Jetzt habe ich alle drei Bücher dieser Reihe gelesen und habe sie verschlungen.Es ist wahrscheinlich gut, diese drei Bücher nacheinander zu lesen, sie bauen aufeinander auf und spielen in der Nachkriegszeit 1947 bis 1948.Das Buch (und auch seine Vorgänger) liest sich so gut und ist so spannend, dass man so wunderbar einfach die Nachkriegszeit erleben kann. Das ist viel mehr wert als nur Geschichtsbücher lesen. In Buch 1 (Trümmermörder) habe ich im eisigen Winter bei -20 bis -10 Grad irgendwie mitgefroren, im Band 2 mit seinem heißen Sommer gedanklich mitgeschwitzt, gedurstet und gehungert. In allen Bänden merkt man intensiv, wie elementar das Leben sein kann: was ist man bereit alles für ein Pfund Butter zu geben. Wie man von einem ordentlichen Paar Schuhe träumen kann. Wie glücklich ein neues Fahrrad machen kann.Die Zeit ist "erst" 65 Jahre her und sie kommt mir so fern vor. Ich sitze hier in meiner beheizten Wohnung, kann den Wasserhahn aufdrehen kann, wenn ich Durst habe. Im Winter ziehe ich einfach eine Daunenjacke und gefütterte Winterstiefel an, wenn ich friere und finde -10 Grad trotzdem eiskalt.Diese Buchreihe erzählt auch über Freundschaft, Toleranz und Menschlichkeit. In einer Zeit, in der man so wenig hat, die von Kriegsgewinnern und -verlierern gekennzeichnet ist und die von anderen Moralvorstellungen geprägt ist.Er interessiert sich als Polizist nicht nur für Regeln und Gesetze, sondern hinterfragt, was er tut und handelt so. Sein bester Freund ist der englische Lieutenant MacDonald, wie schön, wenn der Mensch mehr zählt als Nationalitäten und Vorurteile. Und als Freund kann man auf ihn zählen, dass ist spätestens seit Buch 2 klar.Und Stave ist ein überaus menschlicher Held, in seinem Job ist er super, prinzipiell klappt aber privat nicht alles (sofort) so, wie er es sich wünscht.Ich werde Stave & Co vermissen. Dieses Buch hier beginnt mit einer Widmung, die ich so deute, dass die Reihe mit diesen drei Büchern abgeschlossen ist.Super finde ich übrigens, dass Herr Rademacher am Schluss noch beschreibt, was in diesem Buch alles Fiktion und was alles echte Begebenheit ist.Bücher lesen ist ja oft wie eine Reise in eine andere Welt. Letztens habe ich noch einen Krimi, der in Thailand spielte, gelesen. Manchmal ist es eine Exkursion in andere Gesellschaftsschichten. Und in diesem eine Reise in Vergangenheit.Ich bin dankbar für alle diese Reisen, das ist das wunderbare am Lesen. Das bildet. Nicht immer nur an Wissen sondern auch an Begegnungen mit Menschen, die es zwar nicht exakt so gab/gibt. Trotzdem ist es so.
Gleich vorab: Dieses Buch ist der dritte Teil einer Krimireihe, welche neben diesem auch die beiden Vorgänger Der Trümmermörder und Der Schieber umfasst. Aus meiner Sicht ist es, wie bei vielen Krimireihen, von großem Vorteil, zuvor die anderen beiden Geschichten gelesen zu haben, bevor man sich diesem Teil zuwendet!Doch nun zu diesem Krimi (Anm. d. Bloggers: Am Ende ist doch mehr eine Kritik über die Krimireihe geworden). Ich muss dazu sagen, dass es meine erste richtige Krimireihe ist, die ich lese, ich also noch keine wirkliche Erfahrung darin habe, sofern man hierbei überhaupt von "Erfahrung" sprechen kann. Ich bin auf diese Reihe im Zuge der alljährlich wiederkehrenden Weihnachtsaktion von Amazon gestoßen, die auch im vergangenen Jahr wieder das eine oder andere Buch in der eBook-Variante kostenlos angeboten haben, darunter auch Der Trümmermörder. Man lädt sich als Leseratte natürlich bei einem solchen Angebot ein Buch erst einmal herunter, egal, ob einem der Klappentext nun zusagt, oder nicht. Bis heute ist Der Trümmermörder das einzige unter seinen Kollegen, welches ich tatsächlich gelesen habe - und ich war absolut angetan von der Idee, einen vom Plot her nicht wirklich neuartigen Kriminalroman in den Rahmen Hamburg-in-der-Nachkriegszeit zu packen, was dieser Reihe eine düstere und beklemmende Grundatmosphäre verleiht und ihr eine historische Komponente aufträgt. Cay Rademacher ist dabei prädestiniert dafür, einen Kriminalroman in einem solchen Umfeld spielen zu lassen, hat er selbst doch Alte Geschichte und Philosophie studiert und die GEO Epoche mit aufgebaut.Entstanden ist eine Krimireihe, die sowohl den Hunger der Genre-Fans stillt, als auch die geschichtshungrigen Leser unter uns nicht im Stich lässt. Bei den Fällen versucht sich der Autor an reale Vorgaben zu halten, ohne dabei auf seine künstlerischen Freiheiten als Schriftsteller zu verzichten. Vielmehr bilden die wahren historischen Ereignisse die Grundlage, auf der Cay Rademacher seine Krimis aufbaut, um diese dann auszuschmücken. So sind es viele Kleinigkeiten, die in den Geschichten lediglich erwähnt oder anderweitig in die Geschehnisse eingebaut werden, die diese Romane so real und greifbar werden lassen. Dazu beitragen tun auch die authentischen und detaillierten Beschreibungen des von den Alliierten zerbombten Hamburgs, die man sich besonders als ein in der Nähe von Hamburg wohnender Bücherwurm gut vorstellen kann und einen mit dem Oberinspektor Frank Stave durch die zerstörte Stadt gehen lässt.Allerdings muss ich sagen, dass mit Der Fälscher der bislang schwächste Teil der Serie erschienen ist. Cay Rademacher schafft es diesmal nicht wirklich, Schwung in die Geschichte zu bringen, was ihm in den beiden Vorgängern noch so gut gelungen ist. Dies liegt vermutlich auch daran, dass er Stave gleich zu Beginn der Geschichte von der Mordkommission in das Chefamt S wechseln lässt, trotzdem hätte man die eine oder andere Szene spannender machen können. Unabhängig davon werden außerhalb des zu lösenden Kriminalfalls einige wichtige Fragen zu einigen wichtigen Charakteren der Reihe geklärt und auch die atmosphärische Komponente ist dem Autor aufs Neue vortrefflich gelungen.Für Fans dieser Reihe, zu welchen ich mich selbst zähle, gilt daher eine klare Lesepflicht. Allen anderen lege ich die Lektüre von Der Trümmermörder nahe.