Wilhelm Leibl (1844-1900) gilt als einer der wichtigsten Vertreter des europäischen Realismus im 19. Jahrhundert. Zu Lebzeiten wurde er als der „größte Bildnismaler seit Rembrandt“ bezeichnet. Mit dem Einsetzen der Moderne erlahmte jedoch das Interesse an ihm. So sagt sein Name nach hundert Jahren dem breiten Publikum kaum noch etwas. Nun widmet ihm das Zürcher Kunsthaus (25. Oktober 2019 - 19. Januar 2020) die erste große Retrospektive in der Schweiz. Die Ausstellung versammelt über 60 Zeichnungen und über 40 Gemälden Leibls; sie sind selten gezeigte Leihgaben aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, der Schweiz und den USA, die anschließend in der Albertina Wien (31. Januar - 10. Mai 2020) gezeigt werden.Zu der bemerkenswerten Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein umfangreicher Begleitkatalog erschienen, in dem die Autorinnen und Autoren informative und durchaus unterhaltsame Einblicke in Leibls Künstlerleben und seine Zeit geben. So beleuchtet die Kuratorin Marianne von Manstein die Kunst von Wilhelm Leibl zwischen Tradition und Moderne - Vergleich auf die beiden großen französischen Zeitgenossen Gustave Courbet und Edouard Manet. Bernhard von Waldkirch (ebenfalls Ausstellungskurator) widmet sich unter „Wahres Sehen“ Leibls Bauerngenre bzw. seiner Licht- und Raumgestaltung.Andere Essays behandeln die Selbstbildnisse Leibls, sein Verhältnis zu Edgar Degas, seine Beziehungen zu den ungarischen Realisten seiner Zeit (u.a. Pal Szinyei Merse) sowie seine Bedeutung für die Kunst im 20. und 21. Jahrhundert zur Sprache. Im eigentlichen Katalogteil werden alle ausgestellten Werke in ganzseitigen Farbabbildungen vorgestellt, begleitet von Zitaten aus Leibls Korrespondenz oder von Äußerungen seiner Zeitgenossen. Im Anhang findet sich eine detaillierte Liste der ausgestellten Werke, eine illustrierte Biografie sowie eine umfangreiche Bibliografie.