Nicht umsonst habe ich dieses Buch gekauft. Vor einigen Monaten wurde bei mir Krebs festgestellt.Inzwischen wurde ich operiert, lehne aber Chemotherapie ab. In den letzten Monaten war ich eine noch bessere Kundin bei Amazon als sonst, weil ich eine Riesenmenge Bücher über das Thema Krebs gekauft habe.Bücher über die Krankheit selber, Bücher über alternative Wege, Bücher über Menschen, die durch den alternativen Weg geheilt wurden, Bücher über Krebs und Ernährung und Bücher über spirituelle Aspekte.Das Buch „Sechs Jahre - Der Abschied meiner Schwester“ ist sehr gut geschrieben (deswegen 5 Sterne) und die Liebe für und die Sorge um die Schwester und Tochter sind zutiefst berührend. Allmählich habe ich die Schwester mit ihrer Liebe für Mensch und Tier auch lieb gewonnen. Das Buch schildert auf erschütternde Weise wie eine Krebskrankheit verlaufen kann und was jemand in Krankenhäusern erlebt, wo es leider nicht immer Ärzte und Pfleger voller Mitgefühl gibt.In dem Sinne ist dieses Buch auch ein Plädoyer für eine Welt, in der man anders mit kranken Mitmenschen umgehen sollte (siehe dazu als Inspiration die Bücher von Bernie Siegel).Würde ich aber dieses Buch von Charlotte Link Menschen, die Krebs haben, empfehlen? Nein.Dafür ist Vieles, was beschrieben wird, einfach zu erschütternd und angsterregend.Man braucht als Krebspatient starke Nerven, um dieses Buch zu lesen. Zum Glück habe ich die, denn dieses Buch gibt meiner Krebsart auf S. 145 das Todesurteil, etwas, was die meisten meiner Ärzte nicht in dieser Form mitteilen würden. Zum Glück gibt es auch tolle Ärzte mit einem großem Herz.Auch waren die Erfahrungen der Schwester (der am meisten ein traditioneller Weg erlebt hat) sowohl mit Misteltherapie als auch Hyperthermie nicht gut. Beides sind Therapieformen, die hohe Anerkennung finden, sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten, die auch für andere Heilweisen als das Traditionelle offen sind. Vor einiger Zeit gab es sogar einen Bericht über eine Frau, die ihre Krebskrankheit mit alleiniger Misteltherapie, also ohne Chemo, geheilt hat. Man kann natürlich nicht sagen, dass das bei jedem so funktionieren wird, aber so eine Nachricht ist immerhin hoffnungsvoll. Zum Glück wird in dem Buch „Sechs Jahre“ auch deutlich, dass die Erfahrungen der Schwester nicht hauptsächlich durch die Therapien an sich ungut waren, sondern, dass der Arzt, der diese beiden Therapien gegeben hat, nicht kompetent war. Da würde man eigentlich eine Warnung erwarten, aber stattdessen wird Folgendes geschrieben (S. 116) : „Es ist gleichgültig, wie Dr. B. mit richtigen Namen heißt und in welcher Stadt er praktiziert. Es gibt viele wie ihn. Mit einem guten Riecher für lukrative Geschäfte.“Ich verstehe, dass man keine Namen nennen soll, aber nenne dann wenigstens den Ort, in dem sich diese Klinik befindet. Dadurch werden Patienten geholfen und gewarnt.Aber ich denke anderen Menschen zu helfen ist nicht das erste Ziel dieses Buches. Es ist eine Autobiografie, in der sich jemand das Leid, die Hilflosigkeit und die Trauer von der Seele schreibt. Charlotte Link ist eine begnadete Schriftstellerin.Es ist aber auch ein Buch, in dem deutlich wird, dass bei Menschen, bei denen ein gewisser „spiritueller Zugang“ fehlt, das Leiden noch größer ist als es sowieso schon ist.Ich bin froh und dankbar, dass es auch Bücher gibt, die einem Hoffnung geben oder einem lernen dasjenige anzunehmen, was ist. Am meisten hoffe ich für jeden mit Krebs oder einer anderen schweren Krankheit, dass man lernt auf die eigene „innere Stimme“ zu hören, um da zu entdecken, dass es eine innere Welt gibt, die viel größer ist als alles, was uns in der Außenwelt widerfährt.
