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Moritz Pfeiffer hat als Student mutig geleistet, was die Wissenschaft längst hätten umsetzen sollen, z. B. in den Fachbereichen Geschichte, Kulturwissenschaft, Psychologie...! Das Buch ist hervorragend gelungen und zeigt, dass eine subjektive Herangehensweise durchaus wegweisend sein kann. Aber niemand muss sich jetzt vorwerfen, die eigenen (Groß-)Väter nicht selbst befragt zu haben - wer weiß, ob die überhaupt geredet hätten? Meine Versuche in der eigenen Familie sind regelmäßig genau daran gescheitert, ich kriege nur "weiße Westen" und granatensichere Betonwände zu sehen. Exemplarisch steht die Geschichte von M. Pfeiffer sicher nicht für die deutsche Vergangenheit. Ärgerlich ist bei der Kriegsgeneration das tödliche (!) Schweigen. SIe hat uns damit seelische Trümmer hinterlassen, die wir mühsam erkennen und aufräumen zu müssen. Aber lernen wir endlich mal etwas daraus? Was tun wir eigentlich gegen Guantanamo, Abu Ghraib, Kriege in den Nachbarländern und sogar auf den eigenen Straßen? Was gegen qualvolle Tierhaltung, Folter, Menschenhandel und Kindesmissbrauch? Was werden wir unseren (Enkel-)Kindern antworten, wenn sie uns danach fragen??????
Nachdem ich den Autor in einer Talk-Show im Anschluss an den Spielfilm "Unsere Väter, unsere Mütter" gesehen hatte, habe ich mir das Buch gekauft. Wissend, dass es sich um eine etwas überarbeitete Magisterarbeit handelt, war ich fasziniert von der Art der Auseinandersetzung mit dem eigenen Großvater und dessen Rolle im Krieg. Es ist eine sehr private Auseinandersetzung. Schade, dass das Buch relativ kurz ist. Trotzdem fünf Sterne und eine klare Kaufempfehlung für Alle, die nicht nur an den gängigen TV-Dokumentationen über diese Zeit interessiert sind.
Dieses Buch habe ich mir gekauft, um mich in die Lage meines Urgroßvaters väterlicherseits hineinzuversetzen. Er ist im zweiten Weltkrieg gefallen.Ich fand das Buch aufschlussreich und verständlich. Das Thema interessant.
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Produktfakten auf einen Blick zur EAN 9783943425024
Hersteller
Donat Verlag, Bremen
EAN
9783943425024
Hersteller-Artikelnr.
1258030
Kategorie
Bücher
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27.10.2026 14:21 Uhr
Produktbeschreibung
Umfragen zufolge sind heutige Jugendliche über die Zeit des Nationalsozialismus besser informiert als die erste Nachkriegsgeneration. Gleichwohl wünschen sie sich einen Opa, der 'kein Nazi' oder der im Widerstand war. Eine repräsentative Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Emnid belegt: Fast die Hälfte der Deutschen geht davon aus, die eigenen Eltern oder Großeltern hätten dem Nationalsozialismus sehr negativ oder eher negativ gegenübergestanden. Von den Befragten mit höherem Bildungsniveau schrieben sogar 56 % ihren familiären Zeitzeugen eine NS-kritische Position zu. Nur 6 % räumten ein, ihre Vorfahren seien eher positiv (4 %) oder gar sehr positiv (2 %) eingestellt gewesen. Würde das stimmen, hätte das NS-Reich von Gegnern nur so wimmeln müssen. Das Gegenteil war der Fall. Allein die Wahlergebnisse in der späten Weimarer Republik lassen an diesem familiären Geschichtsbild der Deutschen berechtigte Zweifel aufkommen. Dass die Enkel lieber von einem Anti-Nazi-Opa als von einem Nazi-Opa abstammen möchten und ihnen eine Familiengeschichte ohne Nationalsozialismus und Holocaust lieber ist, mag verständlich sein - wie aber war und ist es wirklich