„Kinder der Freiheit“ ist der letzte Teil der Jahrhundert-Trilogie von Ken Follett. Wie in den ersten beiden Bänden wird das weltgeschichtliche Geschehen aus Perspektive einiger Familien aus den USA, Russland, England und Deutschland erzählt. Während im zweiten Band der Trilogie („Winter der Welt“) die Kinder des ersten Bandes („Sturz der Titanen“) die Handlung bestimmten, ist es nun die Enkelgeneration. Es ist zwar hilfreich, die ersten beiden Bände gelesen zu haben, für das Verständnis von „Kinder der Freiheit“ ist dies jedoch nicht unbedingt erforderlich.Das Buch beginnt 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer und endet 1989 mit ihrem Fall. Dazwischen kriegt man auf den 1.200 Seiten das weltgeschichtliche Geschehen aus diesen drei Jahrzehnten präsentiert. Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass viele historische Persönlichkeiten auftreten, so alle amerikanischen Präsidenten von John F. Kennedy bis George W. Bush, und alle sowjetischen Generalsekretäre von Nikita Chruschtschow bis Michail Gorbatschow. Am eindrucksvollsten fand ich aber die Auftritte von Bobby Kennedy und Martin Luther King, deren Ermordung ebenso Teil des Buches sind wie das Attentat auf John F. Kennedy. Nachdem die politischen Größen eine so gewichtige Rolle spielen, habe ich es allerdings vermisst, dass Musiker, Schauspieler und Künstler so ganz und gar außen vor geblieben sind.Als Leser des Buches sollte man an Zeitgeschichte interessiert sein, denn diese wird zwar sehr spannend, aber auch sehr detailliert beschrieben. Dabei werden u.a. der Mauerbau, die Bürgerrechtsbewegung in den USA, die Kuba-Krise, der Vietnamkrieg, die Watergate-Affäre, die Freiheitsbewegung in Osteuropa und das Ende des Kalten Krieges mit dem Falls des Eisernen Vorhangs in die Handlung integriert. Die erste Hälfte des Buches umfasst die Jahre 1961 bis 1963, danach beschleunigt Ken Follett die Geschwindigkeit zunehmend, denn die zweite Hälfte des Buches erstreckt sich dann auf die nächsten 26 Jahre bis 1989. Das Tempo ist insgesamt also sehr unausgewogen. So spannend ich die Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung in den USA auch fand, so war sie mir dann doch teilweise etwas zu detailliert beschrieben, wohingegen beispielsweise der Vietnamkrieg mir im Vergleich dazu viel zu kurz kam.Trotz der starken Beschleunigung des Tempos nimmt sich Ken Follett über das ganze Buch hinweg ausreichend Zeit, um sich besonders ausführlich dem Liebes- und vor allem dem zugehörigen Sexualleben seiner Protagonisten mit allen Eigenheiten und Vorlieben zu widmen. Das fand ich persönlich nicht störend, aber ich hatte schon den Eindruck, dass der Autor hier gezielt auf ganz bestimmte Leserbedürfnisse eingegangen ist.Nicht nur zeitlich bestehen einige Ungleichgewichte, auch das Geschehen findet überwiegend in den USA bzw. Russland statt. Die Geschichte der deutschen Trennung geht zwar nicht unter, nahm aber für meinen Geschmack vergleichsweise ein bisschen zu wenig Platz ein. Dafür ist das Regime der DDR jedoch sehr gut beschrieben und mit dem Stasi-Mann Hans, der Rebecca nur heiratet, um sie und ihre Familie noch besser ausspionieren zu können, zeigt Ken Follett sehr anschaulich auf, wie weit in das intimste Privatleben hinein sich die Verfolgung durch den Unrechtsstaat erstreckte.Auch die Auswahl der Personen ist etwas unausgewogen. Zumeist gehören die Akteure dem innersten Zirkel der Macht an (die politischen Berater George im Weißen Haus bzw. Dimka im Kreml) oder sie schlagen außerordentliche Karrieren als weltbekannte Musiker (Dave, Walli) oder Schauspielerinnnen (Evie) ein. Daher bleibt vor dem weltgeschichtlichen Hintergrund die Perspektive der normalen Bevölkerung deutlich unterbeleuchtet.Trotz der formulierten Kritikpunkte hat mir „Kinder der Freiheit“ außerordentlich gut gefallen. Auch wenn mir die meisten geschichtlichen Ereignisse bekannt sind, war es doch sehr interessant, sie so kompakt und um viele interessante Details angereichert erzählt zu bekommen. Insbesondere ist es Ken Follett sehr gut gelungen, nachvollziehbar zu beschreiben, wie nah die Welt bei der Kuba-Krise und noch einige Male später an einer nuklearen Katastrophe vorbeigeschrammt ist.