Wir wissen schon seit Längerem: Unsere Welt ist überbevölkert. Und weil der Mensch sich häufig nach dem sehnt, was er nicht hat oder haben kann, üben spärlich besiedelte Gegenden eine große Faszination aus. Hier kann man sich einerseits als Mensch wieder als ein in die Natur eingebettetes Wesen erleben, andererseits auch von einer Hilfsbereitschaft profitieren, die in größeren menschlichen Gesellschaften weniger ausgeprägt ist. Hat man zum Beispiel auf dem Dempster Highway nördlich des Polarkreises eine Panne, muss man zwar eine Weile warten, bis das nächste Auto vorbeikommt, kann aber darauf vertrauen, dass der Fahrer oder die Fahrerin hilfsbereit anhält.Günther Vogt wurde Mitte der 1970er Jahre vom Fernweh nach Nordwestkanada (Yukon) und Alaska befallen und bereiste diese Gegend dann bis Mitte der 1980er Jahre vier Mal. Er nimmt uns als Leserinnen und Leser dieses Buches mit auf diese vier Reisen; und auch wenn wir ihm nur mit dem Finger auf der Landkarte (bzw. mit den roten Linien in Google Maps) folgen können, so gelingt es ihm, dass wir uns als willkommene Beifahrer fühlen. Wir begegnen Aussteigern, Goldsuchern, Krankenschwestern, Anglern, sehen Buchten, schneebedeckte Berge und Taiga und fühlen das eigene Fernweh wachsen. Das Buch macht wirklich Lust, die nördlichen Breiten unseres Planeten (zumindest im Sommer) selbst zu erforschen. Es enthält neben Vogts kenntnisreichen Texten auch viele Fotos. An dieser Stelle auch die einzige kleine Kritik: Mir ist bewusst, dass es vom Layout her aufwändiger ist, Fotos in Fließtext zu integrieren, aber hier hätte ich es mir manchmal gewünscht. (Die Bilder finden sich jeweils gebündelt am Ende der Kapitel, auf die sie sich beziehen.) Auch hätte man das Foto mit dem Grizzlybären, der auf dem Foto gar nicht zu erkennen ist (S. 139), vielleicht nicht abdrucken müssen.Das Buch sei allen Liebhabern von Reiseliteratur empfohlen und bietet auch dann eine spannende Lektüre, wenn man gar kein besonderes Interesse an Alaska und Yukon mitbringt... (es besteht aber natürlich die Gefahr, dass sich ein solches Interesse im Laufe der Lektüre entwickelt!)