Es gibt Bücher, die aus dem schöpferischen Impuls nach dem Selbstausdruck heraus geschrieben werden, solche, die geschrieben werden, um uns zu unterhalten oder um Wissen zu vermitteln, und es gibt Bücher, denen das Bedürfnis zu Grunde liegt, diese unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dazu würde ich auch das Buch von William Stillmann "Autismus und die Verbundenheit mit Gott" zählen. Sein Autor, ein Experte für Autismus und Spiritualität setzt sich seit 1987 für die Rechte von "Menschen mit anderer Seinsweise ein". Man möchte sagen, Gott sei Dank! War nämlich 1990 (in den USA) nur 1 von 10.000 Kindern autistisch, so waren es 2007 bereits eins von 150 Kindern, so der Autor. Der rapide Anstieg der Zahl von Kindern, die von dieser Entwicklungsstörung betroffen sind, wächst in einem besorgniserregenden Tempo. Über die Ursachen dieses "Phänomens" streiten sich die Geister. Genetisch, also durch die Vererbung, lässt sich das schlecht erklären, eben wegen der epidemienartigen Verbreitung dieser Störung, was löst sie dann aus?Ich wurde auf dieses Thema aufmerksam gemacht, als mir vor einiger Zeit ein Artikel in die Hände fiel, der über den Zusammenhang zwischen der Verbreitung des Autismus und den Impfungen handelte, die den Kindern im Alter unter sechs Monaten verabreicht werden. Im Alter also, bevor sich die Blut-Gehirn-Schranke herausbilden kann, so dass die in Impfungen enthaltenern "Gifte" das ungeschützte Gehirn beschädigen. Ich habe kein Recht, darüber zu urteilen, ob dies wirklich stimmt, für mich klingt es überzeugend, denn beim Autismus handelt es sich um eine "neurologische Abweichung in der Vermetzung des Gehirnes" und dass diese Entwicklung durch äußere Einflusse beeinflusst werden kann, ist anzunehmen.Stilan vertritt allerdings eine andere Meinung zu diesem Thema. Er schließt sich der Auffassung von dem Medizinjournalisten Dan Olmstead an, der suggeriert, dass "die angestiegene Zahl der autistischen Kinder ein Echo auf unsere jüngste Geschichte sei": "dass die Welt inmitten der stetig zunehmenden globalen Sorgen mehr Liebe, Mitgefühl und Toleranz braucht, wird dier Anzahl dieser Kinder lautlos, aber zweifellos exponenziell ansteigen. Denn so viele Menschen mit Autismus sind im Kern ihres Wesens nichts als Liebe". Für mich ist es kein Widerspruch. Sein gesamtes Nervensystem, schreibt Stillman, der sich selbst, wie er es formuliert, "im Asperger-Syndrom (einer leichten, hochfunktionalen Form vom Autismus) erkennt", sei so feinfühlig, dass seine Emotionen und Sinne in einer Frequenz "schwingen", die sich von jener der meisten anderen Menschen unterscheide. Die Befähigung der Sinne zu einer höheren Schwingung stimme "mit der prägnanten, oft überwältigenden autistischen Sensibilität für das überein, was man sieht, riecht, schmeckt, berührt oder hört", erklärt er. Man kann sich vorstellen, dass gerade solche hoch sensiblen Menschen besonders negativ auf die aggressiven Stoffe der Impfungen oder auf die sensorische Überreizung und die emotionale Härte reagieren, die in unserer Welt die Norm ist... Und das hieße für mich - je sensibler und spiritueller der Mensch (die Seele), desto gefährdeter sei er vom Autismus.Wie dem auch sei. Autismus gilt heute als eine verheerende Krankheit, die nicht heilbar ist, und die Betroffenen werden meistens als Opfer bezeichnet, schreibt Stillmann und fragt im gleichern Atemzug - "aber was, wenn es einen Zweck erfolgt? Was, wenn ein Plan dahinter steckt? Was, wenn es stattdessen eine Gabe ist? Was, wenn Autismus eine Verbundenheit mit Gott ist?".Ich kann mir vorstellen, wie heftig ein