Darauf gibt ein neues Buch bedenkenswerte und überraschende Antworten. Über Wochen und Monate hinweg hat der junge Historiker Moritz Pfeiffer seine Großeltern, vor allem seinen Großvater, nach deren Haltung und Erlebnissen im Dritten Reich und Zweiten Weltkrieg befragt. Beide ließen sich vom NS-Regime begeistern und waren, wenn man so will, 'Entscheidungsträger'. Wie viele andere dienten sie willfährig dem NS-Staat, sei es als BDM-Führerin oder als Wehrmachtsoffizier. Was wussten sie von der Verfolgung von Juden, der grausamen Behandlung von Kriegsgefangenen und anderen Verbrechen Was erlebten sie im Krieg, sei es an Frontabschnitten oder an der 'Heimatfront' Wie gingen sie nach dem Krieg mit ihren offenbar gewordenen Irrtümern um Und wie beantworteten sie die Fragen ihres Enkels nach der 'Chronologie und Kausalität der Grausamkeiten' In umfangreichen Interviews gaben die Großeltern ihm Auskunft. Er zeichnete alles auf und machte daraus ein Erinnerungsbuch. Die achtzig Seiten waren, so Moritz Pfeiffer, 'ein Erfolg im Familienkreis, als ich sie zu Weihnachten als Geschenk präsentierte.' Doch das war erst der Anfang. Die Erinnerungen des Großvaters verglich er - alle Angehörigen erklärten sich damit einverstanden - mit den verfügbaren zeitgenössischen Quellen (Briefe aus der Zeit vor und nach 1939, Militärzeugnisse, im Bundesarchiv / Militärarchiv verwahrte Wehrmachtsakten, unter anderem die Kriegstagebücher der Militäreinheit des Großvaters). Bereits in den Gesprächen mit den Großeltern waren ihm Widersprüche, Unstimmigkeiten und Ausflüchte aufgefallen. Nun mehrten sie sich. Um das Erzählte des Großvaters zu analysieren und zu beurteilen, was sich an den Orten seiner Stationierung als Offizier wirklich ereignet hat, berücksichtigte Pfeiffer zudem die Erkenntnisse der neueren Militärgeschichtsschreibung und historiografischen Forschung. Das Ergebnis: Die Erinnerungen der Großeltern waren häufig verharmlosend und unstimmig, augenscheinlich bemüht, insbesondere die eigene Verantwortung und Beteiligung zu minimieren - wenngleich wohl ohne aktive Täuschungsabsicht. Behauptungen wie 'von den deutschen Verbrechen oder verbrecherischen Befehlen nichts gewusst zu haben' hielten der Realität nicht stand. Unsensibel blieben die Großeltern auch über sechzig Jahre danach gegenüber den Leiden der Opfer.Bei all dem hat es sich Pfeiffer nicht leicht gemacht. Er respektiert und liebt seine Großeltern, und dennoch kommt er nicht umhin, sie als 'belastet' einzustufen und zu schreiben: 'Meine Großeltern waren zeit- und teilweise Augenzeugen, ja sogar mit ausführendes Organ eines Vernichtungskrieges und Genozids unvorstellbaren Ausmaßes.' Als Historiker, so Wolfram Wette in seinem Geleitwort zu dem Buch, 'argumentiert Moritz Pfeiffer quellennah, kenntnisreich, problembewusst und unprätentiös. Er gefällt sich nicht in der Pose des Anklägers, sondern beschränkt sich auf die Rolle des sensiblen, aber zugleich hartnäckigen und wissbegierigen Rechercheurs. So gelingt es ihm, an einem familiengeschichtlichen Beispiel die Mechanismen von Erinnern, Vergessen und Verdrängen sichtbar zu machen.' Kurzum: ein Buch das ebenso ungewöhnlich wie wegweisend sein dürfte. Es eröffnet die Chance zu einem neuen Umgang mit der Vergangenheit, der die Nachgeborenen auf eine Weise freimacht von der Last ihrer Väter und Großväter, Mütter und Großmütter, wie es bislang so nicht der Fall gewesen ist.
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