★★★★★
k.A.
14.07.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist eine wunderbare und sehr inspirierende Lektüre, die den Mut zum Neustart und zur Selbstfindung perfekt einfängt. Ich kann es jedem empfehlen, der gerade eine neue Richtung sucht.
★★★★★
k.A.
14.07.2026
ean-shopping.de
Das Buch bietet eine sehr bewegende und wichtige Perspektive auf das Hinterfragen von Systemen, ist aber für manche Leser vielleicht etwas anspruchsvoll.
Wenn es eine Gruppe gibt, die unter dem Einfluss einer Sekte oder eines religiösen Kultes besonders zu leiden hat, dann sind es die darin geborenen bzw. aufgewachsenen Kinder. Sie haben in der entscheidenden Lebensphase, in der ihnen das Rüstzeug für ihr Dasein als Erwachsene vermittelt wird, nichts anderes als ihr von der übrigen Welt abgetrenntes religiöses Paralleluniversum kennenlernen können. Doch wie sich dieses Leben genau gestaltet mit all seinen problematischen Konsequenzen und vor allem wie sich für diesen Personenkreis der Ausstieg aus diesen extremen Strukturen gestaltet, war bisher ein wissenschaftliches Dunkelfeld. Dieses Dunkelfeld genauer auszuleuchten ist das Verdienst einer neuen, preisgekrönten Studie „Sektenkinder – Aufwachsen in neureligiösen Gruppierungen und das Leben nach dem Ausstieg“ der beiden angehenden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen Kathrin Kaufmann und Laura Illig sowie des sie betreuenden Psychologen Prof. Johannes Jungbauer.Grundlage der Studie sind Interviews mit Menschen, die in einer Sekte aufgewachsen sind und diese später aus eigenen Stücken verlassen haben. Die Wortmeldungen sind anonymisiert und der Name der jeweiligen Gruppierung bleibt bewußt unerwähnt, um – wie die Autoren betonen - juristischen Streitigkeiten mit diesen oft finanzstarken Glaubensgemeinschaften zu vermeiden. Ein vernünftige Entscheidung, wenn man sich allein die jüngsten rechtlichen, durchaus erfolgreichen Gegenmaßnahmen der Zeugen Jehovas zu den Aussteigerbüchern von Micha Anouk und Konja Simon Rohde vor Augen hält, von den Möglichkeiten der Scientology ganz zu schweigen.Auffallend bleiben die stereotypen Erfahrungen aller Betroffenen, aus denen sich ein generalisierendes Bild entwickeln läßt. Diese beklagen vielfach eine unterentwickelte Ich-Identität, einhergehend mit einem problematischen Eltern-Kind-Verhältnis, da die eigenen Bedürfnisse und Wünsche sich immer den Vorgaben des Kollektivs unterzuordnen hatten. Eigene Potentiale bleiben dabei auf der Strecke, was sich vor allem in der Schullaufbahn und der Ausbildung bemerkbar macht, wo die Sektenführungen vielfach grenzüberschreitend den Weg in eine Laufbahn weist, die unter den eigenen Möglichkeiten bleibt. Übereinstimmend berichten die Aussteiger über Schamgefühle, Ängste – vor allem vor dem von der manipulativ agierenden Sektenführung verkündeten Weltuntergang – und Selbstzweifeln, die an ihren Leben nagten. Als besonders beklemmend ist das fast allen Sektenkindern gemeinsame Schicksal als Außenseiter in der Schule zu sehen.Doch egal, welcher Weg aus der Sekte / dem Kult gewählt wird, so haben Aussteiger in der Nachwirkung gleich einen ganzen Komplex zu bewältigen, den Aufbau einer neuen Existenz mit neuen Bindungen, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und vor allem die Tatsache des von der Sektenführung verordneten totalen Kontaktabbruchs mit den zurückgelassenen Mitgliedern der Gemeinschaft, die man verlassen hat, inklusive den darin verbliebenen Eltern. Diese rigide Maßnahme wird durchaus als „Akt der Liebe“ verkauft, um den Aussteiger zur Rückkehr in die alleinseligmachende Gemeinschaft zu bewegen.Die „Sektenkinder“-Studie liefert die wissenschaftliche Unterfütterung für das, was die Schauspielerin und ZJ-Aussteigerin Dina Hellwig in ihrem Aufklärungspodcast als „hochgradigen Kindesmißbrauch auf mentaler Ebene“ bezeichnet. Die Studie kommt auch insofern zur rechten Zeit, da im Juli 219 ein Schweizer Gericht in einer Verleumdungsklage der ZJ gegen eine Ausstiegsberaterin zum dem eindeutigen Schluß kam, diese Religionsgemeinschaft betreibe Mobbing gegen ausgestiegene Mitglieder.Damit steht für die ZJ in Deutschland auch der enorm wichtige Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts in Frage. Zumal in dem Prozeß, der seiner Verleihung vorausging auch das Thema Kindeswohlgefährdung von Bedeutung war. Bemerkenswerterweise war in diesem Verfahren allerdings die Perspektive von Aussteigern explizit ausgeschlossen.Nun ist die Religionsfreiheit ein hohes Gut, ebenso wie die Souveränität der Eltern über die Kindeserziehung, frei von staatlichen Vorgaben. Ebensowenig kann man von Religionsgemeinschaften abverlangen, sich ein postmodernes Werte- und Weltverständnis zum eigenen Maßstab zu machen. Dennoch sollte ein Glaube, der in seinen Praktiken andere und vor allem die Kinder als den schwächsten schadet, keine staatliche Förderung genießen, die er öffentlich sogar noch als Unbedenklichkeitsattest „verkaufen“ kann. Nach dem Schweizer Urteil ist es nun überfällig, daß in Deutschland der Körperschaftsstatus der ZJ in Frage einer Überprüfung unterzogen wird. Die „Sektenkinder“-Studie bietet für die Begründung einer Revision hinreichend belastbares Material.