Ich habe den Wanderführer im Juli 2024 verwendet, allerdings die Ausgabe von 2019, und kann diesen nicht vollumfänglich empfehlen. Zunächst ist zu bemängeln, dass der immerhin bereits seit 2009 bestehende Nationalpark Prokletije an der albanischen Grenze überhaupt keine Berücksichtigung findet (auch in der Neuauflage nicht). Wenn man bedenkt, in welch herrlicher Umgebung man dort wandern kann, muss dieser Verzicht durchaus als fahrlässig bezeichnet werden. Zwei Tipps für diesen Nationalpark:1. Der Hrid-See (Hridsko Jezero) auf 1970 Metern Höhe: Bis Bajrovića Katun fahren, wobei ein SUV empfehlenswert ist. Ich bin den extrem ruppigen Feldweg mit einem Kleinwagen gefahren, um den ich aufgrund der kolossalen Schlaglöcher durchaus gebangt habe. Man kann das Auto auch schon vorher abstellen, muss dann aber entsprechend weiter laufen. Der wunderschöne Wanderweg zum Hrid-See ist ausgeschildert bzw. markiert, sodass man den See kaum verfehlen kann.2. Die Berge Popadija (2057 Meter) und Valusnica (1816 Meter): Ins Grebaje-Tal fahren und dort in der Nähe der Katuns parken (kann man eigentlich nicht verfehlen; Eintritt in den Nationalpark ist vor Ort zu entrichten). Die Wanderungen sind ausgeschildert; im Sommer kann auch evtl. ein Parkranger behilflich sein. Man wird mit einer grandiosen Berglandschaft belohnt, durch die die Grenze zwischen Montenegro und Albanien verläuft. Über einen Grat kann man zudem von einem Gipfel zum anderen wandern und dabei einen weiteren einbinden, was sehr lohnenswert ist.Zu den Touren im Rother-Wanderführer:1. Tour 13 würde ich nicht zwingend als rote Tour einstufen, da sie nicht sonderlich anstrengend ist. Der Eintritt in das Mausoleum kostet mittelweile übertriebene 8 € für Erwachsene.2. Tour 23 habe ich nicht als schwarze Tour wahrgenommen, sondern eher als rote. Das größere Problem war, dass die im Text der Auflage von 2019 beschriebene „Römische Brücke“ (Rimski Most) nicht mehr existiert, da dort nur noch die beiden steinernen Fundamente stehen. Das heißt, man kann dort den Fluss nicht mehr überqueren. Ich habe versucht, den Fluss barfuß zu durchwaten, was mir aber nicht gelungen ist. Also musste ich den gesamten Weg wieder zurücklaufen. Dementsprechend lautet hier die Empfehlung, direkt vor der steinernen Brücke Zeleni Vir rechts in den Wald hochzusteigen und auf keinen Fall den beschriebenen Rundweg anzustreben. Hin- und Rückweg erfolgen dann leider über dieselbe Route. Vielleicht wurde dies in der Auflage von 2023 aber auch korrigiert.3. Tour 47 sollte man im Vergleich zu anderen blauen (z. B. Tour 39) und roten Touren (z. B. Tour 13) eher der roten Kategorie zuordnen, da sie durchaus anstrengend ist und die Einschätzung, dass die Tour den „gesamte[n] Aufstieg über Grashänge und ausgetretene Pfade“ führt, irreführend sein kann.Ich habe den Wanderführer als unausgegoren wahrgenommen. Einerseits, wie oben angesprochen, wird ein interessanter Nationalpark mit tollen Berglandschaften komplett ausgespart, andererseits sind die Kategorisierungen der Touren nicht durchgängig verlässlich. Schade ist auch, dass das Zentrum Montenegros ebenfalls weitestgehend vernachlässigt wurde, obwohl es dort ebenfalls tolle Wandermöglichkeiten gibt, über die man sich dann leider vor Ort erkundigen muss. Die zahlreichen im Süden verorteten Touren empfand ich meist als wenig verlockend, zumal etliche Touren dort keine Rundtouren und somit für Wanderer mit eigenem PKW unattraktiv sind.