Das Buch "Der leere Stuhl" hat mich begeistert. Erklärt der Autor Mike Boxhall doch bereits im Titel unmissverständlich, worum es eigentlich geht. Diese Aussage ist für mich persönlich eine der zentralen Aspekte auf dem spirituellen Weg und kann in meinen Augen nicht oft genug betont werden.Was das Buch auszeichnet ist, dass kein logisch aufgebauter Handlungsstrang unseren Intellekt durch die Seiten führt, sondern die Kapitel angelegt sind als Reflexion über Gegebenes, über Gegenwärtigkeit und vor allem über Präsenz.Max Boxhall ist mittlerweile Mitte achtzig, Buddhist und seit über 40 Jahren als Cranio-Sacral- und Psychotherapeut tätig und gibt Kurse in Präsenz und Stille. Diese Erfahrungen und die daraus resultierenden Einsichten - die sowohl einfach als auch tief sind - vermittelt er leicht verständlich, so dass auch unerfahrene Suchende neugierig auf den spirituellen Weg werden können.Besonders gut gefällt mir, dass er auch immer wieder alltägliche Dinge infrage stellt, bekennt, dass auch er noch lernt und wohl auch nie auslernen wird.Immer wieder lädt er den Leser ein, sich kein Vorbild zu suchen, sondern die Wahrheit selbst zu erfahren und körperlich und seelisch auf die Reise zu gehen. Genauso ermuntert er uns, die Unsicherheit als Segen anzunehmen, gegenwärtig zu sein und zu bleiben. Denn nur dann können wir die unendliche Tiefe der Lehre und die Stille erfahren, die auf uns wartet, wenn wir nicht mehr an nichts und niemanden im Außen festhalten.Um einen Geschmack dieser Stille zu erfahren - die er selbst immer wieder erlebt hat -, erklärt Boxhall, was Stille nicht ist. Er vermittelt auch, dass wir mit dem Lernen und dem Erkennen - aus dem Herzen und dem gegenwärtigen Moment heraus - n der Lage sind, einen anderen Menschen auf dieser Seinsebene zu begegnen und uns mit ihm zu verbinden.Ein kleines, hilfreiches Buch, das uns an diese Präsenz erinnert, unsere Anhaftungen hinterfragt und uns die Illusion vor Augen führt, alles verstehen zu können - und das nicht müde wird, uns daran zu erinnern, dass es die Lehre ist die zählt und nicht der Lehrer.
★★★★★
Christine Wittmann
29.11.2024
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Es gibt tonnenweise Bücher über Spiritualität, aber dieses kleine Buch von Mike Boxhall, nähert sich dem Thema auf so sanfte und leichte Weise an, dass es ein Genuss ist, es zu lesen und sich in die Lebenserfahrung des 85-jährigen Buddhist und Cranio-Sacral-Therapeuten hineinfallen zu lassen. In einzelnen Essays, wie „Tiefer in die Stille“ oder „Der Segen der Ungewissheit“, übermittelt der Autor seine Erfahrungen in der Körperarbeit und seine Einsichten in das Leben. Oft mit mehr Fragen als Antworten betrachtet Mike Boxhall den Weg der Achtsamkeit und gesteht, dass er nur „seine Zehen in den Ozean der Erfahrung, Lehre genannt, eingetaucht hat“ und dabei entdeckte, dass er in seinen therapeutischen Kursen keine Techniken vermittelte, sondern Präsenz und Unmittelbarkeit.Für ihn ist die Präsenz die „Grundqualität des Lebendigseins, die unmittelbare Vitalität der Bewusstheit“. Und gerade deshalb ist dieses Buch, das die Stille im Sein, die kein Nichtstun ist, sondern ein ganz besonderer Zustand, das Zentrum in uns, so lesenswert und gleichzeitig herausfordernd. Wie angenehm, dass der Weg zur Spiritualität zu einfach sein kann, wenn man sie auch im Körperlichen wahrnimmt. Die kleinen Geschichten und Lehren erzählen fast spielerisch, wie sich Spiritualität als verkörperte Erfahrung wahrnehmen lässt. Spannend wie Mike Boxhall Liebe und Angst als Einheit sieht oder dass wir niemand anders werden müssen, um uns selbst zu sein.