★★★★★
k.A.
03.07.2026
ean-shopping.de
Das Hörbuch ist inhaltlich sehr interessant und gut erzählt, allerdings empfand ich die Produktion als etwas weniger aufwendig als erwartet.
★★★★★
veronika_van_den_bruck
02.05.2024
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wer Jurek Beckers Erzählungen kennt und die feine Analyse der Zerstörung des Privaten in einem totalitären Regime verstanden hat, der fasst diesen Roman als das auf, was er ist. Eine kolossale Kritik an den Verhältnissen in der DDR.Angst besetzte jede menschliche Begegnung. Misstrauen, Unterwürfigkeit, Feigheit, Gier, Eigennutz, Anspruchsdenken, Egoismus, Egozentrik, Rachsucht, Kriecherei, Lüge, Selbstbetrug, Missgunst, für all diese männlichen Schwächen hat Amanda nur Ironie und spöttische Bemerkungen übrig. Gelegentlich stellt sie ihnen Männern Fragen. Unangenehme. Der Sportreporter Ludwig ist ein Mitläufer, der Schriftsteller Fritz simuliert Dissident zu sein, der Journalist Stanislaus ist nett aber hat auch kein Rückgrat.Wie auch? Jede Begegnung, in der BRD oder in der DDR, stand unter dem Einfluss der menschenverachtenden Bürokratie der DDR. Männer waren durchdrungen von ihrer speichelleckerischen Haltung gegenüber dem Regime und ihre Männlichkeit litt dementsprechend. Schade für Amanda.Ihre Bemühungen ein eigenes Leben aufzubauen waren durch einen Sohn aus der ersten Ehe etwas eingeschränkt, auf ihre eigene Karriere als Journalistin verzichtete sie aus guten Gründen. Hätte sie unablässig lügen und ihre Meinung verleugnen sollen? Mit ihrem Roman kam sie nicht vorwärts. Zwischen Mutter und Ehefrau sein? Ein Zimmer für sich allein reicht nicht aus, wenn die Zeit fehlt. Die Bürgerrechtsbewegung lag ihr am Herzen, ihr Dissidentensimulant beschämte sie nur.Wie schwierig diese Geschichte mit den Worten dreier Männer und aus der Perspektive einer Frau zu verstehen ist, das wurde schon kurz nach der Veröffentlichung klar. Beim Literarischen Quartett diente der Roman Marcel Reich-Ranicki zu einer großen Show. Sigrid Löffler traf den springenden Punkt und wurde mit dem Stichwort „Feminismus“ in die Ecke geschickt.(...)Besser kann die Relevanz dieses Textes nicht untermauert werden. Ja, Jurek Becker ist ein Feminist. Das Wort kommt genau einmal in dem Roman vor. Die männliche Sicht auf das weibliche Leben ist völlig ohne jede Empathie und ganz frei von jeder Perspektivübernahme. Reich-Ranicki bestätigt das am 13. August 1992. Mit seiner Kritik setzt er sich ins gleiche Boot, in dem schon die drei von Jurek Becker treffsicher karikierten Männer sitzen. Alle Stellvertreter für real existierende Journalisten und Schriftsteller dieser Zeit.Jurek Becker ist genau der Kritiker der DDR, der das, was wir heute an Zerwürfnissen in und mit den Neuen Bundesländern haben, am genauesten benannt hat. In seinen beiden ZEIT Artikeln von 1988 und 1994.(...)(...)Jurek Becker vorzuwerfen, dass er unpolitisch sei, wie das Reich-Ranicki in seiner Show vehement verkündete, das ist ein großer Irrtum!
