★★★★★
AJuM Sachsen-Anhalt
12.09.2023
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„Als der Winter verschwand“ von Ales Steger ist eine geheimnisvolle Geschichte über den Kurent, ein mystisches Wesen, welches den Winter vertreibt, damit der Frühling beginnen kann. So beginnt das Buch in einer längst vergangenen Zeit. Es beschreibt ein Dorf, welches unter einem harten Winter leidet. Die Figuren begeben sich durch eine schonungslose, eiskalte und grausame Welt. Der Dorfmusiker Peppi mit seiner scheinbar verfluchten Geige, aus der Tiere entspringen, hilft den Menschen mit seiner Musik. Halluzinationen oder Realität? Oder entspringen die Tiere der Fantasie, welche durch den starken Alkoholkonsum hervorgerufen werden, welcher zu Beginn der Geschichte klar und deutlich beschrieben wird. Alles wirkt sehr skurril und merkwürdig. Sachen verschwinden. Der Winter soll sie genommen haben. Dann endet die Szenerie und wir begeben uns in die Zeit der Moderne. Der Mensch hat nun den Winter vertrieben. Eine riesige („heiße“) Eisfabrik lässt stetig Hitze über dem Land schweben und schadet Flora und Fauna. Mir gefiel die Idee des Buches, da sie direkt auf unsere heutige Gesellschaft übertragen werden kann. Der Mensch baut eine riesige Fabrik, welche den Winter vertreibt. Dadurch, dass der Winter ausbleibt, wird die Erde durch ständige Hitze gequält. Der Mensch braucht Abkühlung, welche er nur durch die Eisfabrik erhält. Der Kurent, eine slowenische Dämonengestalt, versucht der Sache auf den Grund zu gehen, doch wird er von der modernen Gesellschaft als Feind und Eindringling behandelt. Der Mensch macht sich die Natur untertan. Ich muss an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen für die unglaublichen Illustrationen, welche diese kalte Geschichte in einem stetigen Blau-Weiß-Ton untermalen. Sie unterstreichen das Geheimnisvolle und Bedrohliche der Wintergestalt. Besonders interessant fand ich, dass selbst, wenn es im Text heißt: „Die Sonne brannte ohne Erbarmen“, die Illustrationen in Blau-Weiß gefärbt, eine ständige Kälte ausstrahlen und dem Lesenden zeigen, dass hier etwas nicht stimmt oder auch unnatürlich ist. Dies und der Text des Buches hinterlassen eine komplexe Geschichte, welche für ein älteres Publikum gedacht ist. Die Thematik der Umweltverschmutzung, die Kontrolle über die vier Jahreszeiten sind erschreckend und komplex dargestellt. Gerade der Anfang des Buches ist sehr schwer zugänglich. Die Figuren, welche etabliert werden, spielen letztendlich keine größere Rolle. Viel Philosophie, wenig Hintergrundinformationen für den Lesenden. Es verbleibt eine spannende, schaurige und hochinteressante Geschichte über die Natur, welche dem Menschen zeigt, wie wichtig sie für ihn ist. Dazu taucht in der Mitte der Geschichte ein Mädchen auf, welches sich nicht vom Kurent ängstigen lässt und ihm erklärt, wie sehr es die Kälte vermisst und wie sehr es das ständige Eisessen leid sei. Die Natur ist ein Weggefährte und kein Tier, welches sich einsperren lässt. Ich kann eine große Empfehlung aussprechen!Weitere rezensionen auf ajum.de