Wilhelm Busch, geb. 15.04.1832, gestorben 09.01.1908.Durch seine zahlreichen Bildergeschichten wurde Busch zum Erfinder des modernen Comics, mit seinen zugehörigen Zeichnungstexten, seiner Prosa, seinen Gedichten und Briefen gelang ihm die zumeist melancholische und immer psychologisch aufschlußreiche Schilderung menschlichen Daseins.Diese 167 Seiten starke, wohlfeile Sammlung „Ausgewählter Reime, Gedichte und Sinnsprüche“ zitiert aus seinem gesamten Oeuvre. Sie gliedert die Texte nach den Themenkapiteln- Der Mensch und seine Natur;- Der Mensch und sein Schicksal;- Philosophische Gedanken;- Von Wünschen und Enttäuschungen;- Über Wahr- und Unwahrheiten;- Von Mißgunst und boshaften Freuden;- Von den Dummen und den Eitlen;- Vom Lachen und Verlachtwerden;- Von Schmerzen und anderem Ärger;- Der Schlaf und dessen Störenfriede;- Vom Pfad der Tugend und dem Weg des Lasters;- Von Junggesellen, Damen und bösen Weibern;- Von der Liebe und der Ehe;- Ernstes und Heiteres über Kind und Kegel;- Von den Alltäglichkeiten;- Vom Gelde;- Über die tägliche Arbeit;- Vom Schlemmen, Trinken und Genießen;- Über das Reisen;- Von Künstlern und Genies;- Über das Schreiben und die Sprache;- Über die Musik;- Über die wunderliche Tierwelt;- Vom Wetter und seinen Kapriolen;- Über die Welt;- Vom Lauf der Dinge;- Über den Tod und das, was danach kommt; und- Vom Glauben und Gottvertrauen.Die Texte bezeugen reife verhaltenspsychologische Kenntnis über uns Menschen, zum geringen Teil widersprüchlich, überwiegend schlüssig und zweifelsfrei.Jede Zitatensammlung aus einem derart umfangreichen Werk begegnet der Schwierigkeit des Weglassens, des notwendig aus-dem-Zusammenhang-Reißens. Für den Leser bedeutet das, daß die zitierte Passage entweder bereits für sich allein eine eindeutige Aussage zuläßt; daß er den umgebenden Text und Sinnzusammenhalt von anderswo kennt und daher abermals zu einer eindeutigen Auslegung kommt, oder aber daß er sich bei Unkenntnis des Umgebungstextes auf eine eigene kurzweilige Gedankenreise begibt, die eine oder auch mehrere Interpretationen zuläßt.Die Auswahl ist jedenfalls so angelegt, daß die Zitate nicht orakelhaft daherkommen, sondern grundsätzlich die dahinterstehende abgeklärte Weltsicht des Autors eindeutig erkennen lassen.Aus dem Kapitel „Vom Lachen und Verlachtwerden“ seien zwei Beispiele zur psychologischen Weitsicht des Autors genannt:Das über-sich-selber-Lachen: „Zuweilen lacht man über sich selber, sofern man sich mal bei einer mäßigen Dummheit erwischt, indem man sich nun sogar noch gescheiter vorkommt als man selbst.“ (vgl S.54). Interessant ist einerseits die Bedingung, daß es sich bloß um eine mäßige Dummheit handeln darf, grobe Dummheiten scheiden daher von vornherein aus; zum andern muß man sich noch gescheiter vorkommen, als man erwiesener Maßen ist, man belächelt also sein naives alter Ego.Das über-den-andern-Lachen: „Man lacht, wenn man andere in Verdrießlichkeiten und kleinen Malheurs bemerkt, wenn man ihre Verstellung, ihre Pfiffigkeit, ihre Einfalt durchschaut, denn da fühlt man sich verhältnismäßig so wohl und gescheit, daß es ein rechtes Vergnügen ist.“ (vgl S.55). Auch hier darf es sich – wie beim über-sich-selber-Lachen – um bloß kleine Nachteile des andern handeln, bei großen Kalamitäten sei die Scham vor; oder man ist sich seiner intellektuellen Überlegenheit bewußt, die den andern der Trickserei überführt, auch da sei uns das Auslachen erlaubt.Die Nennung der Fundstelle bei jedem Zitat erlaubt dessen konkrete Zuordnung. Sie hebt sich damit wohltuend von anderen Zitatensammlungen ab.Zitate werden jeweils nur zu einem Themenkapitel ausgeführt, Themenüberschneidungen bleiben daher unberücksichtigt.Der Sammlung sind einige der berühmten Zeichnungen des Autors koloriert beigefügt, thematisch richtig, wenn auch nicht immer im originalen Zusammenhang (vgl abermals S.55).Dem letzten Kapitel ist eine gestraffte übersichtliche Biographie des Autors angeschlossen, die dessen wichtigsten Lebens- und Werkveröffentlichungsdaten wiedergibt.Ein Stichwortindex fehlt, er war aber bei diesem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis gar nicht zu erwarten.
Von der Aufmachung her ist das Buch genial. Das Hardcover ist wunderschön und auch die Zeichnungen innen im Buch sehen sehr schick aus. Im Bücherregal macht sich dieses Werk wunderbar. Allerdings sind die Reime, Gedichte und Sinnsprüche, so zusammenhanglos, wie sie darin erscheinen, nutzlos. Ich wüsste nicht, in welche Poesiealben man solche Sprüche heutzutage noch hinein schreiben könnte. Nur wenige ergeben so einzeln betrachtet einen Sinn, die meisten aber sind nur in Verbindung mit dem gesamten Werk verständlich. Ich habe es mir komplett durchgelesn und war ziemlich gelangweilt und nicht sehr gut unterhalten, obwohl ich so Werke wie "Max und Moritz" und "Die fromme Helene" geradezu verschlungen habe. In großen und ganzen ist das Buch sehr nett anzusehen, aber (vor allem passendere) Sprüche für Poesiealben und Co. findet man auch im Internet.