"Alle sieben Wellen" ist die Fortsetzung von "Gut gegen Nordwind": im "ersten" Teil stoßen Emmi und Leo im WWW zufällig aufeinander und beginnen eine Mailbeziehung, lernen sich immer besser kennen und verlieben sich schließlich ineinander- ein absolut wunderbares Buch, zum Weinen, Lachen oder Schmunzeln. Selten gibts so Bücher, die mit solcher Leichtigkeit so wunderschöne, tiefsinnige Sätze hervorbringen.Wie so viele andere Leser war ich mit dem Ende nicht wirklich zufrieden, dachte mir immer, es müsse ja doch irgendwie weitergehen und war irgendwie "unrund".Und siehe da: mit "Alle sieben Wellen" sind Emmi und Leo wieder da. Beim Lesen merkte ich erst, wie sehr ich sie vermisst habe, wie heimelig und vertraut der Ton war, mit dem die beiden miteinander sprachen - es war wie heimkommen!Das, was in "Gut gegen Nordwind" so schmerzlich nie zustande gekommen ist (für mich eine der Stärken dieses Buches), findet hier nach ca. 20 Minuten Lesen statt: das erste Treffen der beiden. Doch wie beschreibt man dieses Treffen, wenn man nur Mails schreiben kann, immer nur die Innensicht des jeweiligen Schreibenden zeigen kann, nie der über allem stehende Autor ist?Glattauer löst auch das gut (mehr wird nicht verraten), doch ein bissi genauer hätte ich es schon gerne gewusst!Viele der Themen, die im ersten Buch nur angerissen werden, nimmt Glattauer wieder auf und verknüpft sie, führt sie zu einem Ende, das stimmig ist. Man wird wunderschöne Sätze finden, die man sich am liebsten an die Wand schreiben würde, um sie jeden Tag zu lesen, man wird Aussagen finden, die sich nur zu leicht auf einen selbst anwenden lassen. Wunderschön! Es gab Stellen, an denen ich laut lachen musste, an anderen kamen mir die Tränen. Der Autor hat eine Art gefunden, einen Mailroman zu schreiben, die absolut unnachahmlich ist und süchtig macht.Warum hab ich einen Punkt abgezogen, und lobe das Buch trotzdem so sehr? weil ich das erste trotz allem besser fand, weil die Treffen, die sich im zweiten Buch finden, teilweise nicht mit dem Charakter des Buches zusammenpassen, weil ich das Ende ein wenig zu aufgesetzt fand. Ich hätte gerne nur einen halben Punkt abgezogen, doch das ging nicht ;-))Empfehlenswert für alle, die den ersten Teil geliebt haben! Dann führt kein Weg an diesem Buch vorbei. Alle, die "Gut gegen Nordwind" nicht kennen, sollten die Finger von diesem Buch lassen, da man viele von den Anspielungen nicht versteht und auch der Zauber, der in dieser Beziehung steckt, wohl nicht so ganz nachzuvollziehen ist. Zuerst "Nordwind" lesen!