★★★★★
AJuM Sachsen-Anhalt
07.04.2024
amazon.de
Arne Rautenberg ist natürlich frech genug, sich dem hochheiligen Weihnachtsfest mit seinen Gedichten anzudienen. Dabei ist weniger das Fest mit seinen Inhalten – seien das nun religiöse oder kulturell tradierte – Thema der Gedichte. Rautenberg inszeniert eher einen Metablick aus der Beobachterperspektive. In seinen kleinen Texten werden die Formen selbst zum Thema, die Äußerlichkeiten und Begleiterscheinungen, mitunter auch die zur Kuriosität entarteten Gepflogenheiten. Die Oma, die alle Weihnachtslieder kennt, die Schokoladenmanie, die Weihnachtsmänner, die nach getaner Arbeit so gar nicht passende Verhaltensweisen an den Tag legen – oder doch? – und natürlich die Logik der Erzähltradition vom Weihnachtsmann, die genüsslich vorgeführt und in ihrer Unabschließbarkeit entwirrt wird. Gleichzeitig findet dieser Auseinandersetzung auch auf textueller Ebene statt. Immer wieder klingen bekannte Weihnachtstexte durch, die Rautenberg zitiert, adaptiert und neu ausformuliert – und damit auch zeitgemäß übersetzt.Der schmale Band enthält gerade einmal 24 Gedichte. Wunderbar geeignet für eine gemeinsame Lektüre, in der der einzelne Text zum Genuss für Kleine und Große werden kann. Die Texte sind manchmal ganz kurz – nur zwei Zeilen – manchmal länger, mal sprachspielerisch verdichtet, mal erzählerisch ausbuchstabiert. Immer schwingt ein Augenzwinkern mit, und nicht zuletzt auch die lustvolle Vorfreude auf das Fest, dessen Form Rautenberg auf die Schippe nimmt, immer aber freundlich zugewandt und in prinzipiellem Respekt dem Ereignis gegenüber.Das wird auch in den Drucken von Katrin Stangls deutlich. In blau und rot werden schablonenhaft typisierte Figuren und Szenen gezeigt, die mal vigniettenartig, mal bühnenhaft die Gedichte in Szenen setzen. Insgesamt ein kleines, sehr feines Weihnachtsbuch – sehr zu empfehlen!Weitere Rezensionen auf ajum.de