„[…] Im Sinne von diesem inneren Lehrverständnis kann man einem Menschen nichts bei-bringen, sondern etwas nahe-bringen.“ (S. 22)Martin Kramer ist Vater, Theaterpädagoge, Didaktiker mit Schwerpunkt im Bereich der Mathematik, Lehrender, Kommunikationspsychologe, Künstler. Aus diesem bunten „Potpourri“ heraus entstand die Lektüre „Unterricht als Kunstwerk“. Sein Zugang, eigentlich ein klarer und, legt man es auf viele Lehrveranstaltungen und Umsetzungen um, doch nicht klarer: das Lernen und die Menschen stehen im Mittelpunkt, niemals das Lernen mit Unterstützung durch digitale Gerätschaften. Kramer vermittelt etwas Wichtiges, etwas, dass viele uns – glaube ich – manchmal vergessen: Lernende müssen Dinge erleben (können); sie fühlen, sie denken können. Nicht eingetrichtert über Power-Point, Videos, Flip-Charts, Mural oder andere Medien. Bezugnehmend darauf stellt er unterschiedliche Bezüge zwischen Kunst und didaktischem Zugang her. Dies untermauert er anhand von Beispielen und eigenen Zeichnungen und Abbildungen. Gut gefallen hat mir hier bspw. der Vergleich mit einem Arzt: von welchem*welcher Chirurg*in würde ich mich lieber operieren lassen: jemand, der einen Knochenbruch auf einem Bild gesehen hat oder einer Person, die in der Lage ist, diesen Knochen selbst auch auf ein Blatt Papier zu bringen?Zu Beginn der Lektüre saß ich mit großen Augen da und dachte mir so für mich „AHA, NÖ“. Doch je mehr ich gelesen habe, desto logischer erscheint mir dieser Zugang (auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich es künftig in meine Lehre integrieren kann). Den Studierenden Inhalte künstlerischer, abstrakter „näher-zu-bringen“. Mit Rollenspielen oder Konfliktgesprächen, lassen sich Dinge – in meinem Kontext – natürlich erleben und fühlen. Wie ist es aber mit anderen Inhalten? Da muss ich definitiv noch mehr in mich gehen und offener sein, einen Perspektivenwechsel zulassen.Was mir auch sehr gut gefiel ist der Ansatz des Dreischritts: Anfangen – Erkennen – Beziehung. Ein Ansatz, der dringend angedacht und umgesetzt gehört.„Im Skizzenbuch, im Schülerheft, geht es um die ernsthafte Leichtigkeit des Schaffens. Wer Angst vor Fehlern hat, der macht am Ende gar nichts.“ (S. 33)Eine Lektüre, die uns einlädt unsere grauen Zellen bzw. unseren Zugang zu Lehre/Unterricht zu überdenken und „das Gelernte“ im Zuge der Didaktik, auch zu überdenken, um davon wegzukommen, dass wir nur mehr Nachahmer*innen produzieren, sondern wieder mehr selbstdenken Menschen. Und, bewusst daran zu arbeiten (sofern möglich), wieder mehr in eine Autonomie von Lehr- und Lernprozessen zu gelangen, wieder mehr in ein „selbst TUN“, als in ein berieseln lassen (aufgrund von Digitalisierung und Medien). Menschen sind keine Maschinen – wir sollten uns darauf wieder besinnen!