Bücher zum Thema "Ernährung" gibt es mittlerweile viele, und ich habe schon einiges dazu gelesen, aber ich bin immer auf der Suche nach aktuellen, praktikablen "Lösungen" für den Alltag, um den bekannten Zivilisations-Risiken zu entgehen. So war ich sehr gespannt auf dieses Buch "Ernährung, die uns schützt: Das Programm gegen die größten Krankheitsursachen", geschrieben von Dorothea Portius. Diese ist von Hause aus Ernährungswissenschaftlerin, und, wenn ich das richtig erkundet habe, derzeit Vertretungsprofessorin an einer Art Privatuni. Sie ist u.a. als Ernährungsberaterin in Privatpraxis tätig.Mich hat das Herauskehren des Professoren-Titels auf dem Buchtitel im Nachhinein etwas erstaunt, weil ich natürlich erwartet hatte, dass es sich um im eine klassische Professur mit Habilitation und einer langen Publikationsliste handelt - naja, um es mal anders auszudrücken: dass es sich um jemanden handelt, der eine richtiggehende wissenschaftliche "Kapazität" in dem Fachgebiet ist. Mein persönlicher Erwartungshorizont wäre dann, deswegen erwähne ich diesen Punkt überhaupt so ausführlich, dass ganz eigene Ansätze und Erkenntnisse verfolgt werden, die sich vielleicht aus eben der eigenen, sehr vertieften wissenschaftlichen Forschung ableiten. "Was Neues halt", im Bereich Ernährung. Dies soll natürlich die Kompetenzen der Professorin nicht schmälern - in dem Buch spiegelt sich ihre persönliche Art äußerst sympathisch wider, und man fühlt sich von ihrer Person sehr positiv "animiert", sich um das Thema Ernährung zu kümmern.Soweit ich es als sehr ernährungsinteressierter Laie hoffentlich richtig nachvollziehe, stellt Fr. Portius die Konzepte der guten Ernährung dar, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten als fortschrittlich etabliert haben: z.B. Kampf gegen die Volkskrankheit Insulinresistenz mit dem Weglassen von Zucker & Co., das Achten auf Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren (oder ausgeglichener Haushalt der Fettsäuren), Ausgleich Mikrobiom etc., und allgemein, als Haupt-Konzept, die sogenannte "GlykLich"-Diät - eine Art Low-Carb-Konzept mit niedrigem glykämischen Index.Der "Theorie"-Teil ist aus meiner Sicht gelungen, zumal die verschiedenen Umstände - wie z.B. versteckter Zucker in Getränken, Fertiggerichten, oder der Mangel an Ballaststoffen, griffig dargestellt werden. Das Buch eignet sich besonders für Einsteiger, die sich zum ersten Mal intensiver mit Ernährung befassen wollen. Für mich persönlich war jetzt nicht viel Neues dabei, aber das möchte ich mal außen vor lassen.Der mittlere Teil besteht aus dem "Glyklich"-Programm, nebst den Vorschlägen für bestimmte Erkrankungen. Gerade bei dem Teil war ich sehr enttäuscht, denn es handelt sich um insgesamt sechs Erkrankungskreise, wobei einer das PCO-Syndrom ist, was sich ja im Prinzip beim Prädiabetes anreiht, und mit diesem abgehandelt werden könnte. Die Vorschläge sind zum Teil völlig unrealistisch und aus meiner Sicht fragwürdig - wie z.B. vier Mal pro Woche Fisch zu essen (wegen der Omega-3-Fettsäuren). Hier würde ich schon die Schwermetallbelastungen (Quecksilber) bzw. sonstige Belastungen (Ethoxyquin bei Lachs) in der Summe fürchten, nebst der Tatsache, dass so ein Essverhalten nicht überall zweckmäßig und nachhaltig ist.Die "GlykLich"-Rezepte im letzten Teil - rund 60 Stück - finde ich leider auch z.T. ziemrlich abgehoben, und z.B. für einen Haushalt mit hungrigen Männern wenig adäquat. Es sind viele Rezepte mit süßlichen Geschmackskomponenten dabei, wie Kürbis, Süßkartoffeln, Rote Beete, und die Rezepte erscheinen mir für eine Alltagsküche zu exotisch, zu weit weg davon, was man sonst so einkauft und isst. Nicht, dass ich mich gegenüber Neuerungen sperren würde, aber hier ist halt der Tick zu viel, was die Ideen angeht, die Alltagtauglichkeit fehlt. Natürlich ist gegeben, dass die Rezepte das Ernährungskonzept mit den vielen Benefits voll berücksichtigen - das muss man dem Rezeptteil zugute halten.Fazit: Ich bin etwas hin- und hergerissen - es ist ein toll aufgemachtes Buch mit viel fundiertem Wissen. Der eigentliche Ernährungsteil hat mir wie beschrieben nicht so zugesagt, deshalb lande ich schlussendlich bei den vier Sternen.