★★★★★
k.A.
23.06.2026
ean-shopping.de
Ein wunderschönes und bildreiches Buch über die Geschichte von Grace ist es, allerdings finde ich die Darstellung einiger historischer Details etwas vereinfacht.
Vorab möchte ich kurz WIKIPEDIA bemühen, um einen Eindruck zu vermitteln, in welchem Kontext die Story zu verstehen ist.Die als Große Hungersnot (irisch An Gorta Mór; englisch Great Famine oder Irish potato famine) in die Geschichte eingegangene Hungersnot zwischen 1845 und 1849 war die Folge mehrerer durch die damals neuartige Kartoffelfäule ausgelöster Missernten, durch die das damalige Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung Irlands, die Kartoffel, vernichtet wurde. (…) Infolge der Hungersnot starben eine Million Menschen, etwa zwölf Prozent der irischen Bevölkerung. Weitere zwei Millionen wanderten aus. Von dem massiven Bevölkerungsverlust hat sich Irland bis in die Gegenwart nicht erholt.Und genau in dieser Zeit spielt die Geschichte von Grace. Eines kalten Oktobertages wird sie von ihrer Mutter ergriffen und gezwungen, in Männerkleidung loszuziehen, um sich Arbeit zu suchen.„Und früh im Morgengrauen kommt ihre Mutter an und holt sie aus dem Schlaf, reißt sie aus einem Traum von der Welt.“Vierzehnjährig ist sie nun gezwungen, durch das Land zu streifen, ihren kleinerer Bruder Colly schafft es, sich ihr heimlich anzuschließen und ist mit seinem Witz und mit seinen lockeren Sprüchen immerfort bei ihr - und das, obwohl er wenige Tage nach ihrem gemeinsamen Aufbruch ertrinkt.Sie schlägt sich weiter durch - immer darauf bedacht, nicht als Mädchen, sondern als Junge angenommen zu werden. Sie schließt sich einer Gruppe von Männern an, die sie für einen Tim halten. Diese Gruppe will Rinder zu einer Stadt treiben, was während einer Hungersnot mehr als nur gefährlich ist - schließlich werden sie verraten und die Gruppe löst sich auf. Grace ist wieder allein unterwegs - nur Colly ist bei ihr. Schließlich findet sie zu einer verfallenen Hüttte, deren vorherige Bewohnerin sie zunächst im Wald versarren muss. Sie arbeitet in einer Bauarbeitertruppe, muss jedoch fliehen, als einige Männer sie als Frau erkennen und sie bedrängen.Mit der Hilfe des jungen Bart, der nur einen gesunden Arm hat, jedoch mit dem Messer sehr flink ist, gelingt ihr die Flucht. Beide ziehen weiter durchs Land, doch die Situation wird immer kritischer; Hunger und Kälte setzt ihnen zu. Zwischendurch treffen sie einen alten Freund von Bart; mit ihm überfallen sie Reisende und wohlhabende Bauern - doch dann kommt es zu einem schlimmen Vorfall und sie müssen als Mörder fliehen. Schließlich eskaliert alles - ihr Leben scheint verwirkt.Mehr möchte ich nicht verraten - und hoffe, nicht schon zu sehr gespoilert zu haben.Das ganze Elend, die Kälte der Hunger, die ausweglosen Situationen gehen einem wirklich sehr nahe; der Autor schafft es, den Leser mit in das Elend von Grace, in das Elend der ganzen irischen Bevölkerung zur Zeit von Hunger und Kälte mitzunehmen. Kinder, deren Eltern nicht mehr aufwachen, Eltern, die ihre Kinder verkaufen. Dazwischen Mörder und Halsabschneider - aber auch Menschen die helfen wollen. Was besonders stark ist in dieser Geschichte, ist zunächst die Sprache - an dieser Stelle ein großes Lob an Christa Schuenke, für die tolle Übersetzung. Die Sprache ist gleichzeitig einfach - so dass man die ungebildeten Menschen dieser Zeit erkennt und versteht - und zudem sehr lyrisch; einfach schön zu lesen. Gleichzeitig lässt der Autor immer wieder Traum und Wirklichkeit verschwimmen, so dass der Wahnsinn, der die Menschen ob ihres Hungers anheimfällt, greifbar und in seiner ganzen Heftigkeit spürbar macht. Der Wechsel ihrer Persönlichkeit zwischen Grace und Colly - ihre Begegnung mit Geistern, ihr tägliches Wanken zwischen dieser und jener Welt und dabei die täglichen Sorgen um das Leben, um den nächsten Tag - in einer Welt mit Problemen, die wir uns heutzutage so gar nicht vorstellen können - obwohl noch gar nicht so lange her - all das stößt einen hinein in dieses wirklich großartige Werk.„Grace. Was? Weißt du was? Was denn? Das is doch hier kein Leben.“„Was jetzt geschieht, das ist nicht mehr und nicht weniger als der Weltuntergang – der einzige Unterschied ist, dass die Reichen auch weiter unbehelligt leben können. Was ich denke? Ich denke, dass die Götter uns im Stich gelassen haben. Es ist endlich an der Zeit, sein eigener Gott zu sein.“Ich habe das Buch sehr gern gelesen und freue mich schon jetzt sehr auf „Das Lied des Propheten“ von dem Autoren, welches im Herbst in Deutscher Übersetzung heraus kommt.Von mir bekommt GRACE 5/5 Sterne.Ich empfehle das Buch jedem, der auch gern Klassiker wie „Oliver Twist“ oder „Die Elenden“ oder auch „Moby Dick“ liest - wobei die Sprache hier nicht ganz so ausschweifend, jedoch ähnlich lyrisch ist.Allerdings sollte man bereit sein, sich auf lange Gedankengänge und Monologe einzulassen - was sich allerdings SEHR lohnt!
