In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt der Auseinandersetzung der deutschen Kunst in den 1930er und 1940er Jahren zumeist in der Gegenüberstellung von "NS-Kunst" und „entarteter Kunst“ oder in der Darstellung der Exil-Kunst. Die Ausstellung „Kunst für Keinen 1933-1945“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (4. März bis 6. Juni 2022) richtet den Blick nun auf die Künstler und Künstlerinnen, die nach 1933 in Deutschland blieben, sich aber abseits des nationalsoz. Kunstbetriebs bewegten. Sie fanden bisher kaum Beachtung. Mit der Ausstellung rücken neben ihrem Werk auch ihre Lebens-und Arbeitssituationen in das Interesse der Öffentlichkeit. Dabei werden anhand von vierzehn Biografien die künstlerischen Handlungsspielräume während des Nationalsoz. beleuchtet.Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche, zweisprachige (dt./engl.) und reich illustrierte Be-gleitkatalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschienen. Die vierzehn Künstler*innen (Willi Baumeister, Otto Dix, Hans Grundig, Lea Grundig, Werner Heldt, Hanna Höch, Marta Hoepffner, Karl Hofer, Edmund Kesting, Jeanne Mammen, Ernst Wilhelm Nay, Franz Radziwill, Hans Uhlmann und Fritz Winter) werden zunächst mit einem kurzen biografischen Datenblatt vorgestellt, wobei die Palette von der Malerei über die Grafik bis zur Fotografie reicht. Darauf folgen einige Reproduktionen von Werken, die in der Zeitspanne von 1933 bis 1945 entstanden sind. Im Anschluss geben renommierte Kunstwissenschaftler*innen einen Überblick über das Schaffen des jeweiligen Künstlers/der jeweiligen Künstlerin in diesem Jahrzehnt. Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Künstler*innen auf die Einschränkungen der nationalsoz. Kulturpolitik reagierten – vom Rückzug aus der Gesellschaft oder die Übersiedlung aus den Kunstmetropolen in eine ländliche Gegend. Fazit: Ein ambitioniertes Ausstellungsprojekt und ein informativer Katalog.