Mark Twain in Bayern - Mark Twain Kartoniert (TB)
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3,0/5 (1 Bewertungen)
★★★★★ Albert Locher 19.05.2024 amazon.de
Mark Twain hat München erstmals im Winter 1878/79 besucht, später auch Bayreuth, Tölz (Krankenheil) und Nürnberg, doch erst jetzt liegen Bücher vor, die sich damit beschäftigen: Michael Kleins Arbeiten „Mark Twain in Bayern“ und „Mark Twain in München“ (2015 und 2016) sowie Winston Kelleys „Amerikanische Dichter und Denker in Franken, 1851 – 1901“ (2016). Ich beschränke mich auf „Mark Twain in Bayern“.Nach der Lektüre ist man doch etwas ernüchtert, denn was der Autor uns vorlegt, ist wenig befriedigend, auch wenn ich seinen Fleiss durchaus anerkenne. Nachstehend einige der beanstandeten Stellen, wobei die Seitenzahl jeweils in Klammern vermerkt ist.Klein zitiert häufig, leider ohne es nachzuweisen. Gewiss sind die benützten Bücher angegeben („Literatur in Auswahl“); wer aber wissen will, was er wo finden kann, wird enttäuscht.Das Buch ist 228 Seiten stark, doch davon hat über die Hälfte nichts mit Bayern zu tun. Wieso der Autor Mark Twains drittklassige Erzählung „Der gestohlene weisse Elefant“ abdruckt, ist unverständlich, auch wenn Klein meint, es sei „eine von Mark Twains berühmtesten Erzählungen“, die „in jeder guten Sammlung seiner schönsten Geschichten unfehlbar vertreten“ sei. Berühmt? Sie ist langfädig, ohne jeden Humor und strotzt vor Absurditäten. Carl Dolmetsch, der profunde Mark Twain-Kenner, meint denn auch: „Certainly ‚The Stolen White Elephant’ is a problematic and now almost obscure work.“Ich zitiere: „(Der Elefant) isst gern Menschen und Bibeln...Bibeln lässt er links liegen, wenn er Backsteine bekommt; gibt’s keine Backsteine, isst er Flaschen; fehlt’s an Flaschen, isst er Kleider“, und so geht es noch zehn Zeilen weiter. (197 f.)Mark Twain hatte vor, diese Erzählung in seinem „Bummel durch Europa“ abzudrucken. Der Verlag war jedoch dagegen, mit gutem Grund, denke ich. Diese Erzählung, die auf ein tatsächliches Ereignis zurückgeht (die Leiche eines New Yorker Millionärs wurde gestohlen), parodiert zwar die Arbeit der Polizei und der Privatdetektive, doch die vielen versteckten Anspielungen versteht der heutige Leser nicht und hat sie wohl auch nicht verstanden, als diese Erzählung 1882 als Buch erschien.Wieso „Das Geständnis eines Sterbenden“ abdruckt ist (aus Mark Twains „Leben auf dem Mississippi“, Kapitel 31-32), ist mir ebenfalls unerklärlich. Es hat weder mit München noch mit Bayern etwas zu tun, wenn man davon absieht, dass Twain die Geschichte in München geschrieben hat. Dass er darin die Münchner Pension Dahlweiner erwähnt, ihre genaue Adresse angibt und das Münchner Leichenschauhaus schildert, reicht als Begründung nicht.Zusammen sind das über 60 Seiten, also weit über ein Viertel des Buches. Man hätte beide weglassen können, doch wäre das Buch dann wesentlich dünner gewesen.Erstaunlicherweise ist in Kleins Buch Mark Twains fünfwöchiger Aufenthalt in Bad Tölz (1893) nicht erwähnt, abgesehen von einem Auszug aus einem Brief Twains sowie einigen Zeilen in der Zeittafel, obwohl in Tölz auch heute noch Spuren zu finden sind, wie ich aus eigener Erfahrung weiss.Zu beanstanden sind ferner die Übersetzungsfehler. Die Übersetzung sei zwar „runderneuert“ und „der eine oder andere Staub der Zeit weggepustet“ worden (189). Trotzdem!Gleich zwei finden wir auf Seite 21: „...wo das in Verwirrung geratene Hotel...