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Marco Bowie-Gallagher
15.09.2023
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"Eine weise Redensart besagt: Ein echter Gentlemans spricht niemals über Frauen, von denen er sich getrennt hat, oder darüber, wie viel Steuern er zahlt. Nein, eine solche Redensart existiert nicht. Pardon, ich habe sie erfunden. Gäbe es sie, müsste es ein weiteres Kriterium für einen Gentleman sein, über das zu schweigen, was er für seine Gesundheit tut, und sich nicht darüber zu verbreiten, wie er sich fit hält. Zumindest sehe ich das so".Mit diesen Worten beginnt "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" von Haruki Murakami. Danach attestiert er sich, kein Gentleman zu sein. Aber Murakami schreibt auch tatsächlich nicht detailliert über Trainingmethoden, Trainingspläne oder Sportlernahrung, er schreibt einfach wie ein Schriftsteller.Und während Leute wie Hubertus Beck oder Herbert Steffny durch ihre Bücher eine Art Laufpäpste für ambitionierte Amateursportler sind, so schreibt Murakami das Buch, das auch der Hobbyläufer gerne liest.Bei Murakami geht es nicht um Leistung, sondern einen Sport der Spaß macht und die schönen Dinge drumherum. Natürlich auch um die Freude immer wieder den inneren Schweinehund zu bekämpfen, aber nicht als Leistungswettbewerb, sondern für eigene, realistisch gesetzte Ziele."Heute Morgen bin ich eine Stunde und fünfzehn Minuten gelaufen, dabei habe ich auf meinem MD-Spieler Carla Thomas und Otis Redding gehört. Am Nachmittag bin ich 1300 Meter im Pool geschwommen, abends im Meer. Danach aß ich im Restaurant Dolphin, das ein bisschen außerhalb von Hanalei liegt, zu Abend. Dort gibt es Walu, einen weißen Fisch, den sie auf Holzkohle für mich grillen und den ich mit Sojasoße esse. Als Beilage gab es Gemüse-Kebab und einen großen Salat. Dazu trink ich ein Bier"Solche Zeilen liest man, wenn Murakami ein Buch über den Laufsport schreibt. Ähnliche Zeilen würden wohl auch bei mir stehen, wenn ich ein Lauftagebuch führen würde. Er schreibt über die Musik, die er hört, Bücher, die er liebt, Essen, das er mag und über den Sport. Wahrscheinlich ist es auch das erste Laufbuch von jemandem, der auch eine lyrische Ader hat. Und da kommt heutzutage an Murakami kaum noch Jemand heran. Das Einzige was mir etwas zu kurz kommt, ist die landschaftliche Beschreibung. Ich bin ja der Typ, der Stadtmarathons nicht mag und sich Veranstaltungen nach dieser Betrachtung aussucht. Aber ansonsten bin ich wohl Murakami.Interessant auch wie er über Laufen im Alter schreibt. Irgendwann kommt halt der Moment, da kann man auch seine eigenen Bestmarken nicht mehr übertrumpfen. Das die zu akzeptieren anfänglich ein Kampf ist, verheimlicht Murakami nicht. Dennoch bleibt er stets ein Mensch mit positiver Energie. Davon werde ich hoffentlich auch Lehren ziehen könne.Nebenbei schreibt er an wenigen Stellen noch über den Triathlon, stilistisch macht er dabei aber keinen Unterschied.Ein herrliches Buch von einem Autor mit dessen Lebenseinstellung ich mich bestens identifizieren kann.Daher wünsche ich Herrn Murakami viel Spaß am Hobby, Erfolg mit weiteren Romanen und natürlich Glück und Gesundheit
Ich will in meiner Rezension darstellen, warum ein Leser, der mit dem Laufen beginnen will und vielleicht auch beabsichtigt für einen Marathon zu trainieren, dieses Buch auf keinen Fall lesen sollte. Abgesehen davon erachte ich es auch hinsichtlich seines poetischen Wertes als äußerst dürftig. Außerdem verlangt es mich, das falsche Bild klarzustellen, das der Autor vom Marathon-Lauf entwickelt. Von dem scheint er nämlich nicht die geringste Ahnung zu haben. Es darf nicht sein, dass dieser Mann, diesen wunderbaren Sport, der Marathon-Laufen sein kann, derart in den Dreck zieht, dass sich jeder Leser, insbesondere wenn