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AJuM Sachsen-Anhalt
03.05.2024
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Innerhalb von 32 Seiten wird aus Elfi, dem traurigen Krokodil, ein glückliches Krokodil. Doch von Anfang an: Elfi ist traurig, weil sich alle vor ihr fürchten und weglaufen, ehe sie auch nur bis vier zählen kann. Ob in der Bäckerei oder beim Laternenumzug, egal wohin sie geht, stets ergreifen alle anderen die Flucht. Daher ist sie sehr einsam und versucht, sich als jemand anderes auszugeben: In ein gelb-braun gestreiftes Oberteil gekleidet probiert sie, wie eine Biene Honig zu sammeln, mit einem rosa Minirock gesellt sie sich zu den Flamingos und stellt sich auf einem Bein zu ihnen ins Wasser, sie suhlt sich wie ein Schwein im Dreck und klettert sogar auf ein Dach, um wie eine Katze zu miauen. Doch nichts davon klappt und Elfi wird noch viel trauriger als zuvor. Schließlich sitzt sie verzweifelt auf einem Steg am Fluss und weint bitterlich. Als sie bemerkt, dass Wildschwein Willi sie beobachtet, fängt sie an zu zählen – doch bei "vier“ ist er nicht etwa verschwunden, sondern kommt immer näher und als Elfi bei "zwölf“ angelangt ist, küssen sich die beiden und sitzen danach Arm in Arm am Steg.Sehr einfühlsam und mit viel Liebe zum Detail wird in Inka Pabsts drittem Bilderbuch eine Geschichte darüber erzählt, dass man sich nicht verstellen muss, um gemocht zu werden, sondern genau richtig ist, so wie man ist. Protagonistin Elfi wirkt dabei auf die Rezipient*innen, im Gegensatz zu der Reaktion, die die anderen Figuren des Buches auf sie zeigen, von Anfang an absolut sympathisch und herzensgut; die Furcht der anderen ist durch ihre großen Zähne in der Theorie zwar nachvollziehbar, praktisch jedoch erscheint sie in ihrer gesamten Art sehr liebenswert und weckt viel Mitgefühl. Ihre unbeholfenen Versuche, sich als ein anderes Tier auszugeben, bergen eine gewisse Komik und können beim Vorlesen und Zuhören viel Freude bringen, da sie jeweils nach dem gleichen Schema aufgebaut sind und so auch die Zuhörer*innen zum Mitsprechen einladen: „Sie versucht… Aber das hat nicht geklappt.“ Die Handlung ist überschaubar, einsträngig und damit einfach mitzuverfolgen, wodurch das Bilderbuch gut auch schon für jüngere Kinder geeignet ist.Interessant ist das Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit: Während zu Beginn des Buches eine Zeitspanne von mehreren Tagen sehr verdichtet dargestellt wird, zieht sich die Szene auf dem Steg über 12 Seiten. So wird dieser Szene eine besondere Spannung verliehen und auch dem Fokus des Buches, dass man gut ist, so wie man ist, viel Raum gegeben. Viele der Figuren, die im Laufe des Buches vor Elfi weggelaufen sind, tauchen auf dem letzten Bild mit am Steg auf und runden die Narration so ab.Bei den Illustrationen von Miriam Zedelius fallen zuerst die leuchtenden, klaren Farben auf. Schon das Umschlagsbild mit der quietschgrünen Elfi, dem knallgelben Hintergrund und der leuchtend roten Schrift fällt direkt ins Auge. Die Figuren sind im graphischen Stil gehalten und ihre Flächen sind jeweils einfarbig gefüllt, Schattierungen und Farbabstufungen kommen nur sehr sparsam zum Einsatz. Die Hintergründe sind ebenfalls einfarbig bunt und oft in starkem Kontrast zu den Figuren und Objekten im Vordergrund, Elfi ist beispielsweise oft vor rotem oder pinkem Hintergrund zu sehen, die orangen Laternen und gelben Sterne leuchten vor blauem Nachthimmel. In der Szene am Steg verändert sich der Himmel mit der Atmosphäre der Geschichte: Als Elfi weint, ist er dunkel und wolkenverhangen, klart dann auf und erscheint, als Elfi und Willi sich küssen, ganz in weiß mit zarten rosa Wolken. Alle Tiere der Geschichte sind anthropomorphisiert dargestellt, die vorkommenden Menschen sind divers in Bezug auf ihre Hautfarben gezeichnet. Kleine Details wie der Regenwurm, der sich mit einem Schirm vor Elfis Tränen schützt oder die Fische, die in der Stegszene von Seite zu Seite einer mehr werden, bieten auch über die Haupthandlung hinaus viel zu entdecken. Die Zahlen heben sich vom Rest des Textes dadurch ab, dass sie deutlich größer und handschriftlich verfasst in die Bilder integriert sind. Durch ihre Größe ist denkbar, dass Kinder, die gerade die Ziffersymbole lernen, diese mit im Buch erkennen und vorlesen können. Insgesamt ein ausgesprochen empfehlenswertes Werk mit großem Lieblingsbuchpotenzial!Weitere Rezensionen auf ajum.de