In seinem Essay schreibt der Architekt Axel Frühauf über seinen Lehrer Andreas Meck: "Der Mensch denkt und fühlt, er reagiert sensibel auf die Stimmung gut gemachter Räume, er erfasst Architektur mit allen Sinnen, in mehrfachen, bisweilen unerklärlichen Dimensionen." (Seite 285).Andreas Meck galt als einer der bedeutendsten Architekten Deutschlands. Er starb für heutige Verhältnisse sehr jung, mit nur 59 Jahren. Er hinterließ ein preisgekröntes Werk, das gerade München prägte.Das oben angeführte Zitat von Frühauf, das das anthropologische Selbstverständnis von Andreas Meck erläutert, verweist auf auf die Metaphysik des Bauens, und das in doppelter Hinsicht. Die "unerklärlichen Dimensionen" beziehen sich auf die Architektur als einen ästhetischen Erfahrungsraum, der einen Bau zu mehr macht als nur einen funktionalen Raum mit Dach. Darüber hinaus geht es um die Erfahrung der Transzendenz. Meck widmete sich immer wieder sakralen Bauten, kirchlichen Begegnungsräumen, darüber hinaus finden wir eine Aussegnungshalle oder das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin.Der Formenvorrat kirchlicher Bauten entwickelte sich seit der Antike aus den Prinzipien der Basilika und des Zentralbaus. Andreas Meck Selbstverständnis speist sich indes aus dem Geist der Moderne. Der Abstand der jüngeren Moderne zur Ästhetik der Gotik, des Barock oder Romanik ist riesig. Das Altertum und die abstrakte Moderne konvergieren bei Meck aber in einem Punkt und werden dadurch auf eine höhere Ebene gehoben, nämlich im baulichen Umgang mit Licht.Symbolisch und abstrakt ist zunächst die Wahl der Baustoffe. Im nicht realisierten Entwurf für die Leipziger Propsteikirche Sankt Trinitatis mit Pfarrzentrum stehen die Materialien Holz und Ziegel für das Irdische. Als "gewachsenes" Material versinnbildlicht gerade Holz die weiterwachsende Pfarrgemeinde. Gleichzeitig sind die Ziegel eine architektonische Reprise, da die alte Propsteikirche mit Ziegel verkleidet und der Innenraum aus Holz konstruiert war.Jenseits dieser Ausgedachtheiten und symbolischen Zuweisungen beginnt der Erfahrungsraum des Besuchers und Betrachters. Dieser ist vor allem bestimmt durch die gebauten Proportionen, den Interieurs und vor allem das Licht. In der Propsteikirche gestaltet sich der Wandel vom Irdischen zum Himmlischen so:"In seinem Schnittprofil öffnet sich der Raum zum Altar hin dem Licht. Die Raumhöhen steigern sich bis hin zum Hauptraum, der in seiner Vertikalität den Bereich des "Gewohnten" verlässt. Das hölzerne Gefäß wird nach oben zum Licht hin konstruktiv aufgelöst. In der Überlagerung mit dem dramaturgischen Lichteinfall lösen sich die Grenzen zwischen Realem und Irrealem auf: Unendlichkeit und Transzendenz." (Seite 98).Bestimmend bleibt diese Dynamik aus symbolisch aufgeladener Profanität und architektonischer Himmelfahrt auch für die anderen sakralen Bauten. Nach außen hin wirkt etwa das Dominikuszentrum in München aus dem Jahre 2008 wie ein Konferenz- und Meetinggebäude. Das mag Traditionalisten erzürnen, doch folgt Andreas Meck hier nur der antiken Verfahrensweise, die basilikale Mehrzweckhallen für das Christentum sakralisierte. Sichtbares Baumaterial ist der Torfbrandklinker, der auch hier Symbolträger ist: für das Irdische natürlich, das Erdhafte und schließlich eine zeitüberdauernde Baukultur.Spirituelles Zentrum des Dominikuszentrums ist aber der lichtspielerisch arrangierte Andachtsraum. "Durch ein großes Oberlicht fällt Tageslicht durch Textauszüge des Glaubensbekenntnisses und füllt den Raum mit Bedeutung. Grund für das Licht ist die Farbe Blau. Diese bildet, auf die Ziegel gelegt, die innere architektonische Hülle des Andachtsraumes und gibt ihm neben der besonderen Farbstimmung auch spirituellen Halt. Der blaue Raum trägt die Farbe trägt die Farbe der Maria und ist das kulturübergreifende Zeichen für das Himmlische und Göttliche."Funktionalismus und Transzendenz sind auch das zurückhaltende Thema beim Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin aus dem Jahre 2009. "Zurückhaltend" deshalb, da die Architektur auch als bauliche Zurückweisung einer überkommenen preußisch-militaristischen Tradition zu verstehen ist. Das Pathos früherer Denkmäler hat sich bei Mecks Bau verflüchtigt, mithin ist nicht von Soldaten die Rede, die für Volk und Vaterland gefallen sind, stattdessen heißt es in behördenartigen Notaten auf Seite 6, dass das Ehrenmal "an Bundeswehrangehörige [erinnert], die infolge der Ausübung ihrer Dienstpflichten ihr Leben ließen."So ist Mecks Bau architektonischer Ausdruck dessen, was man als die bundesdeutsche Wirklichkeit einer postheroischen Gesellschaft bezeichnen kann. Tapferkeit, Tragik und Heldenmut sind verschwunden, dafür geht es um das demokratiekonforme Ableben für "Frieden, Recht und Freiheit." Entsprechend verzichtet Meck auf Zitate klassischer Architekturen. Aus kunstvollen Säulen, die etwa die klassizistische Neue Wache prägen, wurden bei Meck profane Beton-Pfeiler.Entscheidend blieb für Meck aber auch der Umgang mit Licht. Um die Beton-Architektur ist ein Bronzekleid gelegt, in das die Formen halber und ganzer Erkennungsmarken gestanzt sind. Die halben, gleichsam gebrochenen Marken symbolisieren den Tod. Lichtspielerisch inszenierte Transzendenz und ein symbolisch übersetztes Schriftbild gehen hier zusammen:"Der Anordnung [der Marken] liegt eine Codierung zugrunde, die den Eid der Zeit- und Berufssoldaten, das Gelöbnis der Wehrdienstleistenden sowie den Amtseid der Wehrverwaltung darstellt."Damit weisen Mecks Architekturen über das Stoffliche und Materielle hinaus. Was in den besten Architekturen dann sichtbar wird, ist ein artistisches Spiel aus Licht, Raum und Transzendenz. Eine Architektur, die die profanierte Moderne überbietet, weil sie sich der sakralen Voraussetzungen inne wird, die seit je Bauten groß und bedeutend gemacht hat.Eine Rezension des Bandes "Gestimmte Räume" wäre denkbar unvollständig ohne die Nennung der Fotografen. Andreas Mecks architektonische Lichtgestaltung trifft im Band des Hirmer-Verlages auf durchgängig hochwertige, weil stimmig, kreativ und doch klar komponierte Fotografien, welche überwiegend von Michael Heinrich und Florian Holzherr stammen. Gerade die Fotografien rechtfertigen den recht teuren Preis des Bandes. Gekauft habe ich mir den Band als Münchner und als studierter Christlicher Archäologie. Mich interessieren gerade hier Kontinuitäten und Bruchlinien. Daher habe ich bei der Besprechung die Profanbauten weggelassen.