★★★★★
k.A.
22.06.2026
ean-shopping.de
Ein provokantes und zum Nachdenken anregendes Buch über die Inflation, das die wirtschaftlichen Zusammenhänge auf eine sehr zugängliche Weise erklärt. Allerdings wirkt der Ton in einigen Passagen etwas zu umgangssprachlich für eine tiefgehende Analyse.
Im Juli 2021 geschrieben, wurden zahlreiche Prämissen des Buches mittlerweile von der Realität eingeholt, welche das Buch allerdings noch spannender und lesenswerter machen. Mittlerweile sind zahlreiche Institutionen schwach geworden, insbesondere die EZB Präsidentin und ihr Chefökonom. Der Bundesbankpräsident Weidmann ist als eine Instanz der Stabilität zurückgetreten. Gleichzeitig gibt es nun doch wieder Krieg in Europa und damit knapper werdende Rohstoffe. Der Druck auf die europäischen Regierungen steigt und Lockdowns in China tun ihr übriges zur Angebotsverknappung. Ausufernde Erzeugerpreise deuten eine Entankerung der Inflation an. Um die Verhältnisse von damals und die mittlerweile erschreckenden Parallelen zu vergleichen ist dieses Buch sehr gut geeignet, ich kann es sehr guten Gewissens weiterempfehlen.
★★★★★
Graf von Falkenstein
22.11.2024
amazon.de
Georg von Wallwitz beschreibt in seinem Buch die Inflationsentwicklung der Weimarer Republik, unter besonderer Betrachtung von vier Protagonisten ( Hugo Stinnes, Walther Rathenau, Karl Helfferich, Rudolf Havenstein ), welche die Ereignisse dieser Zeit in besonderem Maße prägten.Als vorrangiges Ziel wurde die Solvenz des Staates erachtet ( Fiskalische Dominanz ). Durch die exorbitante Aufschuldung während des ersten Weltkriegs und dannach, verfiel der Ausßenwert der Reichsmark, was zusätzlich zu einer "Importierten Inflation" führte. Gleichzeitig war durch die Schwäche der Währung nie genug Geld vorhanden, um die ausländischen Güter zu bezahlen. Auch waren die Reparationsforderungen in Pfund und Dollar zu begleichen. So wurde stets neues Geld gedruckt um das System am Laufen zu halten. Letztlich verständigte man sich darauf die Inflation zuzulassen, um die Inlandsverschuldung zu tilgen. So beliefen sich die Kriegsschulden in Höhe von 154 Mrd. Reichsmark, nach vollzogener Währungsreform auf lediglich 15,4 Pfennig in Rentenmark.Die Erfahrungen von Kaufkraftverlust, Arbeitslosigkeit, Revolution und Hunger, prägen noch immer das Verhältnis der Deutschen zur angestrebten Stabilität einer Währung. Dieses Narrativ wurde generationsübergreifend weitergegeben. Bedenkt man, dass angespartes Geld gespeicherte Lebensarbeitszeit bedeutet, welche vernichtet wird, zeigt erst die zerstörerische Wirkung der Inflation. Diese trifft vorwiegend die Mittelschicht, da diese sich nur schwer durch Investitionen in Sachwerte schützen kann.Der Autor wirft einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen, wo insbesondere seit der Finanzkrise 2008/2009, sowie der Coronakrise 2020 die Geldmenge exorbitant ausgeweitet wurde, jedoch, bis zur Niederschrift des Buchs, keinen nennenswerte Inflation zu verzeichnen war. Er zieht den Schluss, dass die Umstände der Weimarer Verhältnisse, den heutigen in keiner Weise ähnlich sind.Damals galt es Kriegsreparationen zu bezahlen, welche durch die Steuereinnahmen kaum zu bewältigen waren. Durch die Besetzung des Rhurgebiets, fiel ein entscheidender Produktionsstandort weg, während der Staat die streikenden Arbeiter weiter bezahlte.Um Inflation auszulösen bedarf es eines Anstoßeffekts, welcher mittlerweile in Form des Angebotsschocks durch unterbrochene Lieferketten, sowie die selbst erzeugte Energieknappheit stattfand. So konnte sich die Situation binnen eines Jahres grundlegend verändern und das Buch einen aktuellen Bezug erhalten.Es bleibt die Aussage von Milton Friedman, dass Inflation immer ein monetäres Problem darstellt.