er wie ich selbst Marathon läuft, unweigerlich vor allen Marathon-Läufern ekeln muss. Offenkundig hat der Autor bei dem einen oder anderen Lauf in sengender Hitze schrittweise seine geistige Zurechnungsfähigkeit verloren, weiß nicht was er tut und sollte vor sich selbst geschützt werden. Sollte er tatsächlich aus dem Laufen auch schriftstellerische Inspiration erhalten, wie er vorgibt, dann kann der geistige Wert seiner Schriften wohl kaum philosophisches Niveau erreicht haben. Ich nehme an, dass es sich bei seinen Romanen um Kriegserverherrlichungen handeln muss.Ich bin schon einige Marathons gelaufen, jedes Jahr einen. Ich gebe wohl ehrlich zu, dass ich noch keinen Marathon in 3:30 h gelaufen bin, wohl aber schon deutlich unter 4h. Das reicht mir auch, weil es nämlich genau das ist, was ich bequem zu leisten im Stande bin. Das was ich am allerwenigsten benötige, um nämlich einen Marathon zu laufen, das ist eine Uhr. Von daher laufe ich einen Marathon auch immer ohne ein solches Messinstrument, genauso wie übrigens auch ohne MP3-Player, Smartphone, Energieriegel oder Pulszähler. Es ist mir unverständlich wie ein Läufer unter der Enge eines MP3-Geräusch-Pegels laufen kann. Offenkundig hat der Author das Laufen nicht im Blut und muss wie ein Galeren-Sträfling durch Hammer - und Peitscheschläge angetrieben werden. Das Laufen entspricht ganz im Gegensatz zu seiner eigenen Einschätzung nicht seinem Wesen.Ich selbst fühle beim Laufen die Bewegung in mir und an mir und ich kann ganz genau spüren, wenn ich einen Grad der körperlichen Belastung erreiche, da mein Körper die Bewegung von ganz alleine vollzieht, meine Atmung ganz ruhig wird, meine Beine ganz leicht, meine Muskulator ganz locker und ich mich der Bewegung anvertrauen kann, die auch meinen Geist und mein Denken erfasst. Im Gegensatz zum Author denke ich nämlich beim Laufen und bleibe meiner selbst bewusst, insofern ich nämlich geistig nicht weggetrete und Herr meiner Sinne bleibe. Ich vermag beim Laufen solche Dinge zu erfassen, denen ich in Ruhe nicht einmal begegne. Ich glaube ein echter Marathon-Läufer muss ein sehr sensibles Gespür haben oder sollte ein solches zumindest im Gleichklang mit seinem Training entwickeln. Wenn ein Läufer sich darauf einlässt, dann geschieht das übrigens von ganz alleine, aber natürlich nicht dann, wenn er der einzige Sinn seines Tuns darin besteht Schmerzen zu ertragen.Ein echter Marathon-Läufer begegnet seiner Umwelt auch mit Respekt, flucht nicht und macht sie auch nicht zum Objekt seiner Wut. Auch ich habe eine Strecke, da muss ich acht Runden laufen um 36 km zu erreichen, auch wenn ich nicht wie der Autor um den Kaiserpalast laufe. Aber viel wichtiger als dieser Palast ist dieser Hügel, den ich acht mal hoch laufen will. Beim ersten mal ist es noch ganz leicht, beim letzten Mal nicht mehr ganz so. Doch jedes Mal habe ich Respekt vor dem Hügel und bin nicht wütend oder genervt, dass ich diesen Hügel hochlaufen muss. Es ist eine Ehre, die mir dieser Hügel erweist, wenn ich ihn auch ein achtes Mal hochlaufen darf und sollte ich an seiner höchsten Stelle, dort wo er noch einmal steiler wird, irgendeinen Schmerz verspüren, dann habe ich etwas falsch gemacht und habe es eigentlich gar nicht verdient, diesen Hügel laufen zu dürfen. Ein echter Marathonläufer wird zu einem Teil seiner Umgebung.Ich glaube auch nicht, dass ein Mensch von sich behaupten kann, er wäre einen Marathon gelaufen, wenn er sich so wie Haruki Murukami dem Diktat der Zeit unterwirft. Ein echter Marathon-Läufer wird meines Erachtens auch niemals etwas erzwingen wollen. Das entspricht nicht dem Wesen des Marathon-Laufes. Ein echter Marathon-Läufer kommt nicht zum Ziel, weil er sich dorthin bewegt, sondern weil er gelernt hat, Dinge geduldig auf sich zukommen zu lassen. Weil der Author aber von Anfang an auf das Ziel fokusiert ist, hat er dieses, das ist meine persönliche Meinung, wohl noch nie erreicht. Was er kennen gelernt hat, das sind Schmerzen und Wut und die angebliche Option des Leidens, ohne die man einen Marathon mutmaßlich nicht laufen kann. Was er nicht hat, dass ist eine nachhaltige Einstellung gegnüber sich selbst. Er wird wohl einen Marathon in 3:30 laufen können, mehr aber nicht. 