geborene. Im Schloss Wörlitz hängt ein Bild mit Fürst Franz in der Mitte und rechts und links die beiden Luisen!Fürstin Louise war hochgebildet (ihre Schreibfertigkeit „eine schöne Seele des 18. Jahrhunderts“) und sie hatte eine Affäre!!! Mit dem Kunsthistoriker und Archäologen Aloys Hirt, den sie über alles liebte (den sie tief verehrte) und den sie gerne geheiratet hätte. 2 Jahre vor ihrem Tod erwähnt sie ihn das letzte Mal in den Tagebüchern.Fürst Franz gab ihr später wenig Geld (wenig finanzielle Freiheiten, Nöte der Finanzen) und wenn sie verreisen wollte, musste er es zuvor genehmigen.Sie unternahm Reisen mit Fürst Franz (früher), aber auch mit anderen Personen. Schweiz, Österreich, Frankreich (Paris), Italien (Rom), England. Sie besuchte Museen, Galerien, Theater und Opernhäuser.Das Verhältnis zum Fürsten war kühl-korrekt (auch demütigende Streitereien). Zu ihrem Sohn (dem Erbprinzen) war die Beziehung katastrophal.Sie starb ohne Anwesenheit eines Familienmitglieds am 21.12.1811 in dem Palais in Dessau. Zuvor hatte sie über starke Beinschmerzen geklagt. Sie konnte nicht mehr Laufen. Sie wollte gern das ungeliebte Dessau verlassen und in den Süden reisen.Ihre Sammlung von ca. 600 Büchern ist erhalten geblieben (aber nicht im Schloss Luisium, sondern im Besitz der Familie). Sie soll 14 Bücher im Monat gelesen haben.Sie nannte das Haus der Fürstin, das Graue Haus: Graues Kloster (graues Alltagsdasein). Wir haben ihr Wohnzimmer mit Balkon und ihr Schreibzimmer mit Schreibmöbeln gesehen. Im Haus der Fürstin gibt es auch einen Fahrstuhl z. B. für Rollstuhlfahrer.In ihren Seelentagebüchern hat sie wohl akribisch genau ihre Periode notiert, in verschlüsselter Form.Das Schloss Luisium hat Fürst Franz für Louise erbauen lassen. Anlass war ihr 30. Geburtstag.Fürst Franz hatte später einen schweren Reitunfall. Er starb an den Folgen des Reitunfalls im Schloss Luisium!Beide sind zusammen beerdigt, obwohl sie sich zeitlebens nicht gut verstanden haben. In der Dorfkirche Dessau-Jonitz. Die Gruft kann man wohl besichtigen. Einst wollte Fürst Franz im Turm der acht Winde (auch Napoleons-Turm, umg. Napo) in Mildensee gegraben werden, aber dieser ist nicht hochwassergeschützt. Wir haben den Turm besichtigt. Es stehen die Hochwasserpegel an der Pforte. Seine Gruft wäre vollgelaufen.Fürstin Louise hat wohl Teile ihrer Tagebücher verbrannt. Wegen Persönlicher Vorsicht, Rücksichtnahme, Rufschaden.Sie war wohl sehr kinderfreundlich und hat die unehelichen Kinder von Fürst Franz mit erzogen.Sie haben sich beide nicht scheiden lassen, weil ihre Heirat von König Friedrich II. veranlasst wurde. Da lässt man sich nicht scheiden!Louises Wohlbefinden verschlechterte sich mit zunehmenden Alter immer mehr – war wohl psychosomatisch. Nur wenn sie Dessau verlassen konnte, allein! mit ihrem Gefolge von ca. 10 Leuten verbesserte sich ihr Zustand enorm.Das Gemälde von Louise mit den blauen Schleifen – von Angelika Kauffmann gemalt, da hat sie wohl gesagt, dass sie da schöner gezeichnet wurde, als sie war.Wir haben mal gefragt, woher Fürst Franz das viele Geld herhatte. Das ist wohl ein Phänomen! Es wurde gesagt, dass sich auch viele darüber wundern und sie es nicht genau wissen! Es wird vermutet, dass die Abgaben an ihn sehr hoch waren. Er hat so viele Leute aus seinem Land Arbeit gegeben, dass diese auch viele Abgaben leisten konnten. Das war die Antwort.Was uns sehr wundert ist, dass das alles noch nicht verfilmt wurde! Ereignisreiche Geschichte und alle Gebäude (Schlösser und Gärten) sind zahlreich vorhanden und alles ist schon gut restauriert. Das schreit förmlich nach Hollywood!