Seit Isabells Cousine, eine angesagte Schauspielerin in Fleury-sur-Azurain geheiratet hat, zieht das kleine, verträumte Städtchen im Périgord immer mehr Paare an, um sich ebenfalls dort trauen zu lassen. Das Geschäft mit den Gästen boomt, was den Bewohnern bis auf wenige Ausnahmen, wie der Landadelsfamilie Bricassart, die sich in ihrer Ruhe im Château auf dem Hügel über der Stadt gestört fühlt, willkommen ist. Die Engländerin Emily bekommt genau in diesem kleinen Ort überraschend von einer Tante ein altes heruntergekommmenes Manior vererbt, das sie am liebsten sofort wieder los werden würde. Doch eine wiederauflebende Freundschaft aus Jugendtagen mit Isabell, die die Papeterie am Ort innehat, lässt sie umdenken. Was hält Emily schließlich noch in England, ein Liebhaber, der sich nicht mehr meldet und ein wenig erfolgreicher Job als freie Journalistin ist auf jeden Fall kein Grund. Und so hat es die Daueroptimistin Isabell fast schon leicht, ihre Freundin davon zu überzeugen, dass das Manior ruck zuck ein bisschen aufgemöbelt werden und zur perfekten Location für den Hochzeitsboom werden könnte. Nach und nach verliebt auch Emily in die Idee ihrem Leben in einem mit viel Herzblut und besonderen Ideen eingerichteten Manior einen neuen Platz zu geben.Einmal den Entschluss gefasst, darf man nun die Fortschritte bei der Renovierung des Manior, ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Frauen mit viel Unterstützung aus dem Örtchen, was sich über ein Jahr und einen erheblichen Teil des Romans erstreckt, verfolgen. Zudem darf man sich mit Isabell verlieben, hat mit beiden Frauen Liebeskummer und erlebt mit ihnen Höhen und Tiefen in ihrer Freundschaft. Schließlich gilt es auch mit Emily darum zu bangen, ob ihr das Manior, nachdem sie es so liebevoll hergerichtet und zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat, wieder entrissen wird. Viel mehr will ich gar nicht verraten, Vielleicht noch, zudem erfährt man einiges über Hochzeitsbräuche, und darf die Vorbereitungen und das eine oder andere Fest zur Trauung in dem Örtchen miterleben.Die Autorin beschreibt sehr anschaulich. Ich konnte mir beim Hören prima die Gässchen in Fleury, die Zimmer im Manoir, die individuell und liebevoll nach historischen Paaren eingerichtet sind, oder, fast schon zu gut, die ganzen Köstlichkeiten, die bei Feiern und auch sonst auf den Tisch kommen, vorstellen und mich so ein wenig vor Ort träumen. Die Geschichte ist nett, vieles ist vorhersehbar, aber es gibt durchaus auch einige Überraschungen, zum Hören leichter Stoff. Auch wenn ich vielleicht mit finalen Wendungen nicht ganz so glücklich war, ich hatte eine schöne Hörauszeit im Périgord.Emily ist die überlegt handelnde, rationale, eher kühle unter den beiden Freundinnen. Isabell hingegen kann mit ihrem Optimismus, besonders zu Beginn, richtig anstecken, steht sich aber mit ihren manchmal überbordenden Gefühlen fast schon ein wenig selbst im Weg, vor allem was Liebesdinge betrifft. Sehr für sich einnehmen konnte mich der sympathische Koch Yves und entweder hat der seine Zeit als Womanizer schon hinter sich, oder Isabell übertreibt maßlos. Nicht so wirklich warm bin ich mit dem Sprössling der Adelsfamilie Jean-Luc geworden, und mit der Tatsache, dass er seinen Hund einfach so verschenkt, auch wenn der Empfänger sich vielleicht darüber freut, hat seine wenigen Sympathiepunkte dann eigentlich noch verspielt. Die Charaktere sind liebevoll erdacht, bunt zusammengestellt, allzu viel Tiefe darf man sich allerdings nicht erwarten.Sehr gut eingefangen hat die Autorin das Lokalkolorit. Der Zusammenhalt, der für einen solch kleinen Ort, in dem jeder jeden kennt, typisch ist, ist deutlich erlebbar. Die Abgeschiedenheit des Manoir, die schönen Gassen in Fleury, all das habe ich mir beim Hören traumhaft vorgestellt und die Tatsache, dass hier ganz oft die besten regionalen Köstlichkeiten serviert werden haben mich nicht nur einmal mit einem wässrigen Mund genau dort vor Ort wünschen lassen. Da kommen Urlaubsgefühle auf.Ein dickes Lob gebührt der tollen Sprecherin, die sicher einen besonders großen Teil dazu beigetragen hat, dass ich mich so vor Ort träumen konnte. Versiert liest sie die französischen Namen und Floskeln, fängt die französische Lebensart und das ganze Flair des verträumten kleinen Städtchens ein und damit gelingt es ihr ganz hervorragend ihre Hörer mit nach Fleury zu nehmen. Gut transportiert Hannah Baus bei ihrem Vortrag auch die Wesenszüge der unterschiedlichen Mitspieler.Alles in allem ein leichtes Hörbuch, mit dem man sich vor Ort träumen kann und wenn man nicht so viele Ansprüche stellt, kann man sicher eine schöne Auszeit in Fleury erleben.