Autor, der sich erlaubt, eine solche Meinung öffentlich zu präsentieren, angegriffen werden kann. Autismus ist ja keine harmloser Störung, er äußert sich ja als eine Kommunikationshemmung - viele Autisten können entweder gar nicht sprechen oder ihre sprachlichen Fähigkeiten sind begrenzt ("in seiner leichten Form können sie viele soziale Konventionen und Interaktionen auf die übliche Weise nicht interpretieren, zum Beispiel Humor und versteckte Anspielungen (d.h. sie interpretieren alles wörtlich), außerdem liegt bei ihnen eine ausgeprägte Abweichung der fein- und grobmotorischen Fähigkeiten vor". Jemand, der solche Beeinträchtigungen als eine "Gabe" bezeichnet, bewegt sich auf einem dünnen Eis, denn er läuft Gefahr, mit dem Vorwurf konfrontiert zu werden, er würde eine schwere Störung idealisieren. "Mir ist klar", schreibt deshalb Stillmann, "dass die spirituelle Begabung von Menschen mit Autismus ein heikles und umstrittenes Thema" sei und betont immer wieder, dass er mit seinem Buch nicht behaupten will, dass alle Personen mit Autismus über besondere spirituelle Fähigkeiten verfügen, doch seine autistichen Freunde bestätigen seine Theorie. So der fünfzehnjährige Michael, der sich mit folgender Botschaft an die Menschen wendet: "Ich bin ein Autist. Das ist das Erste, was Sie über mich wissen müssen. Ich bin außerdem ein Bote Gottes. Alle Behinderten sind Boten Gottes. Wir sind hier, um den Leuten zu helfen, ihre Seele wiederzufinden". Um - wie es Stillmann formuliert - "Mitgefühl, Sensibilität und bedingungslose Liebe" - also "die wichtigsten Lektionen des Menschseins" - besser zu verstehen.Wenn Sie sich fragen, warum alle Behinderten "Boten Gottes" seien - Michael kennt die Antwort: "Nur durch einen defekten Körper kann man eine spirituelle Verbundenheit mit dem Ganzen aufrechterhalten. Im Körper verlieren wir jede Erinnerung an unsere Göttlichkeit..." Es fällt uns nicht einfach, diese Sichtweise zu akzeptieren - die Vorstellung, dass "eine heile Seele ein defekter Körper und eine defekte Seele ein heiler Körper sei" - doch körperbetonte Menschen sind in der Tat seltener spirituell als Menschen, die gebrechlich sind. Deshalb hatte auch Tiziano Terziani, der Autor des bewegenden Buches "Das Ende ist mein Anfang" behauptet, dass es für ihn Glück sei, seine Krankheit, an der er übrigens starb, zu bekommen. Und auch Claire Silvia, die Autorin des Buches "Herzensfremd" ist dieser Zusammenhang nicht entgangen - sie sei vor ihrer Herzoperation wesentlich spiritueller gewesen, als danach, bekennt sie. Deshalb schreibt auch Michael: "Es ist sehr schwierig, in einem heilen Körper die Göttlichkeit zu finden. Die Menschen verlieren sich im physischern Sein, und nichts kann durchdringen".Nachvollziehen kann man das schon. Die Menschen mit Autismus, schreibt Stillman, "haben ihren Körper nicht vollständig in Besitz genommen und man vermutet, dass es eine Kompensation gibt, die eine besondere Ausrichtung auf ihr Unterbewusstsein oder ihr spirituelles Selbst erzeugt". So gesehen kann Autismus als "Geschenk des Himmels" betrachtet werden. Die Frage ist nur - was ist hier Ursache und was ist Wirkung? Sind die autistischen Menschen spirituell, weil sie ihren Körper nicht in Besitz genommen haben, oder haben sie ihren Körper nicht in Besitz nehmen können, weil sie spirituell sind? Stillman schreibt: "Diese Fähigkeit, auf einen endlosen Strom des Geistigen zurückzugreifen, kann eine mentale Abtrennung vom physischen Körper bewirken, eine neurologische motorische und räumliche Entkoppelung".Was nicht heißt, dass Stillman diese Störung verklären will. Doch