Als eine Luxus-Yacht explodiert, können sich nur wenige der Reisenden ins Rettungsboot retten. Aber ist dies wirklich die bessere Option? Die zehn Schiffbrüchigen dümpeln auf dem offenen Meer, warten vergeblich auf Hilfe und verlieren die Hoffnung. Als einer von ihnen in seiner Verzweiflung nach Gott ruft, taucht ein Mann aus dem Meer auf, der behauptet, Der Herr zu sein. An dieser Stelle war ich kurz davor, das Buch ob der befürchteten Blasphemie zuzuklappen. Die Gottesfürchtigen der Leserschaft sollten dies aber bitte nicht tun. Denn der Autor geht sehr behutsam, alltagstauglich und realistisch mit dem Thema Glauben um und räumt auf mit dem Vorwurf, der immer wieder gerne an Gott gerichtet wird. „Warum lässt du das zu?“ oder „Warum tust du nichts dagegen?“, wem sind bei Katastrophen solche Gedanken nicht selbst schon durch den Kopf gegangen. Aber so einfach ist das nicht....Mitch Albom enttäuscht mich auch mit diesem seiner Romane nicht. Er hat eine interessante, raffinierte, leicht phantastisch angehauchte Geschichte voller Wenden in Handlung und Gedanken aufgezogen, die er aus drei Perspektiven erzählt. So sitzen wir Leser ebenso im selben Boot wie die Schiffbrüchigen und erleben mit ihnen ein blaues Wunder, um es einmal so salopp zu formulieren. Ebenso finden wir ein Jahr nach dem Schiffsunglück das leider leere Rettungsboot und stellen entsprechende Nachforschungen an. Zudem erfahren wir aus einem Tagebuch eines der vermeintlich Geretteten – dieses stellt ein großartiges Bindeglied in mehrerlei Hinsicht dar – aus dessen Sicht, was sich an Bord des Rettungsbootes zugetragen hat.Diese eigenwillige Komposition verflechtet wunderbar Realität und Tatsachen sowie Hoffnungen und Möglichkeiten zu einem tiefsinnigen, großartigen Roman. Dabei rückt er das Bild Gottes, das im Laufe der Zeit von der modernen Menschheit immer mehr den eigenen Bedürfnissen entsprechend verzerrt und zunehmend mit Forderungen und Enttäuschungen behaftet wurde zurück ins richtige Licht, zumindest ist es das, was ich nach der Lektüre dieses Buches empfinde. Ebenso stellt er heraus, dass – egal, in welches Leben wir hineingeboren werden -, wir schließlich doch alle gleich sind. Denn ob Multimillionär und Besitzer der Luxusyacht oder Reinigungskraft derselben, im Rettungsboot wollen alle einfach nur leben.„Der Fremde aus dem Meer oder Die Macht des Glaubens“ ist keine leichte Kost, bietet aber neben einer packenden und gelungen eigenwilligen Story viele Aspekte, die zum darüber Nachdenken einladen.
Ich bin schon seit vielen vielen Jahren begeisterte Mitch Albom Leserin. Ich liebe den Ton den er anschlägt, die Emotionen die er weckt, aber vor allem hat mich noch jedes Buch mit neuen Denkansätzen und einem neuen Maß an Reflektion zurückgelassen.Auch in "Der Fremde aus dem Meer" vor dem ich als, nennen wir es religionsscheuer Mensch etwas skeptisch gestanden habe, ist es ihm gelungen eine nachdenkliche, aber vor allem auch spannende Geschichte zu schreiben, die zum Miträtseln einlädt.Mitch Albom entführt uns auf eine im Meer schwimmende Rettungsinsel, zusammen mit 10 Überlebenden, die gemeinsam eine Explosion auf einer Yacht überstanden haben. Einige Tage später fischen Sie aus den Fluten einen Mann, der von sich behauptet Gott zu sein. Was hat es mit dem Mann auf sich, ein Verrückter oder am Ende doch Gott? Und wie kam es zu der Explosion auf der Yacht? Sind Fragen die unsere Gruppe Überlebender nun begleiten, genauso wie der nackte Kampf ums Überleben auf See.Der Schreibstil von Mitch Albom lässt einen gewohnt durch die Seiten fliegen, das Buch ist als Tagebuch einer der Überlebenden verfasst und zwischendurch erhält man Einblicke in die Ermittlungen am Festland. Alles in allem gemütlich spannend, interessante Charakter Entwicklungen auf Grund der Notsituation und auch die Meinungen rund um die Authetizität von "Gott".Von mir eine Leseempfehlung für jeden der Spaß an nachdenklichen Büchern hat.