“(„confounded hotel“, also „das verdammte Hotel“. „Verwirrung“ erinnert höchstens an die Psychiatrie.)„...in feuerlosen Räumen“ („fireless rooms“ sind einfach ungeheizte Zimmer; „feuerlos“ steht nicht einmal im Duden.) „...und ich stahl mich in eine abgeschiedene Eckchen, um zu fluchen“ (22). O nein – „to pray“, also „um zu beten“ – auch wenn er dort wirklich geflucht haben mag, weil ihn die Pension anfangs so enttäuschte.„ ...als Detektive nach Stewarts wildgewordenen Überresten herumschnüffelten“ (188). Twain schreibt: „the detectives were nousing around after Stewart’s loud remains.“ Gemeint sind die „stinkenden Überreste“ von Stewarts Leiche, die seit Tagen gesucht wurde. Etwas grob, finde ich, doch im Brief an "mein lieber William" (seinen Freund William Howells) hatte er keine Hemmungen, etwas unzart zu formulieren; im „Elefant“ steht das nicht. Und was dürfen wir wohl unter „wildgewordenen“ Überresten verstehen? Nebenbei: Warum schreibt Klein „Mein lieber William“, obwohl Mark Twain seinen Freund immer mit „Dear Howells“ anredete? (21)Zuletzt möchte ich auf Michael Kleis Deutsch eingehen.„München gilt für viele Amerikaner seinerzeit als eine der bedeutendsten Kunststädte Europas...“ (7). Wenn schon, müsste es „galt „ und „damals“ heissen.Über Mark Twains Verlag lesen wir, dass er „zwar zeitweise hohe Gewinne eingefahren hatte", dann aber „in ein verlustreiches Fahrwasser geraten“ sei (8). „Nach ellenlanger ... Herstellungszeit“ (9); „erinnert sich Mark Twain an die Zweijahresprognose zurück“ (10); "Wenn die Welt ihm durch Ereignisstillstand trotzte" (168); „Zur vorgesehenen Zeit gelangte ich im Hafen von New York an“ (192); wenn Mark Twain und seine Familie „Wohlbefinden...verspüren“ (19) - all das mag ja noch angehen, auch wenn es uns nicht passt: so drücken sich heute viele aus. Diese Fehler sind ja auch nicht gravierend, verärgern aber trotzdem, und so zwingt mich der Autor dieser Biographie, sie oberlehrerhaft zu beanstanden.Bei „eines der eindrücklichsten Erlebnisse in München begegnet Mark Twain am 9. Januar 1879“ (50); „die Sache muss verschwiegen bleiben “ (193); „Die Ofenhitze hier setzt Livy mit Kopfschmerzen zu “ (24) und anderem mehr werden wir stutzig, auch wenn man versteht, was gemeint ist, doch „...und warteten darauf, dass die Hotels öffneten und ihre Gäste in die Züge entluden, sodass Zuflucht für sie selbst entstünde“ (138) ist nun wirklich unmöglich. Ein anderer Übersetzer hat es so formuliert: „...und warteten darauf, dass sich die Hotels öffnen und leeren würden, um ihre Gäste in Richtung der Züge zu entlassen und dadurch (für die neuen Gäste) ... Platz zu machen.“Dass ich danach keine Lust mehr hatte, auch noch „Mark Twain in München“ zu lesen, ist wohl verständlich.Albert Locher.
Bücher EAN 9783869068268

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Produktbeschreibung

Ein halbes Jahr seines Lebens hat Mark Twain - damals schon der weltberühmte Autor von Bestsellern wie Die Arglosen im Ausland (1869) oder Die Abenteuer des Tom Sawyer (1876) - in Bayern verbracht und sich dort pudelwohl gefühlt. Im Winter 1878 79 lebt er mit seiner Familie in München wo u.a. große Teile seines Buchs Bummel durch Europa entstehen im Sommer 1893 kehrt er mit seiner Frau nach Bayern zurück diesmal nach Tölz auch der Gesundheit wegen. Mark Twains Zeit in Bayern hat etliche Spuren in seinem Werk hinterlassen freilich sehr verstreut und manches erst in seinem Nachlass entdeckt
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