"Blackout" beschreibt auf drastische Art und Weise, welche Folgen ein beinahe totaler Stromausfall, der mehrere Tage andauert, in ganz Europa hätte. Ich hatte befürchtet, hier einen der üblichen Endzeit-Thriller vor mir zu haben, in dem einfach nur ein Katastrophenszenario geschildert wird, in dem der Protagonist actionreich zu überleben versucht, aber der Autor Marc Elsberg hat mich sehr angenehm überrascht. Vor allem hat er sich mit den technischen Hintergründen des europäischen Stromnetzes beschäftigt, und soweit ich das als interessierter Laie beurteilen kann, ist seine Darstellung korrekt im Rahmen dessen, was in einem Roman möglich ist.Die Handlung ist mitreissend vor allem durch die zahlreichen Ortssprünge. Da befindet man sich einmal im Lagezentrum der Bundesregierung, gleich darauf bei Europol, dann in einem Kraftwerk, und gleich darauf wieder beim Protagonisten. Ich habe das Buch bei etwa Seite 80 beiseite gelegt, weil ich mir dachte, das kannst du nicht stückchenweise lesen, du musst in der Handlung drinbleiben, an einem Stück bis zum Schluss. Das war wie einer dieser Filme, bei denen man die Augen nicht vom Bildschirm bekommt und nicht auf "Pause" drücken mag, obwohl man Hunger und Durst hat und eigentlich längst schon aufs Klo müsste.Leute, die einen elektronischen Stromzähler besitzen und dieser Technik sowieso skeptisch gegenüberstehen, sollten das Buch aber vielleicht doch nicht lesen. In der Story wird die ganze Katastrophe nämlich durch einen Hackerangriff über diese "smart meter" ausgelöst, und es könnte sein, dass man sein Gerät nach der Lektüre mit etwas anderen Augen sieht.Trotz des ernsten Themas bleibt der Grundton des Romans entspannt, und die in der geschilderten Situation notwendigerweise auftretenden Gewalttaten werden nicht übertrieben dargestellt. Manche Szenen enthalten sogar unterschwelligen Humor oder grenzen ans Absurde, sodass ich mir gelegentlich dachte, "Hey, Elsberg, meinst du das ernst?" Meine Lieblinssequenz ist die, in der der Protagonist - eigentlich Computerexperte - mal "eben so" eine Diesellok kapert und mit der durch die Gegend fährt.Das Buch lädt eigentlich dazu ein, verfilmt zu werden, aber da die in Deutschland hierfür "üblichen Verdächtigen" das bekanntermaßen nicht können, sollte man es doch besser lassen. Das Buch IST ein Film, und ein sehr guter noch dazu.