statt auf die Defizite der autistischen Menschen zu verweisen, will er zeigen, "dass Menschen mit anderen Seinsweisen" oft "andere Stärken, Begabungen und Fähigkeiten" als "neurotypische Menschen" haben, also keine "geistig zurückgebliebenen" Geschöpfe seien, sondern hoch entwickelte Seelen, die über "große geistige Gaben" verfügen und "oft eine Schönheit besitzen, die von ihnen heraus strahlt". Er meint damit übrigens nicht die spektakulären "Inselbegabungen", die den sogenannten "Savants" eigen sind, auch ein echtes "Phänomen", das sich weitgehend unseren Erklärungsversuchen entzieht, sondern ihre anderen, "paranormalen" Fähigkeiten - "die göttlichern Erfahrungen", wie er sie nennt: die Fähigkeit der Telepathie, die Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren, eine andere Art zu denken (visuell, in Bildern), das ausgeprägte Mitgefühl und Empathie mit allen Lebewesen, ihre Gabe, die Dinge vorauszuahnen, ihre enge Bindung an die spirituellen Beschützer, ihre Fähigkeiten, Geistwesen (auch Engel oder verstorbene Großeltern) zu sehen oder auf die Atmosphäre der Räume zu reagieren, und nicht zuletzt eine seltene Gabe, andere "Menschen zu lesen" oder sich an "das Leben vor dem Leben" zu erinnern.Wie wichtig für die Betroffenen und ihre Familien die Arbeit von Stillman ist, beweist ihre positive Reaktion auf seine Bücher, Workshops und Fernsehauftritte. Allerdings sei er manchmal von Menschen mit derart "großen Gaben" gewarnt worden, dieses Thema weiter zu verfolgen. Einer von seiner autistischen Freuden meinte, es wäre besser, darüber zu schweigen: Er wolle nicht das Risiko eingehen, "irgendwelche Leute, die womöglich vorgefasste Meinungen mitbringen, gegen sich aufzubringen und Klischees über autistisches Verhalten zu bedienen, die dann als Wahnvorstellungen und psychotische Episoden wegerklärt und medikamentös entsprechend behandelt werden." Ist es nicht bedrückend, wenn man realisiert, das hoch spirituelle Menschen Angst haben müssen, man würde ihre besonderen Fähigkeiten "wegtherapieren"!? Dieses Problem wurde übrigens bereist in den 70ern im Rahmen der sogenannten Antipsychiatriediskussion zur Sprache gebracht. Damals sind viele Bücher erschienen, die auf besondere Begabungen und Sensibilität von Menschen eingingen, bei denen Schizophrenie diagnostiziert wurde (u.a. "März" von H. Kipphardt).Schizophrenie, Multiple Persönlichkeit, Epilepsie, Down-Syndrom... Es gibt viele Krankheiten, die - wie der Autismus - als "andere Seinsweise" bezeichnet werden können, und man wusste schon immer, dass sich unter den Menschen, die von ihnen betroffen werden, mehr Spirituelle gibt, als unter den sogenannten Normalen. Deshalb wurden auch solche Krankheiten "heilige Krankheiten" genannt. Seien wir mal ehrlich - wenn Jesus - oder meinetwegen der hl. Franziskus - heute leben würden, hätte man sie sicher mit der Diagnose einer psychischen Krankheit eingewiesen und mit Psychopharmaka stillgestellt, oder? Wir leben halt in Zeiten, in denen die "Verbundenheit mit Gott", die auf Kosten der "Verbundenheit mit dem physischen Sein" entsteht, oft als ein Symptom einer zu therapierenden Krankheit interpretiert wird.Fazit: Die Arbeit von Stillman hat den Zweck, den Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, den Autismus zu verstehen und ihn als eine Chance wahrzunehmen, an Herauforderungen, die er mit sich bringt, spirituell zu wachsen, statt mit Kraft zu versuchen, ihn zu "heilen". Autismus - lautet seine Botschaft - "sei keine minderwertige Seinsweise"! Nach meinem Ermessen ist er mit diesem Buch dieser Aufgabe gerecht geworden. Ilona Banet.