3:30 h, 2:45 h, 3:15 h, das ist für ihn Marathon: Zeit, und dass er gegen sich selbst anlaufen müsse, sich selbst zum Feind hat . Der Autor läuft nicht Marathon, sondern er läuft vor sich selbst weg. Ein echter Marathon-Läufer hingegen wird iregndwann während eines solchen Laufes sich selbst begegenen. Das ist das wahre Ziel!Da ist diese Stelle, wo er sich mit einem Krampf in das Ziel schleppt, während seine Digital-Uhr erbarmungslos weiterläuft. Es sei für ihn stets eine Frage der Ehre gewesen, das Ziel zu erreichen und er müsse dieses erreichen, selbst wenn er ins Ziel kriechen müsste. Ich bin noch nie einen Marathon gehumpelt. Ich habe aber schon zwei Marathons abgebrochen bevor ich akuten körperlichen Einschränkungen ausgesetzt war, und zwar deshalb, weil ich spürrte, dass ich meinem Körper zu viel abverlangen würde und das Ziel nicht in einem ästhetischen Einklang von Körper und Geist würde erreichen können. Im Nachhinein bin ich auf diese Läufe, die ich tatsächlich noch als Läufe auffasse, besonders stolz und habe dabei viel über den Marathon gelernt und über die Einsamkeit des Langstreckenläufers, die nämlich ein Teil seiner Freiheit ist. Teil dieser Freiheit ist aber auch der Wille einfach aufzuhören. Ich wollte auch gar nicht in das Ziel humpeln, aus Achtung und Respekt vor dem Sport, den ich selbst ausübe und den ich auch mit einer gewissen Ästehtik veräußern will, und auch aus Respekt vor den Zuschauern, die an der Strecke stehen, mir zurufen und mir zureden.Beim Marathon ist übrigens der Weg das Ziel. Das kann dann natürlich nicht die richtige Sportart für einen Menschen sein, der von vorne herein nur das Ziel im Blick hat und der bestrebt ist, sein Leben einer festen täglichen Ordnung zu unterwerfen. Ein echter Marathon-Läufer unterwirft sich niemals irgendeiner Ordnung.Mir ist auch unbegreiflich, wie ein Mensch so wenig Respekt vor seinem eigenen Körper und also vor einem Teil seiner selbst haben kann, dass er nämlich diesen Körper stets wie einen störrischen Esel an seine Grenzen treiben muss und sogar seine Muskeln schlägt, wenn sie sich verhärten. Es wundert mich auch nicht, dass die sich bei den Trainingsmethoden des Authors verhärten. Auch wenn der Author das nicht glauben mag, so benötigen der Körper und die Muskeln selbstverständlich Regenaration und auch Zeit, um nämlich die Akzente, die man im Training gesetzt hat, aufzunehmen. Vorbereitung, Durchführung, Nachbearbeitung, so halte ich es. Ich laufe beispielweise sehr langsame Ausdauerläufe über 3 bis 4 Stunden um den aeroben Stoffwechsel zu trainieren, der das Fundament eines jeden Marathonläufers darstellt. Dieser Stoffwechsel muss sitzen. Ich könnte wohl am nächsten Tag wieder laufen, weil nämlich echte Marathon-Läufer achtsam sind und acht geben, dass sich nämlich die Muskeln nicht verhärten und auch nicht verspannen. Der Author wird es kaum glauben, aber nach einem oder zwei Tagen Regeneration müssen die Muskeln gar nicht mit Stockschlägen angetrieben werden, sondern die Laufschuhe ziehen sich fast von alleine an ...Marathon geht ganz anders. Was der Author übers Laufen zu sagen hat, wenn er über das Laufen redet, ist das Papier nicht wert, darauf es geschrieben ist ... er redet gar nicht über das Laufen, sondern über Sadismus.Wenn sich aber Jemand ein Bild von einem echten Marathon-Läufer machen will, dann empfehle ich ihm : E. Hemmingway: Der alte Mann und das Meer.