Da unsere Familie vor 9 Jahren selbst so ein Unglück miterleben und verarbeiten musste, habe ich mir dieses Buch sofort bestellt und an einem Tag gelesen. Meine Schwester starb an metastasierendem Magenkrebs im Alter von 42 Jahren. Nach der Diagnosestellung erkämpfte sie sich noch 3 Jahre Leben, obwohl die Ärzte ihr kaum mehr eines gegeben hatten.Solch schlimm-negative Erlebnisse mit Ärzten wie Franziska hatte sie nicht, Gott sei Dank. Trotzdem konnte ich viele Parallelen zwischen beiden Krankheitsfällen ziehen, ebenso im Verhaltensmuster der Familienangehörigen. Auch wir sind damals den Ameisen gleich losgezogen, um Hilfe und Informationen zu suchen, haben alles getan, um meiner Schwester die noch verbleibende Zeit so lebenswert wie möglich zu gestalten. So oft es ging, waren wir zusammen und haben die Zeit genossen. Auch wir haben ihr oft nicht die erschütternde Wahrheit über ihren Zustand gesagt in dem Glauben sie schützen zu können und ihre ohnehin riesengroße Todesangst nicht noch größer zu machen. Wer mag schon Richter sein über das Verhalten der Familienangehörigen einer zum Tode verurteilten Tochter, Schwester, Ehefrau oder Mutter? Im Nachhinein haben wir auch innerlich gedacht, ach hätten wir doch nur....Wichtig ist, dass man es nur gut meint mit der Kranken, die man so liebt und nicht verlieren möchte. Man darf nicht vergessen, auch für die Familie ist es ein Schock, der sie in den Grundfesten erschüttert. Das Buch ist für Menschen geschrieben, die ähnliches durchmachen mussten wie die Familie der Autorin. Leute, die so etwas noch nicht aushalten mussten, können sich mehr als glücklich schätzen und ich glaube, bis ins letzte Detail können sie sich nicht hineinversetzen in die Situation der Autorin. Charlotte Link wünsche ich viel Kraft, ihren großen Verlust zu ertragen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Schmerz und die Sehnsucht nie vorbei gehen, aber sie werden leiser. Man muss versuchen das Erlebte zu verarbeiten. Frau Link versucht es, in dem sie dieses Buch schrieb. Ich habe damals, während der Erkrankung meiner Schwetser und nachdem sie gestorben war, auch alles aufgeschrieben und kann sagen, es tut weh, aber es hilft.Die Ärzte, die in dem Buch beschrieben werden, sollten sich schämen. Trotz allen Stresses, aller Unzufriedenheit und ständiger Überbelastung- ein wenig Verstand, Einfühlungsvermögen in die Patienten und Zuwendungsbereitschaft zu den um ihr Leben Kämpfenden muss man erwarten können. Es werden im Buch Zustände in deutschen Kliniken beschrieben, die untragbar sind. Und Charlotte Link hat Recht: So etwas darf man sich nicht gefallen lassen und sollte es öffentlich machen.
Es wird wohl niemanden geben, den die sehr gut geschriebene Schilderung der Leidensgeschichte nicht berührt und auch darüber empört, wie technokratisch-unsensibel manche Ärzte mit Schwerkranken umgehen.Doch letztlich fehlt etwas Entscheidendes, das zumindest ich von einem solchen Buch erwarte: außer der tiefen Trauer um die Schwester gibt es nichts Tröstliches, nichts über den Tod Hinausweisendes (wobei gewiss nicht jeder eine so außergewöhnlich enge Verbindung zu Geschwistern hat, die für mein Empfinden auch etwas übertrieben dargestellt wird - schließlich hat Frau Link auch Mann und Kind, und dennoch soll die Schwester der wichtigste Mensch in ihrem Leben sein? Na ja, kann ja sein...)!Und erneut hat mir das Buch gezeigt: wer Krebs hat, sollte sich sehr genau überlegen, welche Therapie er wählt und sich vor allem darüber im Klaren sein, dass Chemotherapie und Bestrahlung das Leben zwar um einige Jahre verlängern, aber die Krankheit meist nicht wirklich heilen können, da durch diese Therapien auch alle gesunden Zellen stark geschädigt werden. Man weiß natürlich nicht, wie man sich selbst im Ernstfall entscheiden und ob man nicht doch nach jedem Strohhalm greifen würde...Alles in allem ist das Buch nur eines von vielen, die ein schweres Schicksal und die Emotionen der Betroffenen und ihrer Angehörigen beschreiben - und insofern nichts wirklich Neues!