Henry Hazlitt (1894 - 1993) gilt als einer der brillantesten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und schrieb für den Wallstreet Journal, der New York Times oder Newsweek. Sein längst vergriffenes Werk erschien 1968 mit dem Titel: "What You Should Know About Inflation". In 44 Kapiteln beschreibt Hazlitt in sehr klarer Sprache die Hintergründe und Zusammenhänge der Inflation. Seine Ausführungen tangieren auch die Weltwirtschaftskrise der zwanziger und dreißiger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. 2017 wurde sein Buch neu aufgelegt, und ich kann nur jedem diese Lektüre empfehlen. Seine Ausführungen sind noch aktueller und noch brisanter geworden.Das Wort "Inflation" leitet sich vom lateinischen Wort "inflare" ab, was soviel bedeutet wie "aufblähen". Bei einer Inflation bläht sich immer die Geldmenge auf. Die gesamte Geldmenge M3 der Europäischen Zentralbank hat sich von 4.715 Mrd. € im Jahr 2000 auf 12.130 Mrd. Euro im Juli 2018 mehr als verdoppelt. Nach Hazlitt ist Inflation ein Wachstum der Geldmenge, welches das Wachstum des Güterangebotes übersteigt (vgl. S. 138). Doch was ist die Ursache der Inflation? Welche Auswirkungen hat sie? Wer profitiert von der Inflation, wer sind die Verlierer, und wie kann die Inflation gestoppt werden?Die Inflation wird durch den Anstieg der Geldmenge verursacht. Unsere politischen Führer sind diejenigen, die die Inflation mit ihrer Haushaltspolitik erzeugen. Sie versprechen, ein Problem, das sie mit der linken Hand verursacht haben, mit der rechten zu lösen. Tatsächlich ist die Inflation ein Anstieg der Menge an Geld und Krediten. Erst wenn das verstanden wird, können wir die Inflation stoppen.Regierungen verfolgen weltweit drei Ziele: a) kontinuierlich steigende Löhne, b) stabile Preise und c) Vollbeschäftigung. Diese Ziele können nicht gleichzeitig erreicht werden. Die Europäische Zentralbank zielt auf eine Inflation von 2 %, um "die Preise stabil zu halten". In Wirklichkeit werden damit die Preise aber nicht stabil gehalten, sondern die Geldmenge immer weiter aufgebläht. Die Hauptprofiteure sind die Staaten, die mit diesem Geld ihre jeweilige Politik finanziert. Ein Staat kann normalerweise nur das Geld ausgeben, das er durch Steuereinnahmen und / oder Kreditaufnahme erhalten hat. Da die Staatsverschuldungen der meisten Staaten der EU bereits alle vereinbarten Grenzen überschritten haben und die Steuerbelastung seit längerer Zeit an der oberen Schmerzgrenze der Bürger und Unternehmen angekommen ist, behelfen sich die Staaten durch eine rücksichtslose Ausweitung der Geldmenge.Was bewirkt eine Inflation? Bei jeder Inflation gibt es Gewinner und Verlierer. Eine der Wirkungen ist die Umverteilung von Vermögen und Einkommen. "Die Inflation ist schädlich, weil sie den Wert der Währungseinheit verringert, die Lebenshaltungskosten erhöht, den Ärmsten de facto eine ebenso hohe Steuer auferlegt wie den Reichen, den Wert der Ersparnisse auslöscht, den Menschen den Anreiz zum Sparen nimmt, Vermögen und Einkommen ungerecht umverteilt, die Spekulation anheizt und belohnt, während sie Sparsamkeit und Arbeit bestraft, das Vertrauen in die Gerechtigkeit der freien Marktwirtschaft untergräbt und die öffentliche und private Moral schwächt" (vgl. S. 24 ff.).Durch die Inflation steigen auch Löhne und Gehälter, was wiederum die Kosten der Produktion erhöht und damit auch die Preise. So schließt sich der Kreislauf. Als Fazit steigen zwar die Einkommen, aber die Menschen wandern in immer höhere Steuerklassen und werden immer stärker vom Staat geschröpft, obwohl die Kaufkraft nicht oder kaum gestiegen ist. Somit ist der Staat der größte Profiteur und gleichzeitig der Verursacher der Inflation. Er schürt auch die Illusion, dass alle "reicher" werden, da ja die Einkommen immer steigen. Der Kaufkraftverlust wird unter den Teppich gekehrt. Hazlitt meint, dass die Inflation immer in einer Krise und in einer Rezension endet. Die schlimmste Illusion und Fehleinschätzung ist allerdings der Glaube der Allgemeinheit, die Rezension sei nicht durch die Inflation, sondern durch die "inhärenten Mängel des Kapitalismus" heraufbeschworen worden. Das Gegenteil ist richtig. Nicht die "Wirtschaft" oder der "Kapitalismus" ist die Ursache der Inflation, sonder allein die Erhöhung der Geldmenge, und die steuert der Staat, bzw. die Staaten. Fest steht auch, dass es unmöglich ist, alle auf Kosten aller reich zu machen!
Dass Buch ist gut geschrieben und interessant.Jedoch war mir beim Kaufen nicht bewusst, dass es vor 60 Jahren geschrieben wurde und vor allem die Zeit der 1960er und 70er behandelt. Die Statistiken aus der Zeit sind heute natürlich nur noch mäßig interessant, die Theorie dahinter ist heute aber noch so aktuell wie damals. Das Buch ist auch keine Mogelpackung es steht hinten groß drauf das es ein Re-Print eines Klassikers ist. Hätte ich mir vorher genauer durchlesen sollen, ein Stern Abzug wie man das vielleicht noch ein wenig deutlicher hervorheben hätte können. Insgesamt aber durchaus zu empfehlen, vor allem weil es kaum was aktuelles zu dem Thema gibt.