Der letzte Roman von Jurek Becker mit dem Titel «Amanda herzlos», erschienen 1992, ist zeitlich kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs angesiedelt. Wie immer beim Autor des berühmten Romans «Jakob der Lügner» ist auch hier seine ureigene literarische Methode deutlich zu erkennen, nämlich selbst außerordentlich ernste Sujets «komödienähnlich» zu bearbeiten, wie er selbst es formuliert hat. Ironie und Komik wären der von ihm präferierte Ton, das habe möglicherweise auch was mit Unterhaltsamkeit zu tun. Dieser Roman ist thematisch eindeutig mehr ein Liebesroman als ein DDR-Roman, die Probleme beim Zusammenleben beider Geschlechter werden aus verschiedenen Perspektiven umfassend und mit analytischem Blick beschrieben. Dass dabei ein ebenso totalitäres wie dümmliches, ungeliebtes politisches System den Hintergrund liefert, ist dem Dissidenten Jurek Becker als Motiv erkennbar ebenfalls wichtig. Eine Pointe seiner Geschichte besteht schließlich genau darin, dass die am Ende, nach schikanösem Papierkrieg vieler beteiligter Behörden, endlich genehmigte Ausreise der Protagonistin Amanda in die Bundesrepublik Deutschland kurz vor dem Mauerfall erfolgt, - man hätte nur zu warten brauchen, aber wer konnte das schon voraussehen?In dem dreiteiligen Roman erzählen drei Männer jeweils aus der Ich-Perspektive über ihre Ehefrau beziehungsweise Lebenspartnerin Amanda, der das Wort «herzlos» anhängt, - zu Recht nach dem Urteil von zwei der Männer, die über sie berichten. Sie ist eine Schönheit, rätselhaft wie eine Sphinx, hat ihr Studium abgebrochen, hat schriftstellerische Ambitionen und ist gleichermaßen intelligent wie wortgewandt. Mit ihrem Ehemann, dem Ostberliner Sportreporter Ludwig Weniger, hat sie einen kleinen Sohn. Ludwig ist ein notorischer Fremdgänger, er hatte sogar mit ihrer einzigen Freundin eine leidenschaftliche Affäre. Das Paar hat sich auseinandergelebt, sie sind voller Misstrauen gegeneinander und wollen sich scheiden lassen, dieser erste Romanteil beschreibt die Phase vor der Scheidung aus Ludwigs Perspektive. Im Mittelteil erzählt der Schriftsteller Fritz Hetmann von seinem Zusammenleben mit Amanda, wobei Jurek Becker eine narrativ raffinierte Geschichte-in-der-Geschichte konstruiert. Fritz hat während der Jahre mit Amanda eine Novelle über sein zunehmend schwieriger werdendes Zusammenleben mit Amanda geschrieben. Die ist ihm aber durch Sabotage - von ihr angestiftet, wie er vermutet - von der Diskette gelöscht worden. Da er keine Kopie hat, erzählt er die Novelle nun aus dem Gedächtnis nach, wobei er immer wieder virtuos die erinnerte Novelle und seinen aktuellen Bericht miteinander vermischt. Als Amanda sich im dritten, tagebuchartig erzählten Teil schließlich Hals über Kopf in Stanislaus Doll verliebt, einen westdeutschen Rundfunk-Korrespondenten in Ostberlin, und Fritz daraufhin verlässt, steuert diese dritte Liebesgeschichte auf eine Ehe zu.Dieser Eheschließung steht jedoch im Wege, dass sie politisch quasi eine Mischehe darstellt, Ost mit West, mit dem feindlichen Ausland also, was vom Staat natürlich genehmigt werden muss. Und dafür wäre auch noch Amandas Ausreise nach Westdeutschland zu beantragen, denn ihr Zukünftiger wurde von seinem Chef nach Hamburg zurückbeordert. In all diesen Liebes- und Paarturbulenzen beherrscht der DDR-Alltag in seiner politischen Verlogenheit natürlich immer wieder die Szene, - die Stasi ist allgegenwärtig.All das wird mit einem ironischen Unterton in einer fast schon kargen Sprache erzählt, wobei der Humor von Jurek Becker sich durch seine Beiläufigkeit auszeichnet, er ist nie aufgesetzt. So spricht Amanda zum Beispiel vom «Einakter» und meint damit das in der Regel nicht zu zwei Liebesakten hintereinander fähige Glied ihrer Liebhaber. Herzlos ist Amanda, weil sie ihre Männer nicht nur physisch bespöttelt, sondern vor allem psychisch demaskiert, - und den Unrechtsstaat, den sie verachtet, gleich mit dazu!