Mit Jean Remy die „Rosen von Fleury“ zu entdecken, war nicht ganz so begeisternd wie gedacht. Auf stolzen 440 Seiten erzählt er eine Geschichte, die aus meiner Sicht hätte gestrafft werden müssen, um wirklich mitreißend zu sein. Dabei ist die Grundidee des Buches wirklich süß und erst recht die Aufmachung als Hardcover mit erhabenem Titeldruck und dem interessanten hinteren Umschlag! Schon das allein hat mich zunächst sehr für das Buch eingenommen. Es sieht etwas „anders“ aus, als man das von Romanen mit einer solchen „Wohlfühlgeschichte“ erwartet, denn üblicherweise werden diese ja eher als einfacher gestaltete Taschenbücher herausgebracht.Die Geschichte des Romans birgt zunächst einmal nichts Überraschendes – junge Frau erbt heruntergekommenes Haus in Frankreich, baut es zu einem Hotel um bzw. wieder auf und jemand versucht ihr dann das kleine Schmuckstück abspenstig zu machen. Ein typischer Frankreich-Wohlfühlroman also, der entspannte Lesestunden und viel französisches Lebensgefühl verspricht.Nun ja, für mich persönlich waren die Lesestunden dann etwas zu entspannt, denn in der ersten Hälfte des Buches passierte irgendwie nicht viel bzw. genau das, was der Titel ankündigt. Emily baut das heruntergekommene Manoir um und hat dabei nicht wirklich mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen. Sie findet sofort Freunde in der neuen Heimat, außer den etwas trägen Handwerkern (die aber letztlich gute Arbeit abliefern) macht ihr keiner das Leben schwer… die Geschichte plätschert vor sich hin und bietet dadurch wenig Spannung. Hinzu kommen die – aus meiner Sicht etwas unglücklichen – Kapitelüberschriften, die im Grunde die Handlung vorwegnehmen. Sie sollten sicherlich als „Teaser“ dienen und neugierig auf das Kapitel machen, aber dafür verraten sie zu viel und sind zu wenig pointiert.Fleury ist aber ein wirklich hübsches Städtchen und die Idee, daraus eine „Hochzeitsstadt“ zu machen und Touristen anzulocken, hat viel Potential. Dieses wird allerdings in der Handlung des Romans für meine Begriffe zu wenig ausgeschöpft. In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann um die von der lokalen Adelsfamilie angemeldeten Besitzansprüche. Hier kam endlich Spannung auf! Dass Emily ihr mit viel Liebe und hohen Kosten restauriertes Hotel gleich wieder verlieren sollte, ist eine Ungerechtigkeit, bei der der Leser mitfühlt und mitfiebert.Ich denke ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es schlussendlich doch noch ein Happy End für Emily und ihr Hotel gibt. Der große Knaller ist die Auflösung jedoch nicht. Ich war eher ein wenig ernüchtert (aber ich möchte nicht zu viel verraten).Insgesamt war es für mich also ein etwas zwiegespaltenes Lesevergnügen. Ein wunderschönes Setting im dem wirklich pittoresken Fleury, ein toll aufgemachtes Buch, das man gern in den Händen hält – aber für meine Begriffe leider etwas verschenktes Potential bei der Umsetzung, die ein wenig zu lang und zu emotionslos rüberkam und wenig frische Ideen beinhaltete. Sicher ein nettes Buch zum Entspannen für Gelegenheitsleser, aber so richtig versinken kann man in dieser Geschichte leider nicht.