Tassen fliegen durch die Luft, die mit Essen beladenen Teller zerschellen an der Wand und lassen ein einziges Chaos aus Speisen und Scherben im Esszimmer zurück. Die taub-blinde 6-jährige Helen Keller hat während des Abendessens mal wieder einen ihrer berüchtigten Wutanfälle. Nur mit Kuchen ist sie zu beruhigen. Die Eltern sind verzweifelt, nahe dran, Helen in ein Heim zu geben. Wie sollen sie mit einem Kind umgehen, das nicht sieht, nicht hört und nicht sprechen kann? Ihre letzte Hoffnung ist die 20-jährige Annie Sullivan. Annie Sullivan ist Blinden-Lehrerin. Selbst fast blind, aber mutig, energisch und voller Ideen kommt sie in das Haus der Kellers und versucht, Helen zu erziehen und zu unterrichten. Sie erkennt sehr schnell, dass Helen ein superintelligentes Kind ist, eingeschlossen in sich selbst wie in einem Kokon, unfähig, seine Gedanken, Träume, Wünsche, Hoffnungen, Ideen dem anderen mitzuteilen.Eine gigantische Aufgabe steht vor Annie Sullivan: Wie lernt ein taub-blindes Kind Sprache, das keine Vorstellung von Wörtern hat? Wie teilt man Gedanken mit einem Menschen, der nichts sieht und nichts hört?Martha Washington, die Tochter der schwarzen Köchin der Kellers erzählt in diesem erstaunlichen biographischen Roman von Helen Kellers Kindheit Ende des 19. Jahrhunderts in Tuscumbia, Albama. Helen bewegt sich trotz Blindheit sicher und flink auf dem Gut. Sie geht in den Stall zu den Kühen, gibt dem frechen Gänserich einen Tritt, schneidet Martha die Haare ab, wirft das Baby aus der der Wiege, sperrt die Mutter im Keller ein. Aber Martha berichtet auch, wie es Helen schafft, sich aus der Dunkelheit zu befreien und sich zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen und Rednerinnen ihrer Zeit zu entwickeln, die große Veränderungen schafft für die Situation von Blinden und Tauben.In diesem Buch lernt der Leser viel über die Situation von Blinden und Gehörlosen. Annie Sullivan zeigt Helen, wie sie kommunizieren kann. Ganz erstaunlich finde ich, wie Helen auf einmal Wörter und Sätze verstehen kann – obwohl sie Sprache ja gar nicht kennt. Sie hört mit ihren Fußsohlen, empfängt Schwingungen, redet mit ihren Fingerspitzen. Es ist faszinierend, dieses Mädchen auf ihrem Weg Kapitel für Kapitel zu begleiten.Blindheit und Taubheit sind kein Grund, aufzugeben. Helen Keller hat denen eine Stimme gegeben, die man nicht hört und die mit ihren Augen nicht sehen können. Mit ihrem Mut, ihrer Entschlossenheit und Ausdauer ermutigt sie alle, die gehandikapt sind, nicht aufzugeben und zu beweisen, was in ihnen steckt. Jeder, der will, kann die Welt verändern. Helen hat es mit ihrem Leben vorgemacht.Dieses Buch ist so spannend geschrieben, so informativ, so voller Hoffnung. Die Menschen darin handeln mutig, entschlossen, eigenverantwortlich. Sie sind stark und voller Überlebenswillen trotz widriger Umstände – alles Eigenschaften, die wir auch heute dringend benötigen. Diese drei Frauen – Martha, Helen und Annie sind beeindruckende Vorbilder. Jeder Leser wird von dieser spannenden Biographie eingefangen werden. Ich jedenfalls konnte das Buch – einmal angefangen zu lesen – nicht mehr aus der Hand legen.Fazit: Die beeindruckende, spannende Biographie der Helen Keller, die obwohl taub und blind, zu einer der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit wurde wird erzählt von Martha, der Tochter der schwarzen Köchin auf der Farm. Dieses Buch macht Mut und öffnet den Blick in eine für die meisten Menschen sonst eher unbekannte Welt.