Als im Jahre 1845 die Kartoffelfäule enorme Missernten hervorrief und somit das Hauptnahrungsmittel vernichtet wurde, starben mindestens 12% der Irländer den Hungertod.Millionen wanderten aus.Grace ist eins der unzähligen 14jährigen Kinder, die von zu Hause fortgeschickt wurde, um „(…) dann, in einem Jahr, (…) mit vollen Taschen wieder heim (…)“ zu kommen. (Pos. 227)Paul Lynch‘s fiktiver Roman hat es mir von Anfang an nicht leicht gemacht.Der Satzbau sperrig, die wörtliche Rede nicht gekennzeichnet, murrte ich mich mit zunehmend verdrießlicher Laune durch die Seiten. Wollte aufgeben!Bis ich über die ersten wunderschönen Metaphern stolperte und von:• mit ihren Augen stöbern• im Osten keift der widerliche Wind• ein finsterfarbener Hund•einer Tür die auf der Erde schurrt• weggeheimnissen• wo in den Narben der Straße silbrige Regenfetzen kleben• die dunkler werdenden Bäume atmen Stille aus• wie doch im Dämmerlicht alles in Langsamkeit gewickelt scheintlas❣️Ab da war ich ganz Grace Coley, versuchte mit weggebundenen Brüsten den zwielichtigen Gestalten in keinster Weise ein Anzeichen für meine Weiblichkeit zu geben und mich in der dreckigen und hungrigen Männerwelt zu behaupten.Lerne, Häuser von Leichen zu säubern, zu Essen, was andere liegen lassen würden. Zu sprechen wie ein Bursche und mich zu bewegen wie ein Mann.Meinen zwei Jahre jüngeren Bruder Colly gedanklich an meiner Seite, damit ich in dieser kalten Welt nicht zugrunde gehe.Ein großes Lob geht ebenfalls an Christa Schuenke, die diesen so großartigen Hosenrollen Roman übersetzt hat.
Irland steckt im Jahre 1845 und die Folgejahre in einer großen Krise von Hunger und Not. Keine Ernten, keine Arbeit und keine Lebensmittel bringen die Menschen an ihre Existenzgrenzen. In dieser Zeit lebt das junge Mädchen Grace mit ihren Eltern und Geschwistern. Aufgrund der großen Familie, die ernährt werden will, fasst die gerade einmal 14jährige Grace den Entschluss, sich auf eine Reise zu begeben, um Lebensmittel und Geld zu verdienen. Ihre Reise wird zu einer Odyssee. Sie begegnet Menschen, die ihr helfen, einmal mehr, auch mal weniger. Aber sie muss auch Gewalt und Tod auf ihrer Reise erleben. Ob sie es am Ende schafft, mit Geld und Gütern nach Hause zu kommen, wird zu einer großen Kraftanstrengung und Herausforderung für Grace, die mitten aus ihrer Kindheit gerissen wird.Paul Lynch erzählt eine Geschichte über eine Zeit, die einen an Krieg oder Dürre in einem warmen Land auf der Südhalbkugel erinnern. Wenn Menschen nicht mehr weiter wissen, um zu überleben. Welche Last diese Menschen auf sich zu nehmen, um zumindest eine Kante Brot am Tag essen zu können. Lynch setzt diese Zeit um 1845 in eine Szene, die grau, bitterlich und traurig ist. Menschen sterben und üben Gewalt aus. Die Protagonistin Grace begibt sich auf diese Odyssee, um ihrer Familie zu helfen. Sie findet halt, indem sie in Zwiesprache mit ihrem Bruder Colly ist. Colly ist in ihrem Kopf, um diese Reise zu ertragen. Eigentlich ist Grace zu jung, um sich zwischen Männern zu behaupten. Lynch stellt Grace einerseits als starkes Mädchen mit ihrer Willenskraft und Mut dar, aber andererseits ist sie naiv dar, was der Zeit geschuldet ist, wenn man in kinderreichen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwächst. Aufklärung über Geschlecht und das Leben finden nicht statt. Mit einer poesiehaften Sprache erzählt der Autor teilweise in bildgewaltigen Szenen eine Zeit aus Hunger, Tod und Gewalt, die man selbst nie erleben möchte. Er spart nicht mit Beschreibungen, die diese Zeit so real darstellt, als wenn man selbst mitten drin stehen würde.In die Sprache des Autors musste ich anfangs erst einmal hinein kommen. Sie war nicht in meiner sonstigen Sprache, die ich sonst im Sprachton und Rhythmus lese. Dieser Roman nimmt einen mit, und lässt nicht los, obwohl er manchmal in die Länge gezogen ist meiner Meinung nach. Manch ein Moment ist nüchterner und starker Tobak, weil sie so bildgewaltig sind. Nach so einem Roman braucht man erst einmal eine Lesepause, um diesen zu verdauen.