Mit dieser ersten Zusammenarbeit von Lee Child mit seinem Bruder Andrew geht es für meinen Geschmack wieder deutlich bergauf mit der Serie. Auf den ersten Seiten hatte ich noch Schlimmes befürchtet - da liest sich das Buch wie ein weiterer Möchtegern-Reacher a la Scott Blade, und der Schreibstil ist zunächst genauso abgehackt wie in den Anfängen von Lee Child solo ("Größenwahn", den ersten Reacher, hatte ich damals wegen dieses manieristischen Stils erst einmal in die Tonne gekloppt). Aber es wird! Nach ein paar Kapiteln war ich mittendrin, der Roman klingt richtig, Reacher fühlt sich richtig an und tut, was er soll: Die Rätsel lösen, den Fall knacken, für Gerechtigkeit sorgen.Der abgehackte Schreibstil kehrt zwar immer wieder mal für einen Absatz zurück (was ja auch nach "Größenwahn" ein Reacher-Markenzeichen geblieben ist), aber insgesamt liest sich das Buch flüssig und vor allem: Es ist spannend. Reacher hat ständig was zu rätseln und nie hat man den Eindruck, hinter dem Ganzen könnte bloß kalter Kaffee stecken, wie das in einigen der letzten Bücher der Fall war. Hier steckt ein richtig großer Fall dahinter und alles hängt irgendwie zusammen.Dazu kommt, dass endlich auch wieder genug Action geboten wird. Zuletzt war das Feuer diesbezüglich fast erloschen, und die grotesken Massenschießereien gegen Ende des Vorjahresbandes "Die Hyänen" wirkten wie aufgesetzt, um rasch zum Ende zu kommen. Hier ist die Action stimmig und gleichmäßig über die gesamte Handlung verteilt. Auch sind die Nebenfiguren keine ebensolchen Sherlocks wie Reacher mehr und hören sich auch nicht mehr wie Reacher an. Sie sind endlich wieder eigene Persönlichkeiten.Unterm Strich also ein stark formverbesserter Jack Reacher. So kann es gerne weitergehen.