★★★★★
k.A.
01.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein echtes Genuss und fängt die rebellische Energie der jungen Genies wunderbar ein. Ich war absolut begeistert von der Geschichte und der Darstellung!
★★★★★
k.A.
01.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein absoluter Genuss, der die Freiheit und den Geist der jungen Genies wunderbar einfängt. Ich war von Anfang bis Ende begeistert von der rebellischen und lebendigen Darstellung.
1774 ist ein wichtiges Jahr für die deutsche Literatur. Goethe veröffentlicht „Die Leiden des jungen Werthers“ und wird praktisch über Nacht zum Superstar. Warum eigentlich? Bei heutiger Lektüre fällt es nicht gerade leicht, sich auf das Pathos von Goethes Briefroman einzulassen. Der wichtigste Grund für den Erfolg 1774 ist, dass Goethe mit dem „Werther“ das Lebensgefühl seiner Generation auf ideale Weise einfängt.Die Akteure des Sturm und Drang haben keine Lust, die Leser*innen aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien“ (Kant), d.h. moralisch zu bilden oder Vernunft zu predigen. Die Fackel der Aufklärung wird nicht entflammt, damit ein starkes inneres Licht umso heller leuchten kann. Gefragt sind Empfindsamkeit, Entfesselung des Gefühls, Individualität und scharfe gesellschaftliche Kritik. Goethe schafft das mit dem Werther.Im März 2024, pünktlich zum 250. Jubiläum der Erstveröffentlichung des „Werther“, werden sicher wieder Lobeshymnen auf den jungen Goethe angestimmt und Schmuckausgaben seines Bestsellers gedruckt werden. Dagegen ist nichts zu sagen. Das ist schön. Goethe hat das verdient. Ich empfehle jedoch, vorher das Buch von Simone Francesca Schmidt zu lesen. Sie relativiert Goethes Leistung, ohne Goethes Talent zu schmälern.Schmidts Chronik des literarischen Jahres 1774 gibt erhellende Einblicke in das Leben und Werk der wichtigsten deutschsprachigen Dichter, Schriftsteller, Literaten, Publizisten und Verleger dieser Zeit. Eine Entdeckung. Denn es bleiben nur zwei Möglichkeiten: Viele Regalmeter Sekundärliteratur zu durchforsten – oder dieses höchst informative und kompakte Buch zu lesen.Dabei wird klar: Goethe ist nicht der einzige Genius, der zu dieser Zeit stürmt und drängt. Und man kann getrost davon ausgehen, dass Goethe ohne seinen Freundeskreis, ohne Gleichgesinnte wie Herder, Merck, Lenz oder Klinger, seine Peergroup, und ein begeisterungsfähiges, mitfühlendes Publikum den Werther wohl nicht geschrieben hätte. Was sind das für Geister, die Goethe zu Höchstleistungen anspornen? Simone Francesca Schmidt bringt sie uns auf 300 Seiten näher.Worüber wir staunen, wenn wir Schmidts sorgfältig zusammengestellte Jahreschronik für das literarische Jahr 1774 lesen, wie gut das soziale Netzwerk der Stürmer und Dränger funktioniert. Ihr Medium ist der Brief. Aber sie sind auch ständig auf Achse, um persönliche Bekanntschaften zu vertiefen und Brieffreundschaften in eine richtige Freundschaft zu verwandeln.Wenn die jungen Genies Freiheit suchen, ist es die Freiheit, Neues zu denken und Ungesagtes auszusprechen. In einem sozialen Sinne ist Freiheit ein anderes Wort für Selbstbestimmung, sich aus Bindungen und Abhängigkeiten zu lösen, die man als falsch erkennt, weil sie die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit oder die Möglichkeit, glücklich zu sein, verhindern. Die Stürmer und Dränger haben hier trotz ihrer Kritik an der Aufklärung im Sinne der Aufklärung gehandelt - aber mit sehr viel Gefühl!„1774“ ist das perfekte Buch, in die Zeit des Sturm und Drang einzutauchen. Beim nächsten „Tauchgang“ ist es wichtig, Romane, Dramen und Gedichte zu lesen. Und dann immer mal wieder „1774“ zur Hand nehmen, um Wechselwirkungen zu erkennen und bestimmte Situationen chronologisch besser einordnen zu können. Ein schönes, kurzweiliges und praktisches Buch.