★★★★★
PFAD Bundesverband e.V.
16.06.2023
amazon.de
„Dass wir erst so langsam erfahren, welche Erfahrungen die Kinder machen, wie sie ihr Leben wahrnehmen und wie sie im unübersichtlichen biografischen Gelände ihren eigenen Weg suchen, kommt daher, dass wir so selten Situationen schaffen, in denen sie ihre Erfahrungen ohne Angst vor Nachteilen ausdrücken können und wir ihnen so selten aufmerksam und wohlwollend zuhören und ihren Gedanken und Gefühlen folgen.“ Diese Einsicht stellt Prof. Klaus Wolf in seinem Vorwort an den Anfang der Dissertation von Karin Werner, Dozentin und Forschungsprojektleiterin am Institut für Kindheit, Jugend und Familie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.Für ihre Forschungsarbeit interviewte die Sozialwissenschaftlerin 24 Jugendliche (14–19 Jahre) aus dem Kanton Zürich. Pflegekinder müssen die Anforderung meistern, der Pflegefamilie eine Bedeutung zuzuweisen. Da das Aufwachsen in einer anderen als der Herkunftsfamilie in unserem Kulturkreis nicht der Normalität entspricht, ist die Pflegekindsituation gegenüber anderen, aber vor allem auch gegenüber sich selbst erklärungsbedürftig. Die Autorin erarbeitete fünf Typen von Arrangements doppelter Elternschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten Jugendlichen im Zusammenhang mit Kontakten zu den leiblichen Eltern kaum Ressourcen im weiteren Sozialraum erwähnen; die Jugendlichen scheinen in Bezug auf diese pflegekindspezifische Anforderung primär auf sich allein gestellt. Beistandspersonen oder Mitarbeiter der Jugendhilfe spielen in der Wahrnehmung der Pflegekinder nur eine marginale Rolle. Beachtenswert sind auch die Aussagen zur Religionszugehörigkeit der Pflegeeltern. Wenn die leiblichen Eltern einer anderen Religion angehören und im Alltag entsprechenden religiösen Aktivitäten nachgehen, kann dies zu Belastungen bei den Jugendlichen führen.Für Fachkräfte und interessierte Pflegeeltern eine aussagekräftige Lektüre mit einem tiefen Einblick in da Erleben der Jugendlichen. In einer gut verständlichen sprachlichen Form werden auch die komplexen Zusammenhänge erläutert. ar