★★★★★
k.A.
31.05.2026
ean-shopping.de
Gut!
Der bereits vor den Tudorbüchern von Mantel verfasste Roman über die französische Revolution bietet ein umfassendes Bild der entscheidenden Jahre aus Sicht von 3 Hauptakteuren. Dieser persönliche Ansatz macht die Geschichte lebendig ohne die historischen Ereignisse und ihre Ursachen zu vernachlässigen.Wer bereits die Bücher "Wölfe" und "Falken" gelesen hat, wird am Anfang etwa verwirrt sein, weil diese viel geradliniger und konzentriert wirken. Das Buch setzt in der Kindheit der späteren Jakobiner Desmoulins, Danton und Robespierre ein und von Anfang an stellt Mantel eine große Menge von Figuren aber auch von Ideen und Theorien auf die Bühne. Die Handlung wirkt dadurch sehr unruhig, wie ausgefranst. Und Mantel verstärkt das durch Ansätze von Collagen im Text, bei denen Originalzitate aus Briefen und Pamphleten, aber auch Dialoge in die Handlung integriert werden. Die Autorin selbst sagt im Vorwort, dass sie das Buch heute anders schreiben würde. Allerdings finde ich, dass dieser unruhige Stil gut zum Thema passt. Er macht deutlich, dass hier Männer in der besten Absicht ins Verderben laufen, weil die tatsächlichen Entwicklungen zu schnell sind und zu verwirrend, als dass überlegte Entscheidungen gefällt werden könnten. Politische Ideen, unausgereift und idealistisch, die Freundschaft der Männer, private Probleme und die sich überstürzende Ereignissen auf der Straße stürzen auf die Revolutionäre ein und treiben sie auf das eigene Verderben zu. Mantel schildert das lebendig, in fiktionalen Szenen, die aber immer der dokumentierten Geschichte folgen. Dabei werden auch die gesellschaftlichen und politischen Ideen vorgestellt, wobei deutlich wird, dass die Revolution zumindest am Anfang keine konkrete Vorstellung von ihrem Ziel hatte. Die idealistischen Ideen der Republik der Tugend konnte diese Lücke nicht füllen, sondern führte in einer schrecklichen Verkehrung in den Terror. Wirklich meisterhaft gelingt es der Autorin darin die persönlichen Beziehungen der drei Hauptfiguren einzuweben. Man fühlt mit und leidet oder freut sich mit ihnen und es wird klar, dass Menschen Geschichte bestimmen mit all ihren Traumata, Emotionen und Zwängen. Mantel heißt sicher nicht alles gut, was die Figuren taten, aber sie begegnet ihnen mit Offenheit und einer gewissen Grundsympathie.Mantel schafft es von der aufgeladenen Atmosphäre in Paris ein ebenso faszinierendes Bild zu zeichnen wie von der besonderen Beziehung, die drei so unterschiedliche Männer verbindet. Besonders hoch anzurechnen ist der Autorin, dass Theorien und historische Fakten Menschen zugeordnet werden. Wer allerdings kein Grundwissen über die Revolution hat, wird zumindest am Anfang mit dem Buch zu kämpfen haben.
★★★★★
Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek
03.10.2023
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Ich habe jetzt drei Werke der Autorin gelesen Wölfe, Falken und Brüder. Ich erlaube mir ein Ranking aufzustellen: 1. Wölfe, 2. Brüder, 3.Falken. Wölfe und Falken spielen am Hofe Heinrich des XIII., Brüder beleuchten die Geschehnisse der französischen Revolution. Wölfe hat mich fasziniert, Falken im Prinzip auch, ist m.E. aber etwas "lässig" geschrieben. Grundsätzlich allen gemeinsam ist der personengetriebene Erzählstil der Autorin. So etwas habe in dieser perfekten Form in dem Genre des historischen Romans noch nie gelesen. Frau Mantel haucht den Protagonisten durch ihre Erzählkunst Leben ein. Die Personen gestalten dann die Ereignisse. Die Protagonisten sind natürlich Robespierre, Danton und der weniger bekannte Camille Desmoulins. Dazu gehören noch deren Frauen, Geliebte und sonstige Verwandte. Da der Roman von der Charakterisierung und den Dialogen der Hauptpersonen lebt, beginnt Frau Mantel ihren Roman nicht mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 sondern schon wesentlich früher, indem sie das Leben der Hauptpersonen darstellt.Das Drama der Revolution ergibt dann ein Werk von 1100 Seiten. Das ist schon anstrengend und verlangt Durchhaltevermögen, da manche Einzelheiten vielleicht etwas zu exzessiv dargestellt werden. Die brisanten außenpolitischen Geschehnisse bleiben etwas im Hintergrund. Denn diese Revolution war mitnichten eine innere französische. Sie löste einen Flächenbrand aus, der ganz Europa erfasste. Denn das vergossene Blut der französischen Majestäten, löste in Europas Königshäusern eine gewaltige Empörung aus. Die Revolution war also nicht nur von innen, z.B. durch die Royalisten, sondern auch von außen bedroht.Das Buch ist ein gewaltiges Epos einer blutigen Epoche, die nicht nur ein kurze Episode der Geschichte darstellt, sondern deren Ideen und Visionen auch heute noch ihre Strahlkraft besitzen. Spannend, unterhaltsam einfach gekonnt.
Dieses Fabelwerk von Hörspiel bringt uns eines der folgenreichsten Ereignisse der Neuzeit aus speziellem Blickwinkel nahe. Nicht die bibliotheksfüllenden Reflexionen zu den Voraussetzungen, nicht der äußerst komplexe Verlauf und sowieso nicht die Abwicklung der Revolution- nein, die Lebenslinien dreier ihrer bekanntesten Protagonisten, Danton, Robbespierre und Desmoulins, sind Inhalt dieses Werks. Wir begleiten sie, beginnend mit der Schilderung ihrer Kindheit bis hin zu ihrem Zusammentreffen im vorrevolutionären Paris. Wir begleiten sie beim Lieben, bei ihren Ehen, ihren Intrigen, verstehen mehr von ihren Verdiensten und fühlen ihre Widersprüche. Wir begleiten sie auf ihrem Gang zum Schafott, spüren, wie der jungen Republik für diesen Moment der Atem stockt. Packend!Parallel zu seinem Fortschreiten offenbart das Hörwerk aber auch die Schwäche des zugrunde liegenden Romans von Hilary Mantel: Die Autorin will alles erzählen, und sie will zuviel. So entfaltet sich von CD zu CD ein immer weiter anschwellender Ozean an Stimmen, auf Kosten des Überblicks, es stellte sich deshalb -zumindest bei mir- ein wachsendes und leider bleibendes Gefühl der Übersättigung ein.Die Sprecher(innen)? Ganz großartig, einfach alle! Für mich trotzdem herausragend Matthias Bundschuh, der den erwachsenen Camille Desmoulins gibt. Nicht nur sein Stottern, auch eine bemerkenswerte Aura von Furor und Verletzlichkeit machten mir das Zuhören unvergesslich...keine einfache Sache also, viel Licht, ein wenig Schatten aber auch!