★★★★★
k.A.
02.07.2026
ean-shopping.de
Ein sehr interessantes und wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt, allerdings die Darstellung der globalen Probleme könnte noch tiefer gehen.
★★★★★
Dr. Eberhard Westheide
23.11.2024
amazon.de
Das Buch ist wohltuend klar nach dem heillosen Durcheinander von Begriffen, Kategorien, Zahlen und sachlich falschen Argumenten in den letzen zwei Jahren.
★★★★★
Johannes Heinrichs
23.11.2024
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Dieses Denken „über Grenzen“ zeichnet sich durch einen erfrischenden Realismus aus, das manche Professoren in ihren Fach-Grenzen vermissen lassen, indem sie etwa die nationalen Grenzen gänzlich aufheben wollen. Nida-Rümelins „Ethik der Migration“ folgt überhaupt keinem einseitigen, dogmatischen ethischen Imperativ. Es handelt sich um eine reflexive Kultivierung des gesunden Menschenverstandes oder des von diesem getragenen Werturteils. Der Autor nennt dieses Vorgehen „kohärentistisch“, also auf Kohärenz und Berücksichtigung vieler Gesichtspunkte beruhende Wertung durch die „ethische Urteilskraft“, die durch keine Theorie zu ersetzen sei. „Jedes Argument, das wir vortragen, hat seine letzte Rechtfertigung nicht in den Postulaten der einen oder anderen ethischen Theorie, sondern in der Praxis normativer Stellungnahmen, die wir teilen. Ethik und Philosophie generell sind nur eine Fortführung dieser Praxis, sie versuchen, einen Beitrag zu ihrer Systematisierung zu leisten, und nicht, aus dieser auszusteigen, sie zu zerstören oder neu zu konstruieren“ (17 f). Die so verstandene ethische Urteilskraft bewahrt ihn vor unfruchtbarem und weltfremdem Moralisieren.Die Migration, die das Buch primär ins Auge fasst, ist allerdings nicht die faktisch in Deutschland schon geschehende humanitäre Hilfeleistung aufgrund der Bürgerkriegsmigration sowie der Armutsmigration, sondern die von einem „kosmopolitischen Gesichtspunkt“ her betrachtete mögliche und künftige. Hierdurch unterscheidet sich der Gedankengang von der derzeitigen Diskussion der Parteien über die Flüchtlinge in Deutschland. Nida-Rümelin stellt von solch hohem kosmopolitischen Standpunkt schon früh (S. 98) die These auf: dass die Weltprobleme grundsätzlich nicht durch Migration zu bewältigen seien, dass sie im Gegenteil neue Ungerechtigkeiten in den durch Abwanderung der Fähigsten betroffenen Ländern schaffe. Das ist im Vergleich zur derzeitigen europäischen und deutschen Diskussion ein überraschend neuer, wichtiger Blick, der sich in „Sieben ethischen Postulaten für die Migrationspolitik“ konkretisiert und dabei doch nahe an die derzeitige Diskussion heranführt: 1. Sie muss zu einer humaneren und gerechteren Welt im Ganzen beitragen, 2. In den Einwanderungsgesellschaften muss Migration als Bereicherung, nicht als Bedrohung wahrgenommen werden können. 3. Migrationspolitik muss mit dem Selbstbestimmungsrecht der aufnehmenden Bevölkerung vereinbar sein. 4. Sie darf soziale Ungleichheiten im aufnehmenden Land nicht verschärfen. 5. Besonders die wirtschaftlich motivierte Migration muss mit Kompensationen der Herkunftsländer einhergehen. 6. Transferzahlungen an die Herkunftsländer seien der Migration vorzuziehen. 7. „Verlange von der Migrationspolitik nichts, was du nicht auch in deinem sozialen Nahbereich akzeptierst“ (154). Würden Sie z.B. akzeptieren, wenn plötzlich zum Frühstück ein friedlicher Hungerleider in Ihr Wohnung eindränge? Nida-Rümelin verteidigt die Grenze seines Hauses, wenngleich er mit dem Eindringling eine andere Hilfsleistung vereinbaren würde. Diese Haltung entspricht einerseits seiner deutlich artikulierten Empörung über die unnötig ungerechte Verteilung der Güter in der Welt, anderseits seiner Verteidigung von Grenzen und humaner Selbstbestimmung auch der besser Situierten. „Dazu bedarf es nach meiner festen Überzeugung nicht nur des guten Willens einzelner Regierungen, sondern vor allem des schrittweisen Aufbaus globaler Institutionen“ (178). Der geballten Urteilskraft des Verfassers (die selbst durch manche Übungen in akademischer Ethik nicht getrübt wird, wenngleich er sich von seinen früheren sprachanalytischen Trockenübungen verabschiedet hat), ist soweit kaum etwas entgegenzusetzen.„Der humanistische Individualismus, der den philosophischen Hintergrund dieses Essays bildet, wendet sich insofern gegen den Multikulturalismus“, gemeint ist wohl als Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen auf einem Gebiet. Vom Einzelnen her gehe es aber darum, in „multikulturell verfassten Gesellschaften“ nach persönlichem Bedürfnis zu navigieren (147). In diesem wichtigen Punkt bin ich anderer Auffassung und treffe die strukturelle Unterscheidung von jeweils gastgebender Kultur und Gastkulturen. Die letzteren haben m.E. zwar das Recht auf landsmannschaftliche Traditionspflege, jedoch keineswegs auf dauerhafte kulturelle Enklavebildung. Dadurch ist auch der Unterschied zwischen Integration und Assimilation (mit dem viel Doppelspiel betrieben wird) m.E. nur als vorübergehender anzuerkennen. Dass unser früherer Kulturstaatsminister in diesem Punkt – aufgrund seines „humanistischen Individualismus“ - nicht klarer sieht, halte ich für ein erhebliches Defizit, das nur durch jene unklar formulierte Einschränkung gemildert wird. Denn gemeinsame Kultur ist nichts anderes als die gelebte Gemeinschaft der (genügend unterschiedlichen) Menschen selbst.